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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-10 · Heft 32 (10.8.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 32 (10.8.1845)
Date
1845-08-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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263 wir, nun diese ihrem Ende entgegen gehen, uns vielfach ver. pflichtet, Ihnen unseren aufrichtigen Dank auszusprechen. Mr haben Ihren Sitzungen beigewohnt, wir haben den Gang Ihrer Berathungen mit Aufmerksamkeit verfolgt, und haben die lebendige Ueberzeugung gewonuen, daß Ihre Versammlung von dem Geiste beseelt ist, welcher allein vermag, unfern Glauben aus seiner vielhundertjährigen Erstarrung zu wecken, und unsere Glaubensgenossen ihrer beklagenswerthen Abgeschiedenheit zu entwinden, jenem neuerdings Licht, Leben und fröhliches Gedeihen zu bereiten, und diesen eine freie, vaterländische, natur- und fittengemäße Lebensrichtung zu geben. Wir danken Ihnen, daß Sie nicht die Mühen der mitunter weiten Reise gescheut, daß Sie alle persönlichen Rücksichten hintangesetzt, daß Sie vor Anfeindungen und Mißdeutungen nicht zurückgeschreckt, als es galt, unfern Glauben in seiner Wahrheit und Lauterkeit öffentlich erscheinen zu lassen, als es galt,^diesen uralten Baum der Erkenntniß von den Schlingpflanzen zu befreien, die ihm Sonne und Nahrung entzogen; wir erkennen und bewundern Ihren Glaubensmuth, der Sie das offen aussprechen läßt, was viele Ihrer Amtsgenoffen wohl gleich gut einsehen, aber zu zaghaft find, frei zu bekennen; nur selten wird uns ein solches Beispiel der Verläugnung des eigenen Interesses, der Nichtbeachtung selbst eigener Ruhe und Behaglichkeit geboten. Insbesondere aber find wir Ihnen zu innigem Danke verpflichtet für die Belehrungen, die uns durch Sie geworden, für die Erhebung, die Sie unserem Gemüthe bereitet, für das erstarkte Bewußtseyn, daß unsere Glaubensgenossenschaft einer schönern Zukunft entgegengeht, für die richtigere Würdigung, welche Sie derselben bei anderen Glaubensgenossen verschafft haben. Wir lassen alle Ueberzeugungen gelten; wir lassen Die gewähren, welche fich von Träumen einer entschwundenen Vergangenheit nähren, wie Die, welche fich mit Träumen einer möglichen Zukunft wiegen, aber wir loben uns Diejenigen, welche auch die Gegenwart beachten, welche das Leben begreifen, welche den Standpunkt der heutigen Bildung und Gesittung einnehmen, die unserem Vaterlande, unserem deutschen Vaterlande ganz angehören und ganz angehören wollen. Und welches andre Land, wir fragen es mit stolzem Selbstgefühl, wäre im Stande, eine Versammlung wie die Ihre in's Leben zu rufen? Nur deutscher Ernst, deutsche Tiefe, deutsche Innerlichkeit, deutscher Forschungsgeist vermochte es, uns Männer von solcher Gediegenheit und Klarheit vorzuführen, wie sie Ihre Versammlung bietet. War auch Ihren Berathungen nicht hinlänglicher Zeitraum vergönnt, um neue Schöpfungen in's Leben zu rufen, konnten Sie sich über Weniges erst aussprechen, während so viel zu thun ist, so ist aber das Institut der Rabbiner-Versammlung noch ein junges, und konnten Sie nur auf die Aussaat bedacht sepn und eine gesegnete Ernte Dem anheimstellen, der Alles zum Besten lenkt. Wir aber glauben Ihnen den Tribut unseres Dankes zuerst darbringen zu müssen, weil wir durch eigene Anschauung Ihr preiswürviges Streben in seiner Totalität zu erfassen und zu würdigen am besten geeignet sind. Sv nehmen Sie denn, hochwürdige Herren, in Ihre Heimath die Ueberzeugung mit, daß Sie sich in unserer Vaterstadt einen zahlreichen Kreis dankbarer Verehrer erworben, welche für Sie und für das von Ihnen geschaffene und getragene vaterländische Institut der Rabbmer-Bersammlung den Segen des Allmächtigen erflehen. Frankfurt a. M., den 25. Juli 1845. Erwiederung auf die Adresse der Aerliner Neformgenossenschaft. Berlin: Die hiesige Genossenschaft für Reform im Iuden- Ihum hat auf ihre der zweiten Rabbiner-Versammlung überreichten Adresse *) folgende Antwort erhalten: An Eine lob!. Genossenschaft fürReform im Judenthum zu Berlin. Mit hohem Interesse haben die Mitglieder der zweiten Rabbiner-Versammlung vom Beginne an diejenige Bewegung im Iudenthume wahrgenommen, welche durch Ihre Genossenschaft hervorgerufen worden; daß diese hervorgegangen aus dem religiösen Bedürfnisse, das bürgerliche Leben, in welches der Israelit mit vollem Bewußtsein und ganzer Kraft eingetreten, und die Formen des Iudenthums in eine wesenhafte und beseelende Einbei zu bringen, haben sie immer erkannt. Daß die Genossenschaft imt Drängen dieses Bedürfnisses fich bis jetzt nicht hat Hinreißen lassen, selbstständig die Bahn der Umgestaltung zu betreten, und, einerseits den Blick nach den Rabbiner-Versammlungen gerichtet, andrerseits als Ziel eine Synode anstrebend, nur die allseitige Betätigung des Reformbedürfnisses gesucht hat, wußten sie ihr stets 1)anK Um so innigere Freude unv Befriedigung hat die zweite Rabbiner-Versammlung selbst empfunden, als sie eine würdige Deputation der Genossenschaft, versehen mit einer unmittelbar an sie gerichteten Denkschrift, in ihre Mitte eintreten sah, und sich durch die in dieser ausgesprochenen Ansichten und Wünsche, sowie durch vielfache persönliche Besprechungen mit Ihren Herren Deputirten in jener erfreulichen Ueberzeugung wesentlich befestigte. Das Bewußtsein der religiösen Gemeinschaft, welches alle Bekenner der israelitischen Religion vereinigt, kann dadurch nur erhöht und erkräftigt werden, daß alle Strebenden in Israel sich begegnen und einander nähern. Dä wir in unfern öffentlichen Verhandlungen öfters Gelegenheit hatten, den Grundsatz ausznsprechen, daß das Iuventhum keinen Unterschied zwischen Rabbinen und Laien anerkenne, so kann es uns nur um so mehr freuen, wenn das Bedürfniß nach Reform nicht blos in der Ueberzeugung der Rabbinen, sondern auch innerhalb der Gemeinden seinen festen Boden findet, so daß wir dieses ernste Streben nach Abhilfe und Befriedigung als ein ächt religiöses gern anerkennen, und nur den innigen Wunsch hegen, vast dieses Streben bei seiner allmähligen Ausbreitung nur solche Wege einschlagen möge, wodurch die Einheit unserer Glaubensgenoffenschaft glicht gefährdet werde. Sie haben den Wunsch ausgesprochen, in Ihren ferneren Bestrebungen mit den uni'rigen Hand in Hand zu gehen, den Wunsch, denjenigen Wechselverkehr zwischen Ihrem unv unserm Institute eintreten zu sehen, aus welchem ein heilsamer Erfolg für die Gesammtentwickelung des Iudenthums hervorgehen soll. Auch wir find der Ueberzeugung, daß ein derartiges Zusammenwirken von wahrhaft segensreichen Folgen sein könne; unv wie wir uns gerne der Hoffnung hingeben, daß Ihre Bestrebungen uns unterstützen, den Boden zu gewinnen, auf welchem sich die Resultate unseres Instituts verwirklichen können, so werden Sie uns als Gesammtheit unv als Einzelne stets bereit finden, Ihre Bestrebungen niit unseren Kräften zu unterstützen, wenn dieselben mit denjenigen Prinzipien übereinstimmen, von welchen wir bei einer Reform im Judenthum ausgehen zu müssen glauben. Auf den Gang, den Ihre Bestrebungen nehmen, und auf die Gestaltung, welche dieselben durch Erzielung einer Synode gewinnen möchten. halten wir unsere Augen mit voller Aufmerksamkeit gerichtet. Wir wünschen, daß jene zu einem mit unfern Neberzeugungen unv Grundsätzen übereinstimmenden Ziele durch den Beistand und Segen des einigen Gottes gelangen und wahrhaft gedeihen möge. Die zweite Rabbiner-Versammlung. Frankfurt den 25. Juli 1845. gez. Stein. Präses. l>r. Hirsch, Secretair. Die Inspektion der jüdischen Schulen in Kaie rn. Von der Saale. Mit unserer Religion muß es wirklich sehr gut stehen; sie muß einen Reiz für ihre Bekenner haben, d r *) S. Nr. 29 d. B.

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