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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-24 · Heft 34 (24.8.1845) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 34 (24.8.1845)
Date
1845-08-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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»76 discherr Zeitschrift behauptet worden, die Messsasidee nur den Gedanken der religiösen Selbstständigkeit, die durch die beschränkte bürgerliche Stellung' gefährdet sei, ausdrücke; oder ob sie durch den Hinblick auf diejenigen unserer Glaubensbrüder, die noch Ln Druck und Knechtschaft schmachteten, eine Festigung der Gemeinschaft und und des innigen Glaubensbandes mit denselben sei und dergl. mehr. Sehe man daher in Rücksicht auf den praktischen Zweck der Rabbiner-Versammlung besonders bei dieser Frage von allen Deutungen und Theorien ab und halte sich rein an die Thatsache, daß der Glaube an einen persönlichen und reinpolitischen Messias in den Herzen unsere Brüder erstorben, daß darum der Ausdruck desselben im Gebete eine Lüge sei, eine Lüge an heiliger Stätte, vor Gott dem Allerheiligften und Allwissenden. S. Adler: Bei der Verschiedenheit der Ansichten, welche unter unseren Glaubensbrüdern bei der Verschiedenheit der Auffassung der messianischen Idee in den Propheten selbst, halte er die Versammlung nicht berechtigt, der Idee eines persönlichen Messias keinen Ausdruck im Gebete zu geben; wie er denn auch dagegen protestiren müsse, daß in unsern Gebeten irgend einer besondern Meinung und Auffassung dieses Gegenstandes alleinige Berücksichtigung wiederfahre. Hold he im: Man könnte sagen, daß die Idee eines politischen Messias im Widerspruche mit der vaterländischen Gesinnung stehe; allein dieses sei doch nur Schein; wo diese Idee religiös erfaßt werde — und das sei doch überall der Fall — habe das Gemüth kein Bewußtsein von diesem Widerspruch, und dann sei dieser selbst nicht vorhanden. In diesem Falle dürfe man sich auch nicht scheuen, eine solche Idee auszusprechen. Eben so müssen Diejenigen, welche diese Idee bestreiten, sich offen darüber aussprechen und sich nicht durch die Besorgniß, daß dieses gemißdeutet, daß man ihren strengorthodoren Brüdern ein antinationales Streben unterlegen werde, davon zurückhalten lassen. Man solle doch bedenken, daß ein großer Unterschied sei zwischen einer naturgemäßen Entwickelung der Religion und zwischen einer unnatürlichen Vermischung des Nationalen mit dem Religiösen. Was demnach dem höhern Bewußtsein als Nationales erscheine, müsse auch im Interesse der Religion ausgeschieden werden. Es schade offenbar, wenn man etwas für Religion halte, was es nicht sei. Seine Ansicht sei, daß die Idee einer politischen Restauration mit dem innigen Anschluß an den Staat sich nicht vertrage. Die ganze Anschauung von der absoluten Heiligkeit des Ceremonialgesetzes beruhe offenbar auf dem Gedanken einer bloßen (theilweisen) Suspension dieses Gesetzes bis zur Wiederherstellung des israelitischen Reiches. Werde daher der Glaube davon aufgegeben, so falle das ganze Gebäude zusammen. Es sei dieses zwar allgemein zum Bewußtsein gekommen, allein das entbinde uns nicht von der Pflicht, die Wahrheit in der Klarheit auszusprechen, wie sie in uns aufgegangen. Diejenigen unserer Glanbensbrüder, welche glaubten, daß das religiöse Leben erst mit der Wiederkehr nach Palästina hergestellt werden könne, müssen die Sehnsucht nach einem anderen Lande in sich tragen, wenn sie auch sonst alle Pflichten gegen den Staat erfüllten. Wir sotten das faktische Glaubensbekenntniß der Gegenwart aussprechen; dieses sei aber (m der Gesammtheit genommen) gegen einen politischen Messias. Gebe man darum den Messiasgebeten eine solche Fassung, daß sie auch von den Höhergebildeten ausgesprochen werden können und überlasse die streitigen Punkte dem Glauben jedes Einzelnen. Jolowitz: Es komme hier nicht darauf an, wie die Messiasidee aufzufassen, sondern wie sie im Gebete auszudrücken sei. Es spreche aber kein Gesetz davon, daß man einen politischen Messias und die Herstellung des Opferdienstes im Gebete erwähnen solle. Es sei dieses keine persönliche Meinung von ihm, sondern alle verbesserten Liturgieen Deutschlands haben diese Gebete so modift'cirt; ein Gleiches sei von den neuesten Genossenschaften zur Reform im Iudenthum ausgesprochen worden. Er stimme daher dem Commissionsberichte bei, daß nur die Idee der rfrwu, aber nicht die eines rwo, welche ein politisches Reich involvire, ausgedrückt werden solle. (Die Fortsetzung der Messias-Debatte in der nächsten Nummer.) Geschichte des Tages. Priese über die zweite Nadbiner-Versammlung. (Hl.) Frankel. / (Frankfurt, im August.) Die Episode Frankel ist wohl die wichtigste der diesjährigen Rabbiner-Versammlung, und wird voraussichtlich vielfach ausgebeutet werden, was auch uns veran-

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