Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1845)
- Date
- 1845-08-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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SV8 die Abgelebten, die Abhängigen, auch nicht achmngswerthe Einzelheiten und Persönlichkeiten, welche lehren Ausnahmen nicht Regel sind, sondern nur die gesunden, gebildeten, intelligenten, jugcnd- und lebenskräftigen Bestaiiotheile der Gesellschaft, die allein eine Zukunft haben. Wie wir aber für ihn von seinem Verweilen Heilung von einem Zrrwahie glaubten erwarten zu dürfen, so müssen wir nun gar einen Rückfall befürchten. Die gewaltige Macht der Zeit hat sich nemlich auch an Hru. Frankel erwiesen, sie hat ihn seit Jahresfrist fast umgewanvelt. Wer die Sprache, welche derselbe im Mai-Hefte 1844 seiner Zeitschrift gegen die hiesige Reform-Bewegung geführt, mit der verglichen, deren er sich imZuni- Hefte 1845 gegen die nur in Worten von derselben verschiedene, der Sache nach identische Berliner, selbst gelegentlich gegen jene nun bedient, wer gegeneinander gehalten, was er gegen die Braunschweigcr Rabbiner-Versammlung im November-Hefte 1844 und was er im Mai-Hefte 1845 vorgcbracht, dem kann nicht unbemerkt geblieben sein, daß der an sich gesunde Sinn des Hrn. Frankel einer Kräftigung und Genesung entgegen gegangen. Er wird nun sein Austreren motivircn und rechtfertigen müssen, und hat damit in seinem Schreiben an die Versammlung bereits den Anfang gemacht, seine Rere wird Gegenrede hcrbeiführen, und dadurch wahrscheinlich eine Polemik veranlaßt werden, welche ihn einerseits über die Gränzcn, die er sich selbst gesteckt, hinaus, und ihn anderseits auf den Standpunkt, den er schon aufgcgcbcn, zurückführen dürfte; das eine so schlimm als das andre. Da wir uns hier zunächst mir der Rabbiner-Versammlung beschäftigen, so glauben wir uns keine zu weite Abschweifung von unsrem Gegenstände erlauben zu dürfen, und behalten uns vor auf das, was Hr. Frankel in neuerer Zeit über Volk und Reform geschrieben, gelegentlich zurückzukommcn. Wenn wir jedoch bei ihm den Satz aufgestellt finden (Mai-Heft 1845, S. 175), der hiesige sogenannte Reform- Verein habe mehrfach ausgesprochen, daß er „einen gcoffenbarten Willen Gottes in der Schrift" nicht anerkenne, (was auf dieselbe Weise mit gesperrter Schrift gedruckt ist, und den Leser zu der Annahme verleitet, es sei aus einer Veröffentlichung desselben entlehnt) , so müssen wir ihn ersuchen, uns doch anzeigen zu wollen, wo er diese Aufstellung, von welcher uns nichts bekannt, gefunden hat, und wir müssen solche bis dahin, daß er diesen Nachweis geliefert, für ungenau und irrig erklären. Schließlich noch die Mittheilung, daß Hr. Leopold Schott, welcher „von Frankfurt weggezogen war und in Hannover gelagert hatte", vom letzten Orte, wo er nach seiner Aussage mit großem Beifall gepredigt, wieder hier durch nach Hause gereist ist; freue dich des, Gemeinde zu Randegg, und bete, daß dieser deiner würdige Seelenhirt sein unternommenes Werk: „von der Nachfolge Adlers" nicht vollenden möge, auf daß er dir verbleibe sein Lebelang, Amen! Machinationen gegen die Nadbiner-Versammlung. * (Berlin, im August.) Den 25. vorigen Monats ist in der Voflischen Zeitung eine mit schwerem Gelde bezahlte, namenlose Einsendung erschienen, welche dem hiesigen Publikum die von der zweiten Rabbinerversammlung gepflogenen Verhandlungen über die Beibehaltung oder Abschaffung des hebräischen Elements in den jüdischen Gebeten mit einer ziemlichen Ausführlichkeit mittheilt. Des Einsenders Böswilligkeit steuert offenbar darauf los, genannte Versammlung in den Augen der hiefigen nach Reform sich sehnenden Judenhcit zu verdächtigen, ja geradezu für ihre fernere religiöse Wirksamkeit moralisch zu vernichten, da sie vr. Frankels Protest gegen die Väter zu Frankfurt, aber nicht die Widerlegung und Erklärung dieser an jenen mittheilt. Daß erwähnte Einsendung, welche die Entscheidung der Väter über den vielleicht wichtigsten Punkt der Reform in größer» Kreisen bekannt gemacht, in den Gemüthern der davon Betroffenen verschiedene Eindrücke hervorgebracht, läßt sich denken. Es ist schwer, in einer so riesenhaften Stadt wie Berlin ist, mit eignen Ohren zu erfahren, auf welche Seite das hiesige große Publicum, ob auf die der Versammlung, oder die ihres Widersachers in überschlägiger Berechnung sich hinneigt. Zedoch habe ich es mir angelegen sein lassen, in Betreff dieser Sache die Urtheile mehrerer gar verschievenen abgestuften Reformprojekten zugethanener Religiösen auf diversen Wegen in Erfahrung zu bringen, und habe gefunden, daß sie sich in überwiegender Mehrzahl für den von der Majorität der Väter hervorgerufenen Beschluß: daß das Hebräische im Fortschritte der Zeit aus dem Gebete zu entfernen sei, aussprechen, obgleich man der Versammlung es nicht als eine kluge Maßregel anrechnet, daß sie überhaupt eine solche Motion aufs Tapet gebracht, da vorauszusehen war, daß sie, obgleich ihrem Wesen nach der Zukunft angehörig, doch schon in der Gegenwart von den Feinden der religiösen Fortentwicklung als Verläumdungsmittel gegen die über sie abstimmenden Väter benutzt werden wird. Wie verschieden mm auch immer die in dieses Gebiet einschlagende -Stimmung der offenen Reformbefvrverer (von den Orthodoxen, Versteuern u. s. w. kann überhaupt hier die Rede nicht sein) sein mag', darin find sie alle einverstanden, daß sie die Erklärung des entwichenen Rabbiners F. an die Versammlung, nicht nur eines Seelsorgers, sondern selbst eines ordinairen Menschen unwürdig finden. Welcher Hochmuth, welcher Fanatismus, welche Vermessenheit , ruft man einstimmig, muß die Brust eines Mannes erfüllen, welcher im Angesichte Europa's eS wagt, zu behaupten, daß 30 für die Erhaltung ihres Glaubens unaufhörlich strebsame und von ihren Gemeinden als ihre Seelsorger frei gewählte Rabbiner und