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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-24 · Heft 34 (24.8.1845) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 34 (24.8.1845)
Date
1845-08-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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£80 giou, Gott und die Gemeine. Dieser Cultus nur muß., soll er anders seinen Zweck nicht verfehlen, unmittelbar verstanden werden, verstanden werden der Form und dem Inhalte nach mit der elektrischen Kraft der Muttersprache, die den religiösen Gedanken der Liturgie in demselben Moment des Anstimmens zu einem heiligen Feuer des Herzens entzündet. Wer je über die Sprache, in der man geboren und erzogen, nachgedacht, wer je ihren himmelweiten Unterschied zwischen einer jeden später noch in das Bewußtsein gettetenen Sprache erkannt, wird cinräumen, daß nur diejenige Spkache, welche unmittelbar aus dem Herzen kommt, auch nur die.unmittelbaren Gefühle des Herzens zu Gott tragen kann. Diese Sprache ist aber die Muttersprache, welche, im Gottesdienst eingeführt, das Moment der Innerlichkeit, der Ueberzeugung und des Glaubens unserer Religion hinzufiigen wird. Nachschrift: So eben höre ich, daß ein großer Theil der hiesigen Zudenheit gegen das beftemdende Verfahren des Herrn vr. Frankel der zweiten Rabbinerversammlung gegenüber Protest einlegen will. Uachrichten aus Frankreich. (Paris.) Dem Rabbinerseminar zu Metz, welches bekanntlich unter Karl X. durch den Einfluß der Jesuiten begründet wurde, sollen Veränderungen bevorstehen, welche der Oberrabbiner des Reichs in Anregung bringen wird. Obgleich es unter den 45 Rabbinern, die es bereits Frankreich geliefert, einige von Bedeutung für's Zudenthum herangeblldet hat, wird an seinen Institutionen doch manches mangelhaft gefunden, wie z. B. die Bestimmung , daß kein Pupil unter 18 Jahren ausgenommen werden soll, wie noch manches Andere, was hier anzuführen nicht der Ort ist. Auch soll es nach Paris verlegt werden. — Rothschild hat 42,000 Fr. zu einer Stiftung geliefert, deren Zweck sein soll, den Hauszins armer verschämter jüdischer Familien zu zahlen. Eine andere Gesellschaft ist hier noch ins Leben getreten, welche die arbeitende Klasse der hiesigen jüdischen Bevölkerung mit billiger Wohnung und Kost zu versehen beabsichtigt; auch soll sie von ihr bei Meistern desselben Glaubens untergebracht und unter ihrer speciellcn Aufsicht stehen. — Den ersten Preis an der Akademie der schönen Künste hat ein Jude, Namens Emlle Levy, dieses Jahr gewonnen. Der Präsident dieser Akademie ist auch ein Jude, der berühmte Komponist Halevp. Vitt über die Juden. (London, 17. Juli.) Unsere Blätter melden: Bei der 7. Lesung der Bill zur Aufhebung der Nichtbefähigung der Juden zu Munizipalämtern sagte der Antragsteller, daß bereits seit mehreren Jahren 8 Mitglieder der Familie Rothschild das Amt eines Deputy-Lieutenants bekleideten, daß der Herr v. Will den Herrn Moses Montefiore zum Magistrat der 5 Häfen ernannt, und in der Grafschaft Surry Herr Cohen als Magistrat zur allgemeinen Zufriedenheit fungire; daß die Juden selbst gezwungen würden, das beschwerliche und kostspielige Amt eines Scheriffs anzunehmen. Nun sei Herr David Salomons, ftüher Scheriff von Middlety, durch freie Wahl zum Alderman ernannt worden, von dem Corps der Aldermans aber zurückgewiesen worden, weil er sich weigerte, einen mit seiner Religion unverträglichen Eid zu leisten. Er trage nun darauf an, daß die Juden nur wie andere Dissenters geloben sollten, ihr Amt nicht zum Nachtheil der gesetzlich bestehenden protestantischen Kirche zu mißbrauchen. Hr. M. Inglis widerseßte sich der Motion aus dem Grunde, daß die Juden nicht als Sekte, sondern als Nation zu betrachten seien, worauf Lord John Rüssel ihm erwiederte, daß er dieselbe Intoleranz gegen andere christliche Religionsgemeinden, welche außerhalb der protestantischen Kirche stehen, gezeigt habe, daß sein Widerstand aber ein vergeblicher gewesen, und hoffentlich auch dießmal es sein werde. Die Juden seien im Lande geborene, loyale Unterthanen der Krone, folgsam den Gesetzen und wohlthätig gegen Andersgläubige, mithin zu allen Rechten brittischer Unterthanen zuzulassen. Sie seien keineswegs eine besondere Nation, seien vielmehr allen in England bestehenden Gesetzen unterworfen, müßten mithin auch der Wohlthaten derselben theilhaftig werden. Er mache sich daher jetzt schon verbindlich, für die vom Kanzler der Schatzkammer in Aussicht gestellte Maßregel zu stimmen, durch welche Juden zu allen Staatsämtern zugelaffen werden sollen. Die jBill wurde, wie Ihnen schon bekannt, mit 91 Stimmen gegen 11 angenommen. Zur gefälligen Notiznahme. Herrn F—l. in P—a.: Beiträge von Ihnen werden mir stets willkommen sein. — Herrn R—l. in G—n.: Gern werde ich Ihre weiteren Mittheilungen über die dortigen Zustände aufnehmen. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Friedr. Krähe in Offenbach.

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