Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1845)
- Date
- 1845-08-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2566751-2566964-2566999--1598-2569391- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mnto nnyw *6«, was so viel sage, daß die Emancipanon die Verwirklichung des Messiasreiches sei. Eben so zeige die Stelle: obiyn rprw -iy an -in p }\n 2"I1 .-1^12 ix ’*OT und viele andere, daß die Idee von der Ankunft eines Messias nur eine Redensart war. Selbst ein großer Theil unserer jetzigen Orthodoxen baden diesen Glauben nur in der Synagoge, nicht aber im Herzen. Wolle man daher kein bloßes Spiel mit dem Gebete treiben, so dürfe der Ausdruck jener Idee nur auf ihre geistige Auffassung sich beschränken. Schließlich erinnere er an den rabbinischen Spruch: Gott allein habe Israel zu erlösen und kein Mensch. Maier: Die Messiasidee habe bei allen Propheten und Lehrern eine politische und eine religiöse Färbung, wie der Staat und die Religion eine Theokratie waren. Die politische Seite bestehe in dem Gedanken, daß die religiöse Erlösung durch die Zukunft der Israeliten und durch einen Sohn Davids verwirklicht werden solle, da mit David die politische Selbstständigkeit begonnen habe. In den Gebeten seien auch beide Seiten zum Ausdruck gekommen; was bis in die neueste Zeit eine Wahrheit war und nicht eine bloße Redensart. Die politische Seite habe sich nun aber überlebt; sie wurzele nicht mehr in der Ueberzeugung eines großen Theils der Iudenheit; vielmehr sei dieselbe des Glaubens, daß das große Drama, welches Israel in der Weltgeschichte darstelle, auch ohne die Rückkehr nach Palästina und das Erscheinen eines politischen Messias, gelöst werden könne. Eine reservatio mentalis dürfe aber durchaus nicht im Gebete geduldet werden; wie z. B. nach unseren Begriffen die Stelle: -py 2wr\ D’Drro. Die Idee solle ihre volle Berücksichtigung finden, aber nur in einem Ausdruck, der allgemein genehmigt werden könne. ' Wechsler: Man befinde sich bei dieser Frage auf dem Gebiete der Hoffnung. Diese lasse sich nicht streng definiren, sie verschwinde aus dem Gemüthe, wenn man es thue. Das wie der Hoffnung sollte daher nicht in unseren Gebeten ausgedrückt werden. Wir haben nun einmal recipirte Gebete, und darum sollten diejenigen Ausdrücke, welche verschiedene Deutungen zulassen, beibehalten werden. Er selbst gebe auch keine nationale Bedeutung zu, aber man müsse suchen, im Gebete dem Geiste der Mehrheit zu genügen, und darum sich so weit akkomodiren, als es gehe. Ein Anderes sei, wenn es zur Abfassung neuer Gebete komme; da müsse die allgemeine Idee mehr Befriedigung finden, dann auch Ausmerzung aller derjenigen Stellen, die sich nicht mit derselben vertragen. Er erinnere nur noch an das Wort „Volk" (Dy), welches doch auch ein sehr zweideutiger Begriff sei, das wir aber dennoch nicht aus unseren Gebeten zu streichen gesonnen seien. A. Adler: Der Glaube att einen Messias sei das Unterscheidende im Iudenthum und man könne daher in Beziehung auf seinen Ausdruck nicht vorsichtig genug sein. Er enthalte die Zuversicht, daß die Tugend einst als Siegerin hervortreten werde, daß die Menschheit sich immer mehr vervollkommnen werde, daß sie dereinst zur Versöhnung mit der Gottheit kommen werde. Es habe nun allerdings im Dogma der Messias seine eigene Färbung erhalten, die wir ihm nehmen müssen. Dabei dürfen wir aber nicht stehen bleiben; sondern während wir einerseits negirend verfahren und alles Unwahre aus derselben entfernen, müssen wir andererseits positiv wirken, d. h. den ganzen reichen Inhalt, welchen die wahre Idee in sich fasse, zum lebendigen Bewußtsein des Betenden bringen. S i e s k i n d: Die Bitte um Rückkehr nach Palästina sei eine unnatürliche, denn der Mensch hänge von Natur an seinem Vaterland, selbst derjenige, dem dieses nicht Alles biete. Die Geschichte Israels sei eine politisch-religiöse; jene Seite möge nun verschwinden, diese aber bleiben. David als Herrscher gehöre der früheren Anschauung an, David als Lehrer, Erlöser bleibe. Auch Jerusalem, Zion, Tempel mögen uns als religiöse Vorstellungen bleiben. Das Wort der Gebete sei immer auf ein Specielles, der Inhalt auf ein Allgemeines gerichtet. Israel stelle dadurch einen großen Gegensatz zum Heidenthum dar, daß sein Menschenbegriff nicht auf den Volksgenossen beschränkt sei. Die Propheten zu ihrer Zeit würden einen Hochverrath begangen haben, wenn sie für immer den Untergang des jüdischen Staates ausgesprochen hätten. Für uns sei aber nur das religiöse Moment das Normirende.' Au erb ach:Es gereiche nur zur augenbli cklichen Beruhigung, daß man nicht über den Glauben abstimmen wollte; denn der wesentliche Inhalt des Glaubens müsse im Gebete ausgedrückt werden. Er stimme