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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-24 · Heft 34 (24.8.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 34 (24.8.1845)
Date
1845-08-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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270 Volkslehrcr darauf ausgehen, ihre Religion zu vernichten! Diesen verketzernden Ausspruch thut er aber klarer und deutlicher, wie er es nicht hätte thun können, in den Worten: „ die Erhaltung des Judenthums ist das innerste Element meines Lebens und das Ziel aller meiner Bestrebungen, dem ich von meiner Seite jedes Opfer zu bringen bereit bin, so wie ich von der andern mich mit Tendenzen, die das Gegentheil herbeiführen, in einem nie auszugleichenden Widerspruche befinde". Weil das hebräische Element in den Gebeten nicht, wie er selber zugiebt, objektiv-gesetzlich, sondern blos historisch, herkömmlich ist, nennt er den Geist der versammelten Rabbiner, die es für die Zukunft unter gegebenen Bedingungen aus denselben zu entfernen sich vorgenommen, den der Zerstörung des positiv-historischen Judenthums. Nicht nur die Rabbiner, sondern auch die Gemeinden, von welchen jene gewählt, verunglimpft der Mann hiermit als gefinnungslose, auf Zerstörung des Heiligsten ausgehende Menschen. So spricht man hier von der neuen That F's. Man zweifelt hier nicht daran, daß die Gekränkten dem rückfichtslosen Verunglimpfer einen Jnjurien- Prozeß machen würden (?). Selbst gefittete Orthodoxen halten die plötzliche Selbstentrückung und hirngespinnstigen Ausfälle des Mannes für unangemessen und suchen ihn moralisch dadurch zu retten, daß sie für die Motivirung seines Schrittes noch verborgenere Gründe, als er bereits geoffenbaret^ in seinem Herzen wollen obwalten lassen. Der Widerlegung bedarf das vom Rabbiner an der Böhmischen Grenze Bvrgebrachte von Seiten der Heerven nicht, da dies bereits die Hirten selber gcthan. Es braucht ferner nicht gesagt zu werden, daß, nach des Dissentirenden Meinung, die ganze Christenheit griechisch beten müsse, da ihre heilige Schrift in dieser Sprache geschrieben, und weil fie sich unter allen Himmelsstrichen in ihren Tempeln verstehen und fich erkennen müsse; daß die Katholiken ewig lateinisch beten müßten, weil diese Sprache alterthümlich und dem Gebete bis jetzt Weihe und Erhöhung verliehen, daß der Mensch zwei Sprachen, eine fürs Leben und eine für die Religion haben müsse; daß alle Menschen eine alte todte, unserem analytischen Geiste ganz entgegenlaufende synthetische Sprache erlernen und hin und wieder darin beten müssen, damit fie nicht verloren gehe, daß noch anderer Uns... u. s. w. Des Herrn F.s Gedächtniß scheint in den geistigen Geburtswehen feines Protestkindes vergessen zu haben, daß es Fachgelehrte giebt, die immer die Sprache der heiligen Urkunden werden zu studiren haben; scheint vergessen zu haben, daß Rabbiner ihre elterlichen Pfarrkinder nicht zwingen können, ihren Kindern das Hebräische erlernen zu lassen, nicht einmal dieselben in jüdische Schulen zu schicken, daß cs überhaupt keinen Gewissenszwang mehr giebt und nicht mehr geben soll, so daß, wenn die Religiösen in 'einer Sprache beten wollen und ihre Kinder wollen beten lassen, die fie verstehen, fich nach göttlichen und menschlichen Gesetzen nichts dagegen sagen läßt; scheint vergessen zu haben, daß vie deutsche Sprache an Kraft rer Weihe und Erhebung nicht um ein Jota der hebräischen nachsteht, und ihr gewiß in Ansehung genannter Rückfichten vorzuziehen ist, da sie vor jener den unendlichen Vorzug hat, daß fie die Gefühle und Gedanken des Lebenden in lebendiger und verstandener Sprache zu Gott bringt, und Weihe und Erhebung die nothwenvigen Ausflüsse des lebendig Gefühlten. Verstandenen unv Gedachten sein müssen. Doch für was führe ich Widerlegungsgrünve an, die jeder denkende und religiös fühlende Israelit allein denkt unv fühlt! Nur dies sei noch jenem Manne gegenüber gesagt: Es beginnt nach aller Wahrscheinlichkeit fürs Judenthum mit dieser Katastrophe des CultuS eine neue Aera; es wird ein tief religiöses und geistiges Moment gewinnen, dessen es bis jetzt entbehrt, und welches, gehr das Judenthum desselben noch länger verlustig, in demselben int Laufe der Zeit noch wesentlichere Ruinen anrichten dürfte, als es schon in letztern Jahrhunderten verursacht. Ich meine das Moment der Innerlichkeit, der confesfionetten Ueberzeugung, mit einem Worte, des freien geistigen Glaubens. Das Judenthum, dessen Wesen in der That (dem überlieferten Gesetz) besteht, trägt offenbar das Gepräge der Aeußerlichkeit an seiner Stirne. Die Erkenntniß (Erforschung) der Schrift, welches den zweiten Pfeiler desselben ausmacht, und seinem Bekenner das Moment der Innerlichkeit hinzubringt, kann die religiöse Masse nicht berühren; ihr bleibt nur die äußere That, die Werkthätigkeit. Das unverstandene Gebet ist im Laufe der Zeit für fie weiter nichts als eine äußere Werkthätigkeit und Gewohnheit des Mundes geworden, die das Innere, das Herz, die religiöse Ueberzeugung unberührt läßt. Wenn dies auch dem objektiven Charakter des Mittelalters und somit dem religiösen Sinne unserer dermaligcn Vorfahren angemessen sein mochte, so ist dies doch nicht mehr für unser wesentlich auf das Innere gekbhrte Bewußtsein der Fall. Dieses muß jetzt die Religion, die es von seinen Vorfahren als etwas Gegebenes äußerlich überliefert erhalten, nach dem nothwenvigen Charakter der modernen Anschauung, zu seinem eigenen Wesen und Sein, zu etwas frei Gewolltem und Gewähltem, weil Verstandenem und Erkanntem, machen. Dies ist die religiöse Ueberzeugung, der innere Glaube, welcher der äußern That die Wagschaale halten, ja beide in eine schöne Harmonie bringen muß. Der Cultus ist nur die Religion, wie fie Gestalt und Leib angenommen hat, wie fie auf den breiten und festen Boden der Wirklichkeit getreten ist; er ist der wesentliche und wahrhafte Ausdruck des ganzen Religionssystcms; er identificirt das Theoretische und Praktische der Reli-

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