Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1845)
- Date
- 1845-08-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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den Christen trennen; und ftagen, wenn sie noch nöthig wären, warum denn nicht mehr alle fortbestehen sollten; ich hätte zwar gesagt, Ersteres müsse geschehen, weil die Christen selbst noch einen Läuterungsprozeß durchzumachen hätten: allein, sagen Sie, gerade wenn dies der Fall sei, müßten wir uns mit ihnen verschmelzen, um diesen Läuterungsprozeß zu fördern. Aber, Herr vr. Holdheim, erwägen Sie denn nicht, daß außerordentlich wenige Kinder aus gemischten Ehen fähig und Willens sein werden, diese Läuterung des Christenthums zu betreiben, vielmehr so ziemlich alle dieser von Außen so ungleich besser gestellten Religion anheimfallen, und sie so lassen werden, wie sie ist? Um den Läuterungsprozeß der christlichen Religion zu befördern, dürfen wir nicht die Mische gefährden; auch halte ich dafür, daß wir Diesem, so weit es uns obliegen kann, durch Schriften und durch unsere Betheiligung an allen bürgerlichen Interessen genügen können, durch erstere sogar besser, so lange wir noch getrennt stehen, denn trotz aller Censur kann der Jude als solcher freimüthiger über die christliche Religion reden, als es den Christen ihre Consistorien gestatten. Ihre Fräge aber, warum nicht alle trennende Ceremonien. fortbestehen sollten, wenn einige noch nöthig wären, ist offenbar eine TldrL'V r\m, daher ich sie nicht beantworte. Herr vr. Holdheim, Sie werden aus der ganzen Haltung dieses Schreibens heransfühlen, daß nicht im Entferntesten Empfindlichkeit über Ihren Widerspruch meine Feder geführt hat, sondern der Wunsch, Ihnen zu zeigen, daß ich mehr, als Sie mir zugestehen, „mit mir selbst im Klaren" bin; ob ich dabei den „lichten^ Ideen des Fortschrittes" huldige, oder, wie Sie behaupten, „im Schatten dieser lichten Ideen "wandele, möge' dahingestellt bleiben. Ich kann aber dieses Schreiben in welchem soviel von dem Talmud die Rede war, nicht schließen, ohne noch Eins hinzuzufügen. Sie haben m ihrer Schrift: „ das Religiöse und Politische im Indem thum" mancherlei scandalosa aus dem Talmud mitgetheilt, und im Verfolg gesagt: „Wenn ein großer Theil der heutigen Juden noch vom Talmud mehr oder minder Notiz nimmt, so ist es deßhalb, weil es ihn nicht kennt, und von seinen Führern über den moralisch-religiösen Gehalt desselben in absichtlicher Täuschung gewiegt wird. Daher sind die modernen Heuchler und Pharisäer, und Herr Frankel an der Spitze, zu verachten, die mit aller Gewalt jene Täuschung zu erhalten suchen. Demjenigen, der im reinen Dienste der Wahrheit, in heiliger Absicht, die Genossen über die Reinheit der biblischen Wahrheiten in ihrem Gegensatz zur Sophistik des Talmuds aufzuklären sucht, ein freches „Du lügst" Zurufen. Aber der Tag der Vergeltung naht, wo dieses Truggewebe der pharisäischen Heuchelei in seiner schauerlichen Verworfenheit ans helle Tageslicht gezogen sein wird" u. s. w. Es ist unklar, Herr vr. Holdheim, ob Sie in dem letzten Satze die „schauerliche Verworfenheit" den „modernen Heuchlern uud Pharisäern" oder dem Talmud zuschreiben. Auch wenn Sie das Erstere gemeint hätten, haben Sie zuviel gesagt; die Heuchelei, deren sich allerdings jetzt viele orthodore Wortführer schuldig machen, ist niederträchtig, aber, da sie meistens aus abweichenden Prinzipien Hervorgeher, immer noch nicht von schauerlicher Verworfenheit; allein mögen jene Männer, die eS trifft, für sich selbst plaidiren. Sollten Sie jedoch, wie es stark scheint, den Talmud gemeint haben, so protestire ich gegen Ihre Bezeichnung ans das Allerentschiedenste, Alle jene scandalosa, die Sie beigebracht Men und noch. beibringen können, bezeugen m'cht mehr und nicht .weniger, als daß der Talmud noch nicht so entwickelte sittliche Begriffe hatte, wie unsere .Zeit; auS diesem Grunde kann, um bei Ihren Beispielen $n bleiben, seine mangelhafte Anerkennung der Wichen. Würde des Weibes, seine häufige Bichtanerkennm^ der Menschenwürde in dem Heiden : tmd vieles Sehnliche nicht maßgebend für uns fein; aber daß er in manchen Dingen nicht höher stand M seine Zeit , ber^htigt Sie nicht, ihn schauerlich verworfen zu neune»! Ich weiß, daß es Zeit ist, den Talmud zü Grabe zu tragen, aber er soll ein ehrliches Gras Wen, «f stmck in vielen Punkten über seiner Zeis, in tzinem vielleicht tiefer als sie, er soll mit sei- - nem g«ten> verdiente» Namen unter die Erde, und den haben Sie hart verunglimpft. Um die Reform zu befördern, haben Sie die Blößen des Talmuds aufgedeckt, und nicht hiazugefügt, was zu feiner Entschuldigung gereicht; um die Reform zu befördern, haben Sie den Judenfeinde», welche die Entschuldigungsgründe nicht hervorsuchen, uns aber vorläufig immer noch als Talmudgläubige darftelle» «erden, schneidende Waffen in die Hände gegeben! Aber der Zweck heiligt niemals die Mittel, und die Reform ist gesichert ohne diese verzwei-