Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1845)
- Date
- 1845-08-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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»53 alle Weisheit aus Israel geschwunden und erst dann standen wir weise Männer auf, als man die Werkheiligkeit zu entfernen suchte. Wollen wir noch länger unfern Gemeinden Gebete herzusagen zwingen, die sie nicht verstehen, bei denen ihr Herz nicht ist? 2) Ein fleißiges Lesen der heiligen Schrift wird nicht eher erzielt werden, als bis die Muttersprache in unfern Synagogen Eingang findet. Wir müssen uns schämen, daß unter 100 Israeliten oft kaum einer ist, der die Bücher der h. Schr. auch nur dem Namen nach kennt. Das Volk weiß eher, was im *uxan mwo, als was in den Propheten steht. Woher kömmt dies — ihm ist die Sprache der Bibel heiliger als die Bibel selbst, es liest keine Uebersetzung, weil sie ihm keine Heiligkeit hat. Ist die Muttersprache auch die Gebetssprache, dann wird es anfangen auch die ihm zugänglichen Uebersetzungen der Schrift zu lesen. 3) Durch das Erlernen des Hebräischen in den Schulen wird der eigentliche Religions-Unterricht geschmälert. Wie wohlthätig muß es influiren, wenn die auf jenes verwendeten Stunden diesem gewidmet werden können. 4) Man nahm die Aeußerung, die hebräische Sprache sei todt, übel; ich behaupte es noch. Sie ist arm in ihren Conjugationen und Conjunktionen, ihr Sprach- , schätz reicht für unsere Empfindungen nicht mehr ganz aus; sie ist todt, weil unser Inneres in ihr nicht mehr den unvermittelten Ausdruck findet. 5) Doch wozu noch mehr Gründe herbeibringen, wo ein Grund gewiß nicht zu widerlegen ist. Sind ja gerade unsere heiligsten nur dem öffentlichen Gottesdienste augehörigen Gebete von der großen Synode nicht in der hebräischen, sondern in der damaligen Muttersprache verfaßt, wie B. ncynp und &mp Lassen wir uns daher weder von Empfindeleien und sentimentalen Reden, noch von unserem eigenen Schmerze zu einer Unwahrheit verleiten, das Gebet soll der unmittelbarste Ausdruck des Innern sein — hinweg darum mit einer fremden Sprache. Reiß: Die Casuisten sprechen immer nur von Einzelnen; aber es sei ihnen nicht beigefallen, bei dem öffentlichen Gottesdienste eine andere, als die hebräische Sprache zu gestatten; die ncynp sei in hebräischer und chaldäischer Sprache verfaßt worden. Der Eid sei übrigens von der vollsten heiligen Bedeutung, auch wenn er bei dem deutschen Namen Gottes gesprochen werde. Löwengart: Sei die hebräische Sprache nur ein religiöses Element, so haben wir den Borwurf des Nationalen nicht zu fürchten. Die Beibehaltung von mim nanp habe nur den Sinn einer Demonstration. Es sprechen nämlich durch das mim nxn auch diejenigen, welche es mit den Ritualgesetzen nicht so genau nehmen, den Gedanken aus, daß eine höhere Einheit sie mit ihren Glaubensbrüdern verbinde. Das E'J,"d mm und die sonstigen Stücke bei welchen der Talmud die hebräische Sprache vorschreibe, können auch deutsch gesprochen werden; nur mim nxnp bleibe hebräisch, und zwar als Demonstration. Auerbach: Der hebräischen Sprache müsse eine Bedeutsamkeit für den Israeliten zugesprochen werden; aber wir dürfen sie nicht als Erinnerungsmittel betrachten , da wir uns sonst in ein Labyrinth verlieren, und nicht vom subjectiven - sentimentalen Standpunkte aus sie zu schätzen uns bemühen. Wir greifen mit dieser Frage in das Herz des Iudenthums; wir dürfen selbst den Vorwurf einer besondern Nationalität nicht scheuen, wenn wir diese Frage als mit unserer religiösen Aufgabe zusammenhängend, betrachten. Aber wir dürfen auch denen, welche das Nationale vom Religiösen trennen, keine unreinen Motive unterlegen; die Geschichte habe nun einmal durchgeschnitten und das National-Theokratische auf das rein-Religiöse zurückgeführt; die Abschaffung des Hebräischen sei also der völlige Abschied des Nationalen. Es handle sich hier um den Begriff des Iudenthums. Die Vergangenheit habe ein nationales gehabt; die Gegenwart habe nur ein religiöses und confessionelles; die heilige Schrift stehe zwischen beiden, und an uns liege es, in einer näheren Verbindung mit derselben zu bleiben. Es dürfe diese innige Verbindung nicht gelöst werden. Unsere Religion habe in der Geschichte vom Anfänge der Welt an bis zu ihrem Ende ihre Basis. Er schlage noch vor, statt des Ausdrucks „typische Gebete", welchen der Commissionsbericht brauche, „stationäre"' zu sagen. Einhorn: Er sei nicht gelehrt genug, um auf den gesunden Menschenverstand zu verzichten. Es komme Alles auf das Verstehen der Gebete an. Der Unterschied zwischen Priester und Laien habe mit dem Aufhören der politischen Selbstständigkeit aufgehört. Das Wis-