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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-10 · Heft 32 (10.8.1845) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 32 (10.8.1845)
Date
1845-08-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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250 wärtige. Der Begriff der verbotenen Arbeit an diesem Tage beschränkt sich demnach auf das zum Lebenserwerbe, zum speciellen Berufe Gehörige, während eine Arbeit, die zur Erholung, zur geistigen Erhebung dient, die uns der eingeengten Sphäre entzieht und uns in eine höhere Stimmung versetzt, das Göttliche, Aechtmenschliche, Wahrhaftisraelitische in uns weckt, dem Kreise der verbotenen Arbeiten nicht angehört. Der Begriff der verbotenen Arbeit bestimmt sich demnach auch für uns nach deren Zweck und Resultat, aber nicht nach talmudischer Weise, obein wirkliches Product hervorgebracht und gefördert werde, sondern ob sie für ihn ein Gegenstand der Erholung und Erhebung sei. Wir können demnach auf die Taxirung der einzelnen Arbeiten und Thätigkeiten nicht eingehn. Erstens erblicken wir überhaupt in der bestimmten, bis ins Kleinste ausgeführten Begränznng des Details, also hier in der Bestimmung der einzelnen verbotenen oder erlaubten Arbeitsverrichtungen ein Verfahren, das mehr der äußerlichen juristischen Methode angehört als dem innerlich religiösen Leben. Aber zweitens hängt es nach unserer Auffassung des bibl. Begriffes über den Sabbath ja gerade davon ab, inwiefern die Thätigkeitdie Sabbathweihe stört oder mit ihr in Einklang steht, worüber zu entscheiden eine genaue Berücksichtigung des Zweckes bei jedem einzelnen Falle nothwendig ist. Sehn wir uns im praktischen Leben um und fragen wir nach dessen Bedürfnissen oder vielmehr nach den Conflicten, in welche dasselbe mit der bisherigen Lehre vom Sabbathe tritt, und nach dem Verlangen, welches deßhalb an die Lehre gestellt wird: so können wir zu unserem tiefen Leidwesen nicht bergen, daß sowohl die weitverbreitete Gesinnung als auch die Verhältnisse des Lebens selbst der reinen Lehre über den Sabbath, wie wir sie unserer Ueberzeugung gemäß aufgestellt, noch große Hindernisse in den Weg legen. Durch die bisherige Art der Sabbathfeier wurde nämlich der Sinn für dieselbe in einem großen Theile der Iudenheit ziemlich ertödtet, und das Leben ist dadurch sowie durch den vielfachen Mangel an religiöser Gesinnung, welche allein Opfer und Unbequemlichkeiten ertragen lehrt, dahin gelangt, über alle und jede Feier sich hinwegzusetzen und wird es sich nicht sobald selbst derjenigen fügen wollen, welche nur als wesentlich und unantastbar betrachten. Aber von der andern Seite klagen wir das Leben auch nicht zu hart an! Unsere sociale Stellung, durch welche wir als eine geringe Minorität in einem von andern religiösen Institutionen der weit überwiegenden Majorität durchtränkten Staatsleben uns befinden, wird für den Verkehr und den nothwendigen Nahrungserwerb der ernsten Begehung eines andern wöchentlichen Feiertages, als welchen die überwiegende Majorität feiert, Schwierigkeiten bereiten, denen der Eine nicht gewachsen ist und die den Andern zu sehr laxen Grundsätzen verleiten. Vergessen wir aber nicht, daß wir die Feier erst wieder neu begründen wollen, daß wenn auch dazu unser gegenwärtiger Ausspruch nicht genügen wird, jedoch die Wirksamkeit eines Jeden von uns in seiner Gemeinde dahingehn muß, die höhere Auffassung des Lebens zu begründen, dadurch eine würdige Feier des Sabbaths herzustellen, daß die Frucht erst allmählig wachsen und reifen soll und wir nicht an den gegenwärtigen Schwierigkeiten die Grundsätze, deren Wirksamkeit wir erst erwarten müssen, messen dürfen. Hoffen wir vielmehr, daß durch die Befestigung würdiger Vorstellungen vom Sabbathe, durch Hinweisung auf die Lebensweihe, welche aus einer solchen wahren Feier desselben erwächst, durch die Herstellung eines würdigen Gottesdienstes auch die Kraft gewonnen werde, den Verlockungen der Bequemlichkeit und der Gewinnsucht zu widerstehn. Wenn wir nun demgemäß die Herstellung einer würdigen Sabbathfeier uns zur Aufgabe machen müssen, so werden wir namentlich alle Hindernisse zu beseitigen haben, welche die Erhöhung der gottesdienstlichen Feier, als des wirksamsten Mittels, die Idee des Sabbaths in den Gemüthern zu befestigen, entgegenstehn. Wenn der Talmud btos für Einzelnes, was von seinem Standpunkte die höhere Lebensweihe allein bedingte, wie mop enpon rvo und rb>a, die Suspension des Sabbaths gestattete, so dürfen wir uns nicht scheuen, hierin weiter zu gehn und die Lebensweihe, der der Sabbath dienen soll, in unfern Tagen, wo wir einer solchen so sehr bedürfen, umsomehr zu berücksichtigen. Hierher rechnen wir besonders: 1) Das Verbot des Musicirens. An und für sich auf sehr schwachen Gründen beruhend (die Musik ist roxbn ruw hodh, und die *var jpn» NDty mu ist eine unbegründete Befürchtung) hindert dieses Verbot die Weckung einer gemüthlich-religiösen Stimmung sowohl im Hause als auch vorzüglich in der Synagoge; die Begleitung der Gesäuge mit den

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