Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1845)
- Date
- 1845-08-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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»S4 sen begründe keine Hierarchie, sonst müßte ja das Volk und L'pO'L lernen. Was wäre das für eine Einheit, die auf dem Nichtverstehen beruhe. Gemüthlichkeit, auf die man sich berufe, müsse die Menschen kräftigen und beseligen. Solange kein zweiter Moses erstehe, der aus dem Felsen Wasser schlage, werde das Volk nicht aus dem Felsen einer todten Sprache Leben schöpfen können. Schott: Gegen Hcrrheimer müsse er bemerken daß der Widerwille der Jugend keinen Grund abgebcn könne, die hebräische Sprache abzuschaffen; dieser Widerwille sei auch oft gegen die Moral gerichtet. Werde man darum diese abschaffen? Bringe man der Jugend Liebe zur Sache bei. Da man sich so oft auf Maimonides berufen, so wolle er auch auf eine Stelle aus demselben aufmerksam machen; sie laute: nana *r»nr ’:n„ " p"r6 mnsb n , nt>p . Es müsse doch auch auf den großen Theil Rücksicht genommen werden, der sich nicht bei einem überwiegenden deutschen Gottesdienste erbaue; es sei gewiß, daß diese aus dem Gotteshause verdrängt werden, während die andere Partei für einen überwiegenden, ja gänzlich deutschen Gottesdienst nicht gewonnen werden dürfte. Man ziehe also das Gewisse dem Ungewissen vor. Präsident: Es sei jetzt fast gefährlich, sich für das Hebräische zu erklären, da die Sympathien so Vieler dagegen sei, während das Streben, das Charakteristische des Judenthums zu beseitigen, immer allgemeiner werde. Es frage sich: 1) Ist das hebräische Gebet als ein Band des Glaubens nöthig was zu bejahen? 2) Ist es nöthig zur Kenntniß der Bibel? 3) Ist mehr Innigkeit in der hebräischen Sprache? Auch die beiden letzten Fragen seien zu bejahen; denn die Sprache sei allerdings das Band auch bei anderen Religionen; z.B. bei den Emigranten, den d»ti£D. Es möchte sonst wieder gehen, wie beim babylonischen Thurmbau. Wenn die gemeinsame S p r a ch e aufhörte, werde auch das gemeinsame Streben aufhören; man werde das Hebräische auch nicht mehr in den Schalen lernen, wenn es beim Gottesdienste aufhörte. Die Bibel in der Uebersetzung genüge nicht. So lasse das Original des inx 'n vielfache Übersetzungen zu. Werde es Hebräisch gesprochen, so empfinde das Herz die Tiefe und vielfache Bedeutung der Worte. Das sei die eigentliche Mystik. Wir müssen darauf dringen und drängen, daß das Hebräische gelernt werde, auch von dem weiblichen Geschlechte. Sei die hebräische Sprache auch noch so arm in ihren Conjugationen u. s. w., so sei sie doch reich an Religion, sei so einfach; so liebenswürdig, so naiv. Gegen Geiger bemerke er, daß bei der Einführung der hiesigen Gottesdienstordnung sich die Meisten für die Beibehaltung des Hebräischen ausgesprochen haben. Die Versammlung erklärte mit Stimmenmehrheit: daß die hebräische Sprache weder gesetzlich, noch objectiv nothwendig sei; daß aber ihre theilweise Beibehaltung beim Gottesdienste aus Akkomodation an die Gemeinden jetzt noch rathsam sei, unddaß ein völlig deutscherGottesdienst einzuführen wäre, sobald die Gemeinden reif dafür geworden. —s. Geschichte des Tages. per Neligionslehrer Lehman. £1. Berlin. Einige Angaben Ihres Berliner Correspondenten in Nr. 23 des Israeliten bedürfen einer kleinen Berichtigung, die ich, als aaS authentischer Quelle geschöpft, Ihnen zukommen lassen für Pflicht hatte. Der jüdische Religionslehrer Lehman zu Aaken hat allerdings in Folge der Kundgebung seiner Sympathie für die hiesige.Reformversuche seine Stelle vorlorm. Dagegen kam die Anzeige von dem Vorfall* hierher nicht von dem dortigen Magistrat, sondern von einem christlichen College», einem Schuhllehrer zu Aaken. Das damalige Comite hielt es zunächst für Pflicht Erkundigungen einzoziehen; da man dieselben jedoch nm bei Privaten anstellte, so blieben ste theils erfolglos, theils fielen fie ungenügend aus. Es ist daher weder von einer Unterstützung von Seiten des Vereins (ob eine private Unterstützung stattgefunden, weiß ich nicht) noch von einer Anstellung des Herrn Lehmann im Büreau des letztem die Rede. Da jedoch die Genossenschaft die gefährdete Zukunft dieses „Märtyrers" wie Ihr Eorressp. sagt, sichern möchte, falls derselbe ein tüchtiger und brauchbarer Mensch ist, so hat fie sich an zuverläßige Quellen um Auskunft gewendet, der fie jedoch bis zu diesem Augenblick entgegensieht. Nicht minder unbegründet ist die Angabe in demselben Artikel, daß sich ein namhafter Rabbiner als künftiger Seel-