Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1845)
- Date
- 1845-08-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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395 sprechen habe; ersteres solle dann hebräisch, letzteres deutsch gesprochen werden. Hirsch: Man sollte gar nicht auf etwas Bestimmtes eingehen, da ja doch Alles von der Subjectivität der Gemeinde abhänge; es sei genug, daß zwischen Objectivem und Subjektivem im Allgemeinen von der Versammlung unterschieden werde. Man ziehe sich auch sonst durch solche specielle Bestimmungen Grenzen und binde sich selbst die Hände. Im Uebrigen halte er für rathsam, daß vom D"D bis nach den achtzehn Benedeiungen das Hebräische beibehalten werde. Cahn: Gerade um einst unser Ideal eines deutschen Gottesdienstes zn erreichen, müsse man jetzt dem Volke Concessionen machen, auch auf die Landgemeinden Rücksicht nehmen und die Einheit zu erhalten suchen. Er gehe weiter als der Berichterstatter, indem er hoffe, daß auch dann, wenn die Masse mehr berücksichtigt werde, die weiter Fortgeschrittenen nicht vom Gottesdienste Zurückbleiben werden. Formftecher: Er glaube, daß in keiner seiner 14 Gemeinden die Liturgie der Commission eingeführt werden könne. Man könne noch für die Allgemeinheit keine Liturgie entwerfen, sondern müsse sich mit den ausgesprochenen Grundsätzen begnügen und sie annäherungsweise einführen. Geiger: In wie weit man sich akkomodiren solle, sei allerdings subjectiv und die Commissionsvorschläge seien daher nur ein guter Rath, dessen ganze oder theilweise Ausführung jedem überlassen bleiben müsse. Auf der andern Seite habe jede Gemeinde (er wolle nur an die Berliner Neformgenosscnschaft erinnern) auch das Recht weiter zu gehen, als die Commission. Er selbst werde keinen Augenblick daran vergessen, daß er an sich für einen gänzlichen deutschen Gottesdienst sei und daher, sobald seine Gemeinde reif für einen solchen geworden, der Commission seinen Dank bewahren, aber ihr den Gehorsam kündigen. Reiß: Mit Hinblick auf die bezüglichen talmudischen Stellen, besonders auf den Spruch des Maimonides: mmon yrubi fpoinb w-) ms prr könne er nur bei den mon 'PDS die Anwendung der deutschen Sprache zugeben.. Bei derAbstimmung erklärte sich die Majorität für die Vorschläge der Commission. I In der Sitzung vom 20. Juli in welcher Dr. Gei ger, als Vicepräsident den Vorsitz führte, wurde zuförderst eine Denkschrift mehrerer Gemeindemitglieder aus Worms mitgetheilt, ingleichen ein hebräisches Schreiben von Rappoport in Prag, in welcher derselbe die Gründe seines Nicht-Erscheinens angiebt und zugleich sich über einige Grundsätze, die er von der Versammlung befolgt zu wissen wünscht, ausläßt. Hierauf wurde zur Debatte über die M e s si a s fr a g e geschritten, welcher der Commisionsbericht die gebörige Berücksichtigung in der Liturgie, jedoch mit Ausschluß aller politisch-nationalen Vorstellungen, eingeräumt wissen wollte. Vicepräsident: Er müsse zunächst darauf aufmerksam machen, daß hier nicht über ein Gebiet des Glaubens abgestimmt werde, welcher das Recht des Individuums sei; sondern inwiefern es wünschenswerrh, die betreffenden Gebete so zu formuliren, daß die Fassung von allen adoptirt werden könne. Es eristire eine strengpolitische Ansicht, eine geistige Auffassung und eine vermittelnde Ansicht. Alle sollten bei der Debatte gewürdigt werden, selbst die streng-politische nicht als im Widerspruch mit der vaterländischen Gesinnung betrachtet werden; da das menschliche Gemüth so viel in sich schließt, daß es selbst widersprechende Aeußerungen in sich aufnehme. Die Messiasidee stehe im Zusammenhang mit dem ganzen Ceremonialgesetz, da durch sie erst dasselbe absolute Bedeutung erhalte; darum die Sehnsucht der Orthodorie nach der Restauration Palästinas. Es liege in dieser Hoffnung ein unerschütterlicher Math, eine tiefe Glaubensinnigkeit. Allein wir können nicht glauben, daß Gott Wohlgefallen an den Opfern habe, daß zur Verwirklichung der Absichten des Allerhöchsten der Aufenthalt an einem bestimmten Orte nöthig sey. Wir betrachten vielmehr das Aufhören der Opfer als eine Erhöhung unsers religiösen Lebens. Nicht Ahrons Geschlecht allein, sondern das ganze Israel sollte ein Priesterreich sein, das in alle Welten zerstreut worden, um die Lehre eines einzigen Gottes nach allen Seiten hin zu verkünden. Heß: Wenn irgendwo, so laufe man bei der Debatte über diese Frage Gefahr, sich in weitläufige Theorieen zu verlieren. Es werde in Betracht kommen müssen, ob man die Schrift nach ihrem Geiste, oder nach ihrem Buchstaben zu deuten; ob, wie neuerdings in einer jü-