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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-03 · Heft 31 (3.8.1845) · page 10

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 31 (3.8.1845)
Date
1845-08-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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SSIin jeder Provinz des deutschen Vaterlandes, in der Juden ihre Wohnsitze aufgeschlagen, war wenigstens e t n zeitgemäß gebildeter Rabbiner, der mit Wahrheit und Licht gegen die Waffen der Finsterniß und Engherzigkeit ankämpfte. So schaarten sich in allen Gegenden die Bessern zusammen und suchten mit Hingebung und Aufopferung das Neugewordene festzuhalten und dem Alten, dem Verwesten und Leblosen den Sieg abzuringcn. Die Jugend wurde auf neuen lachenden Wegen dem Leben zugeführt; man sperrte sie nicht mehr in enge finstere Schulstuben, um den freien kindlichen Geist durch unerquickliches Talmudstudium zu tödten, ihm seine Schwungkraft zu morden — in der reinen Atmosphäre der Wissenschaften und Künste schöpfte sie den lebendigen Odem und wuchs heran zur Freude Gottes und der Menschen. — Doch während überall die neuen Zeichen der Zeit sich kund gaben, während überall ein neues Leben sich zeigte, und bereits die schönsten Früchte aus dem segenreichen Wirken der jungen Rabbiner herangereist waren — da lagen wir, wir Schlesier im holden Schlefierlande, noch in tiefem Geistesschlaf! während der Morgen schon überall unfern Brüdern in holvem Lichte aufgegangen war, lagen wir noch im starren Schlummer der Mitternacht! Ach, nicht alle Augen, die geschloffen, waren von Schlafe befallen; eS weinte wohl Mancher bittre Thränen der Verzweiflung in die finstere Nacht hinaus, wohl Mancher erkannte am fernen Horizonte die junge Morgenröthe! Doch wie sich aufraffen aus der Starrheit, in der unsere Glieder gefessellt lagen, da der Mann uns fehlte mit dem Stabe des Herrn, der mächtigen Rufes uns geweckt? — Unfere Rabbiner? daß sich Gott erbarm'! EinTheil von ihnen schlief selber den langen Todesschlaf, und dem andern behagte die nächtliche Stille und Dunkelheit, die ihre Unwissenheit und Erbärmlichkeit um so besser verbarg. — (Schluß folgt.) Neligrofer Fortschritt in Manah eim. Manheim im Juli. Wie es auch bei uns immer lichter wird und wie man besonders den innern Angelegenheiten eine gleiche, ja noch eine höhere Aufmerksamkeit widmet, als den äußeren, was noch vor kurzer Zeit der Fall, möge Ihnen die drei ersten Paragraphen aus den neuredigirten Statuten des Vereins für die Verbesserung jüdischen Zustände beweisen. Erlauben Sie mir daher, sie wörtlich hieher zu setzen: §. 1. Der Zweck des Vereins ist die Förderung aller Bestrebungen, welche aus zeitgemäße Verbesserung der inneren und äußeren Zustände des Zudenthums und seiner Bekenner Hinzielen. §. 2. Diesen Zweck sucht der Verein in Bezug auf die äußern Zustände zu erreichen: 1) Durch alle gesetzliche Schritte, welche zur Erlangung der bürgerlichen und politischen Gleichstellung zu führen geeignet sind. 2) Durch Aufmunterung und Unterstützung von Israeliten zur Erlernung und Ausübung von Künsten, Wissenschaften, bürgerlichen Gewerben, Handwerken und Ackerbau. tz. 3 In Bezug aus die innern Zustände verfolgt der Verein seinen Zweck hauptsächlich: 1) Durch sorgfältige Wahrnehmung aller Vorgänge aus dem Gebiete des Zudenthums. Zu diesem Ende werden die Zeitschriften und literarische Produkte, welche sich auf diesem Gebiete bewegen, angeschafit und den Mitgliedern zur Benützung dargereicht. 2) Durch wissenschaftliche und praktische Vorträge und Besprechung über Alles, was mit dem Zwecke des Vereins zusammenhängt. 3) Durch Correspondenz mit ähnlichen Vereinen. 4) Durch Mittheilung von Vorschlägen und Wünschen an die Rabbiner-Versammlungen, deren Beschlüssen der Verein soweit sie mit seinem Zweck übcreinstimmen, Aufnahme zu, verschaffen sich bestreben wird. 5) Durch Anträge an die competenten Behörden auf Verbeffe rung des Cultus. Per Austritt Frankels und Schotts aus der Nabbiaer- Verfammlung. Frankfurt a. M. Schon in der Sitzung der zweiten Rabbiner - Versammlung am 18. Juli war der Sitz des Ober- . rabbiners Frankel leer geblieben, ohne daß die Ursache hie. von angezeigt war. Allein noch an demselben Tage erhielt der Präsident von demselben ein Schreiben, welches also lautete: „An das wohllöbliche Präsidium der zweiten Rabbiner- Versammlung in Frankfurt am Main." „Die Erhaltung des Zudenthums ist das innerste Element meines Lebens und das Ziel aller meiner Bestrebungen, dem ich von meiner Seite jedes Opfer zu bringen bereit bin, so wie ich von der andern mich mit Tentenzen, die das Gegentheil herbeiführen, in einem nie auszugleichenden Widerspruche befinde. Ich brachte schon in der zweiten Sitzung (den 17. d. M.) die Principienfrage zur Sprache, damit man sich unter einander verständige! und über den Geist der Versammlung zur Klarhert komme; doch! wurde auf diesen Punkt nicht näher eingegangcn. Die gestrige Siz-

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