Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1845)
- Date
- 1845-08-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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L«S nicht verboten, anders ansgerrückt, für was eine gesetzliche Nothwendigkeit nicht vorhanden ist, das ist übcrdaupt nicht nothwcndig, dafür oder dagegen mögen innere ovcr äußere Gründe sprechen, diese können aber immer nur eineRäthlichkeit, und niemals eine Nothwendigkeit im eigentlichen Sinne bedingen. Nichts desto weniger war nach Verneinung der gesetzlichen Nothwendigkeit der hebräischen Sprache beim Gebete zunächst das Vorhandensein einer anvcrweiten, sogenannten objectiven Nothwendigkeit dafür, und demnächst die Räthlickkeit deren theilweiserBeibehaltung als Frage formulirt worden. Offenbar war für kiese Unterscheidung keine feste Abgränzung zu finden, und konnte bei ganz gleicher Ansicht vom Werthe der hebräischen Sprache der eine deren Beibehaltung als objectiv nothwcndig, der andre als blos räthlich bezeichnen, und das Resultat der Abstimmung wäre auf keinen Fall geeignet gewesen, irgendwie einen Maasstab für den Standpunkt der Versammlung abzugeben. Allein das Resultat, welche die Abstimmung über diese Haars, alterische Distinclion und leere Sylbcnstecherei wirklich zu Tag förderte, war nicht einmal der Ansicht des Hrn. Frankel ungünstig. Von 31 Stimmen erklärten sich 13 für die objective Nothwendigkeit, 15 dagegen, und drei enthielten sich des Stimmens; da man nicht wissen kann, wie diese letzten gestimmt haben würden, so blieb die eigentliche Majorität unansgemittelt. Einstimmig ward aber die theikweife Beibehaltung der hebräischen Sprache beim Gottesdienste für räthlich erklärt. Dieser mit seinen eigenen ausgesprochenen Ansichten im Resultate übereinstimmende Beschluß nun veranlaßt Hrn. Frankel zu einer Protestation und zum Austritte aus der Versammlung. Möglich daß derselbe gehofft hatte dieser durch sein Erscheinen zu imponiren, und der vorschreitenden Richtung einigen Einhalt zu thun; möglich daß ihm dazu selbst von hieraus Hoffnung gemacht worden, und er sich von vorne« herein vorgenommen hatte, sich sogleich wieder zu entfernen, wenn er sich hierin getäuscht finden würde. Möglich daß derselbe schon bei den Debatten über den ersten Abschnitt der Frage einsehen lernte, daß er nothwenrig noch mehr als einmal dahin gebracht würde, entweder der Orthodoxie entgegen zu treten oder der Wissenschaft den Rücken zu kehren. Möglich daß nach Anhörung anderer Redner ihn sein an Ueberschätzung streifendes Selbstvertrauen verließ, und dies ihn zum Rückzüge veranlaßte. Möglich auch, daß ihm der Ausspruch des- Emdener Hirsch über Bodenheimer in dessen berüchtigtem Schreiben an den Zebi Hirschel vorgeschwebt, welcher sich etwa durch: mitgefangnt mitgehangen wievergcben läßt, und dahin lautet: daß Bodenheimer um nichts besser sei als die übrigen Mitglieder der Braunschweiger Rabbiner-Versammlung, weil er, als er deren Geist kennen gelernt, fie nicht sogleich verlassen. Herr Frankel aber hat schon vielfach eine lächerliche Furcht vor dem Emdener auf eine auffallende Weise an den Tag gelegt, wahrscheinlich im Bewußtsein, daß jener ihn für einen Abtrünnigen ansehcn muß, und im Vorgefübl des Vervainmungs-Urtheils, das derselbe noch über ihn auszusprechen den Beruf und die Bestimmung haben dürfte. Endlich aber scheint er beabsichtigt zu haben, das Ansehen der Versammlung durch seinen Austritt und Protest zu schwächen, wie daraus bervorgeht, daß er seine Schreiben an dieselbe unvcrweilt veröffentlicht hat; vielleicht auch hoffte er, andre Mitglieder würden seinem Beispiele folgen, und die Versammlung selbst sich in dessen Folge auflösen. Allein weder diese Absicht noch riese Hoffnung, wenn er sie gehabt, ging in Erfüllung; die Versammlung seyte ihre Berathungen nach wie vor fort, und nur ein sedr unbedeutendes Mitglied, Herr Leopold Schott, Rabbiner zu Ranvegg, folgte dem Beispiele des Herrn Frankel, worauf sich dieser nicht einmal etwas zu gut thun könnte, wenn es wahr ist, eaß sich Herr Schott von hier aus unmittelbar nach Hannover begeben, um feine Wahl zum Rabbiner daselbst in Person zu betreiben, und dieses keinen Auffchub litt. Durste aber Herr Frankel, wenn, wie er in seinem ersten Schreiben an die Rabbiner-Versammlung versichert, „die Erhaltung des Juventhums vaS innerste Element feines Lebens und das Ziel aller feiner Bestrebungen ist, dem er von seiner Seite jedes Opfer zu bringen bereit, durste er, fragen wir, die Versammlung, wie er gethan, verlassen? Mußte er nicht auf dem Gebiete der Religion um jeden Fußbreit Erde mannhaft kämpfen? Mußte er nicht die Glaubensfeste selbst auf der Bresche noch vertheivigen? Vermochte er vorherzufehen, was er zu verhindern, was er zu l bewirken im Stande fei» würde? Gewiß, er hätte jede Rücksicht auf sich selbst, die wohl in etwas gekränkte eigene Eitelkeit, der Rücksicht .auf Erhaltung des Zuventhums, wie er es zu begreifen vorgiebt, nachsetzen, und, wenn mit noch io großer Ueberwinvung, bleibe» müssen. Allein Herr Frankel fand sich eben sowohl als Mann der Wissenschaft wie als Mann des Glaubens verletzt, er mochte, wiewohl ohne Grund, beide gleich sehr gefährdet sehen, und eS konnten schon deshalb rein religiöse Betrachtungen bei ihm nicht aufkommen. Ueberdies glaubte er im Parthei-Znteresse so handeln zu müssen, uno dafür hat ihn die gerechte Strafe sofort ereilt: von diesem Augenblicke an drängte sich eine berüchtigte ortbovore Coterie an ihn, und wir haben zu unsrem Bedauern hören müssen, daß er auf