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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-10 · Heft 32 (10.8.1845) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 32 (10.8.1845)
Date
1845-08-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SSL sucht gewesen rc-, darüber mögen Andre berichten. Aber auch Persönliches werden wir nur in so weit berühren, als es mit den Gegenständen der Besprechung in unzertrennlichem Zusammenhänge steht. Wir betrachten die Mitglieder der Versammlung als liebe Gäste, und würden jede absichtliche Verletzung der Gesammtheit oder des Einzelnen für eine Verletzung des Gastrechts ansehen, deren wir uns nicht schuldig machen möchten. Ueberdies erscheint die Theilnahme der einzelnen Mitglieder an der Versammlung an sich schon als höchst verdienstlich, wenn man die Anfeindungen und Anschwärzungen erwägt, welche die Theilnehmer an der vorjährigen Rabbiner-Versammlung erfahren. Diese Anerkennung wird Niemand den Mitgliedern der diesjährigen Versammlung versagen können; gewiß das eigene Interesse hat sie nicht hierher geführt; die fetten Pfründen in Israel find noch halb und halb Sinecuren, sie fallen solchen Rabbinen zu, welche sich durch Wort und That — nicht auszeichnen, und es vorziehen im historisch berechttgten Schlendrian und Müssiggange ruhige Tage zu verleben. Und sollten jene Männer nicht vorhergesehen haben, was wir alle wissen, daß nämlich dieser Versammlung gleiche Verketzerung wie der vorjährigen bevorsteht, daß man in ihre Gemeinden den Saamen der Zwietracht auszustreucn, und ihnen Unannehmlichkeiten aller Art zu bereiten suchen wird? Sie wußten dies so gut als wir, und sind nichts desto weniger gekommen. Darum können wir ihrer Selbstaufopferung unsre Anerkennung nicht versagen; Ehre wem Ehre gebührt'. — Diese Betrachümz führt uns zunächst auf Hrn. Dr. Frankel, Oberrabbiner zu Dresden, dem wir in unsrer früheren Correspondenz so manches harte Wort zu sagen uns genöthigt fallen. Vielleicht werden sie sich deß noch erinnern; die Angriffe des Hm. Frankel auf die hiesigen Reformfreunde, zu denen wir zählen, hatten nicht vermocht, unsrer Vertheidigung einen ander »Ausdruck als den der Mäßigung zu leihen, während die Weise, wie er der vorjährigen Rabbiner-Versammlung, der wir begreiflich nicht angehört haben, entgegen trat, unsrer Beurtheilung das Herbe im Ausdmcke gleichsam aufnöthigte. Allein Hr. Frankel war in neuerer Zeit von seiner anfänglichen Schroffheit zurückgekommen, er hatte sich zu müderen Gesinnungen und freieren Ansichten bekannt, und selbst sein Erscheinen bei der diesjährigen Rabbiner-Versammlung in Aussicht gestellt. Wiewohl letztes in einer Weise geschah, die zu keinem Resultute zu führen versprach, so war doch schon dieses Erbieten, dem Treiben und der Haltung der Orthodoxen gegenüber, ehrenhaft und achtungswerth. Als uns nun die Kunde ward, Hr. Frankel werde als Mitglied der Rabbiner-Versammlung sich dahier einfinden, so machte uns dies wahre Freude, und wir fanden, daß wir uns in unsrer ursprünglichen Würdigung des Mannes (Nro. 9, Seite 69, d. B. u. Z.) nicht geirrt hatten. Seine persönliche Erscheinung und sein Auftreten waren nur geeig' net, uns in unsrer Gmndansicht von demselben zu bestärken. Hr. Frankel machte auf uns den Eindruck eines protestantischen Geistlichen, noch eigentlicher, den eines Professors der protestantischen Theologie; ein solcher aber steht, wenn er sich auch nicht grade zu den Ansichten eines Wislicenus, Uhlich re. bekennt, immer schon von einem römisch-katholischen Geistlichen weit ab. Hr. Frankel vertrat seine Meinung in der Versammlung mit großer Wärme >«d vielem Geschick; er vermied alle Anzögllchkeiten und hielt sich an die Sache; die Versammlung und das Publikum widmeten seinen Vorttägen große und verdiente Aufmerksamkeit und Theilnahme. Auch wir, wenn gleich in der Ansicht von ihm abweichend, konnten demselben unsren Beifall nicht versagen, und wissen Sie weßhalb? weil wir glauben gefunden zu haben, daß die Ueberzeugung des Hm. Frankel mehr in der Wissenschaft als im Glauben wurzelt, weil er mehr für jene als für diesen, ja, ge. nau genommen, für eine ihm zur Liebhaberei gewordene Wissenschaftlichkeit kämpft. Wenn aber ein Glaubensstreit nicht leicht zu Gutem führt, und immer zu vermeiden ist, so hat ein wissenschaftlicher Streit gewöhnlich nur gute Folgen und ist immer zu wünschen; wo nun zur Wissenschaftlichkeit noch Liebhaberei hinzutritt, verleiht sie ihr eine Wärme, welche die Leidenschaft zu ersetzen im Stande ist und vor Trockenheit bewahrt. Das Ausscheiden des Hrn. Frankel aus der Versammlung' als sie ihre Berathungen kaum erst begonnen hatte, konnte nicht anders als uns unangenehm berühren, und zwar mehr feinetals unsertwegen. Da wir unsre Ueberzeugung für die rechte halten, da wir ihres Sieges gewiß sind, da wir nicht zweifeln, daß ihr die Zukunft angehört, so konnten wir überhaupt nichts dagegen haben, wenn auch andre Ueberzeugungen sich geltend machten, ja, wenn die unsre in der Versammlung nicht einmal mit Entschiedenheit vertteten war. Immer fand sich die Bahn des Fortschritts betteten, und war auf derselben dieser weiter als jener vorgedrungen, so blieb die Aussicht für Alle, an das Ziel zu gelangen, nur srü« her oder später, auf geradem Wege oder auf Umwegen; N2X UTI nffJP, die Wahrheit wird ihren Weg machen. Wäre auch die fortwährende Anwesenheit des Herrn Frankel vermögend gewesen , den einen und andern Beschluß der Versammkmg im Sinne des Fortschritts zu verhindern, wir hätten uns darüber zu trösten gewußt, da wir nicht zu den Utopisten gehören, welche von dieser zweiten Rabbiner-Versammlung die sofortige Abstellung aller Mißbräuche, die das Judenthum verunstalten, erwarteten. Hr. Frankel repräsentirte uns nicht weniger eine Nüance des Fortschritts als dies die Herren Geiger, Holdheim und andere thaten; auf ein Mehr und Weniger aber kam es uns vorerst nicht an, und wir hätten es gerne gesehen, daß das zum Licht neu erwachte jüdisch-religiöse Bewußtsein in seinen verschiedensten Radien ausströmte. Sahen wir ihn daher unsertwegen nur ungern scheiden, so bedauerten wir es noch viel mehr seiner selbst willen, und denken dafür die Gründe in unserm nächsten Schreiben anzugeben. Adresse der Frankfurter Israeliten an die Nabdiner-versammtung. (Frankfurt a. M.) Die hiesigen israelitischen Bürger und an ihrer Spitze die sämmtlichen Mitglieder des Vorstandes haben die nachfolgende Adresse an die zweite Rabbiner-Versammlung gerichtet : An EineHochwürdigeRabbiner-Dersammlung dahier. Wenn Ihnen, hochwürdige Herren. Andere bei Eröffnung Ihrer Sitzungen in Denkschriften Wünsche und Hoffnungen dargelegt , wenn sie das ausgesprochen haben, was sie vom Ergebnisse Ihrer Derathungen erwarten zu dürfen glauben, so fühlen

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