Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1845)
- Date
- 1845-08-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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374 würden die Gläubigen sich nicht beruhigen, wenn man das y"w zerstückeln wollte; und auch die Aufgeklärten würde der Commissions-Entwurf nicht zufrieden stellen, da für diese noch immer des Hebräischen zu viel wäre. So würden die Ersteren es vorziehen, zu Hause das bcrkömmlichc Gebet Ln der herkömmlichen Sprache zu zu verrichten, und die letzteren sich ebenfalls auf die bausliche Andacht beschränken, bei der sie sich irgend eines sie ansprechenden deutschen Gesangbuches, wie z. B. des von Kley, bedienen könnten. Wechsler: Er sehe nicht ein, warum nicht auch das Vorlesen der Thora in deutscher Sprache geschehen könne; ja es sei dieses sogar Pflicht, da nur dann die Gemeinde das Vorgelesene auch verstehen würde. Herzfeld: Er müsse darauf aufmerksam machen, daß wenn auch die Bibel Gottes Wort sei, dieses doch nicht von jedem einzelnen Ausdruck derselben gelten könne. So könnten wir nicht mehr in Wahrheit sagen „mm ddh 'n r|X". Er stimme also dafür, daß die zwei andern Kapitel im auch deutsch gesprochen würden. In dem Hebräischen beim Vorlesen der Thora sehe er aber ein mystisches Element, das man dem Volke nicht nehmen dürfe. Ja, ein Schrei des Entsetzens würde durch ganz Deutschland ertönen, wenn die Rabbiner-Versammlung sich dafür ausspreche, daß die Thora's aus der heiligen Lade zu schaffen seien. Hofmann: Auch das ni2K ’idh “on sei nach den Begriffen unsrer Zeit keine Wahrheit. Uebrigens stimme er dafür, daß die „ganzen achtzehn Benedeiungen (y"w) in deutscher Sprache gesprochen werden. Salomon: Wie wollen keine Liturgie für die Ungarn, Polen, Mähren u. s. w., sondern für denjenigen Thcil unserer Gemeinden, die mit der heiligen Sprache wenig vertraut sind, für die Gebildeten nicht sowohl, als für die Gemüthlichen, die ein inneres religiöses Bedürfniß zum Gottesdienste treibt. Philippson: Er möchte die specielle Frage in Beziehung auf das Hebräische und Deutsche beim Gottesdienste noch vertagt wissen; im entgegengesetzten Falle stimme er für ein organisches Verhältniß beider Sprachen, so daß von 1212 bis yuv Alles Hebräisch und das Uebrige Deutsch wäre. * Iolowitz: Zu uns spreche derjenige Theil des Volkes, der den Glauben will. Man möge also alles das aus der Thora weglaffen, womit das Glaubensbewußtsein des Volkes sich nicht einverstanden erkläre, ichviel, ob es hebräisch oder deutsch verlesen werde. Heß: Müsse man einmal auf die Gefühlsweise des Volkes Rücksicht nehmen, so sei man dabei gerecht und gebe ihm nichts Zerstückeltes. Er möchte daher auch das ganze ynw nanp und mttfy rmy in hebräischer Sprache beibehalten wissen, ebenso das ganze Vorlesen der Thora, aber nicht weil in dem hebräischen Vorlesen etwas Mystisches sei, sondern weil eben die Akkomodation an die Gefühlsweise des Volkes solches fordere. Holdheim: Man sei ebensowohl einig, daß bei den typischen Gebeten die hebräische Sprache beibehalten werde, als daß der deutschen Sprache der Zutritt nicht verwehrt werden solle. Man könne nicht sagen, die Vertreter der hebräischen Sprache in der Versammlung befinden fich in einem Widerspruch, wenn sie neben diesem Heiligthum eine profane Sprache duldeten; denn auch auf das Leben und seine Bedürfnisse müsse Rücksicht genommen werden; auch die Gegenwart habe ein heiliges Recht auf die Verwirklichung ihrer Forderungen zu dringen. Umgekehrt widerspreche es auch nicht, wenn man objectiv. die deutsche Sprache der hebräischen gleich stelle, und doch bei den typischen Gebeten die letztere beibehalte; denn man folge da ebenfalls einer Pflicht, welche die gegenwärtige religiöse Anschauungsweise der Gemeinden von uns fordere. Er glaube übrigens, daß man die mittleren Benedeiungen in stiller Andacht sprechen solle, da könne sie jeder beten, in der Sprache, in welcher er wolle. Das Vorlesen der Thora sollte übrigens in hebräischer Sprache geschehen, damit die Jugend genöthigt werde, sie zu erlernen, damit sie zurückkehre zu der heiligen Urquelle der Religion; dem weiblichen Geschlechte werde aber durch die Haphthora in deutscher Sprache genügt. Auf diese Weise betreten wir den Weg der Vermittelung und des Friedens und würden die Sympathieen aller Verständigen gewinnen. S. Adler: Man komme in dieser Sache auf ein Gebiet der Kritik, das höchst schwankend sei. Wolle man die Tempelperpiode als Maßstaab nehmen, so kommen ja dort auch die mittleren Benedeiungen vor; er halte den Gegenstand für noch nicht gehörig entwickelt und darum zur Abstimmung unreif. Wagner: Er gsaube, man müsse unterscheiden zwischen dem, was der Vorbeter und was das Volk zu