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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-03 · Heft 31 (3.8.1845) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 31 (3.8.1845)
Date
1845-08-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5*51 dem Wohle des BolkeS zum Opfer bringen. Gegen Frankel erkläre er, daß wir nicht weniger empfinden, wenn wir deutsch „Gott" sagen. Derselbe habe fich in einer Schrift für die höchste Vereinfachung der Eidesformel erklärt. Wie wäre aber eine solche möglich, wenn das deutsche „Gott" uns nicht so sehr erhebe. Wir sollen allerdings, wie Herr Frankel ausgesprochen, alle religiösen Bande erhalten; aber wir sollten auch froh sein, daß die hebräische Sprache kein solches Band bilde. Wir sollten nicht darnach streben Priester zu sein; ganz im Sinne unseres großen Lehrers, der da gerufen: 'n ay b p' *d" Gebe Gott, daß das ganze Volk aus Propheten bestehe. Gosen: Man könne gesetzlich in jeder Sprache beten; ja die Anwendung der deutschen Sprache sei selbst für den zweckmäßig, der das Hebräische früh erlernt. Er, obgleich er schon vor 50 Jahren das Hebräische erlernt, sei doch nur recht andächtig in der deutschen Sprache. Für denjenigen, der das Hebräische nicht verstehe, sei der Gebrauch der deutschen Sprache sogar nothwendig, nach dem Satze der Talmudisten: itoj xb ppn runa rfcsn Ein Gebet ohne Andacht gleiche einem Körper ohne Geist. Doch müsse er auch behaupten, daß man den zartesten Nerven unseres religiösen Lebens zerreißen würde, wollte man die hebräische Sprache ganz entfernen. Wagner: Die Erhaltung des Iudenthums hänge nicht von Buchstaben ab; es komme vielmehr Alles darauf an, daß jeder mit der Schrift bekannt gemacht werde; daher selbst das Vorlesen der Thora deutsch sein dürfe. Der Unterschied zwischen Geistlichen und Laien würde gerade dann aufkommen, wenn nur dem Rabbinen der Inhalt der Gebete zugänglich wäre. Sieskind: Man wolle das Gebet als Vehikel (Erinnerungszeichen) ansehen; das sei falsch; dafür seien die Ceremonien da; das Gebet sei aber die Sprache des Herzens und keine Ceremonie; er betrachte darum die Anwendung der deutschen Sprache als objectiv nothwendig. Treuenfels: Es sei objectiv nothwendig, das Hebräische zum Theil beizubehalten. Man könne auch jetzt der Jugend die Kenntniß der hebräischen Sprache beibringen, und sie darum doch in allen andern Kenntnissen unterrichten. Auch eine fremde Sprache ergreife uns, wie z. B. ein Drama von Shakespeare in englischer Sprache. Was aber sonstige edle Gefühle anrege, müsse auch das religiöse beleben. Die Gemeinschaft der Juden sei eine religiöse; folglich müsse das confessionelle Band der hebräischen Sprache erhalten werden. A. Adler: Wenn für die Beibehaltung der hebräischen Sprache in der Synagoge von den Rednern vor mir manche empfindungsvolle Predigt gehalten und sentimentale Aeußerung vorgebracht wurde; so darf uns das nicht wundern. Cs geht uns hier, wo wir von einer Sprache, die uns Jahrtausende Muttersprache gewesen ist, wie dem zur Selbstständigkeit gelangten Jüngling, der von seiner Mutter scheiden soll, um sein eignes Haus zu gründen. Er ist weich gestimmt, nur mit thränenden Augen reißt er sich los aus den Armen seiner Mutter, tritt er aus dem elterlichen Hause. Wie thöricht aber wäre es von dem Jünglinge, wenn er sein ganzes Leben innerhalb der engen Schranken dieses Hauses bleiben, wie thöricht von den Freunden, wenn sie ihn, um ihm den Schmer; zu ersparen, nicht zur Selbstständigkeit gelangen lassen wollten. Wir sind nicht hier beisammen, meine Herren, um zu predigen, um unsere Empfindung zu erpektoriren; die Wahrheit dem Volke zu geben ist unser Beruf, auch hier wird die Wahrheit gefodert, wir müssen sie aussprechen, wenn dies uns auch noch so sehr schmerzen sollte. Ich werde mich darum ferne halten von jedem Predigertone, von jeder Sentimentalität, von der Sache sprechen nach innigster Ueberzeugung. Prüfen wir die Ansichten derer, die die hebräische Sprache für unseren Gottesdienst ferner noch beibehalten wissen wollen! 1) Die hebräische Sprache ist eine heilige, sagt man, und darum sollen wir uns ihrer in dem heiligsten Momente unseres Lebens, im Gebete, bedienen. Ich weiß nicht, wie eine Sprache mehr oder weniger heilig sein kann als die andere — nur nach dem Inbalte kann die Sprache heilig sein. Wenn Du in hebräischer Sprache lügst oder heuchelst, so ist die hebräische Sprache bei Dir eine unheilige; die Wahrheit, die in deutscher Sprache ihren Ausdruck findet, macht gewiß auch diese zur heiligen; es kömmt also immer auf das Gesprochene, auf den geistigen Gehalt an. 2) Die heiligen Schriften würden sich aus unserer Mitte verlieren, bringt man vor, wenn das Hebräische nicht mehr unsere Gebetessprache ist — nimmermehr. Ich möchte doch wissen, welches Volk heute noch in

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