Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1845)
- Date
- 1845-08-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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SSV sie sei aber bei dem größten Theile der deutschen Judenheit untergegangen. Bon der Anwendung der hebräischen Sprache beim Gebete hänge nicht die Erhaltung des Hebräischen ab. Auch zu den Zeiten des Talmuds war die Kenntniß der hebräischen Sprache nicht — wie Frankel behaupten wollte — allgemein, wie aus dem „pNn DJ?" des Talmuds hervorgehe. Hätten die Alten nicht Rücksicht auf das allgemeine Bedürfniß genommen, sl^. würde sie nicht besonders der Gemeinde (iias) den Gebrauch der hebräischen Sprache gestattet haben. Die hebräische Sprache hat uns geheiligt und wird uns heiligen; auch wenn Ln deutscher gebetet wird. Im Uebrigen werden schon die Schulen und Fakultäten dafür sorgen, daß das Hebräische erlernt werde. Iolowitz: Es müsse doch vor Allem auf das salus populi und die vox populi Rücksicht genommen werden. Das jüdische Volk könne sich aber nicht mehr in das Gespinnste der jüdischen Sprache hineinfinden. Wir haben also die Pflicht, den Volkswillen zur lebensvollen That werden zu lassen und brauchen nicht zu fürchten, daß dadurch die Katholicität und Conformität des Judenthums gefährdet werde. Maier: Es sei umgekehrt. Man müsse die hebräische Sprache beim Gottesdienst beschränken, damit sie in den Schulen gelehrt, werden könne. Nach den heutigen nothwendigen Schuleinrichtungen könne es nicht weiter mit"dem Hebräischen gebracht werden. Das beweise die Schule in Frankfurt a. M., die doch so tüchtige Lehrer habe. Und wie sollte es in dieser Beziehung mit dem weiblichen Geschlechte gehen? Früher, wo eine gleiche religiöse Berechtigung desselben nicht anerkannt worden, wäre dieses in Ordnung gewesen, nicht aber jetzt. Wann wäre auch die hebräische Sprache Muttersprache gewesen? Schon dann nicht mehr, als sie aufhörte, lebendige Sprache zu sein. Die Frauen haben schon früher sich mehr bei den deutschen nunn erbaut, als die Männer bei den hebräischen Gebeten. Die hebräische Sprache sei ein nationales Band. Der Jude erkenne an dem j?st£? jeden entfernten Glaubensbruder. Genug also, wenn dieses, wie die drei ersten und drei letzten mro von yfv hebräisch bliebe. Philippson: Wir müssen in der Debatte die Ertreme vermeiden. Keiner der Redner wolle das Hebräische ganz verdrängen. Man stimme also in der Hauptsache überein. Wir wollen für eine lange Tauer arbeiten. Dieses müsse auf dem Wege der organischen Durchdringung des Hebräischen und Deutschen bewirkt werden. Es müsse zwischen dem öffentlichen Gottesdienste und dem Privatgöttesdienste unterschieden werden. Der erstere könne dem Zustande jedes Einzelnen nicht vollkommen genügen. Es komme dorthin der Frohgestimmte, der Trübsaltragende rc. Der öffentliche Gottesdienst müsse besonders Anregung und Belehrung geben, und den Ausdruck des Religionsbekenntnisses enthalten, das hebräische Gebet sei ein besonderes Moment desselben. Diese Sprache sei die erste, welche das ym ausgesprochen; die erste, welche -pD5 *]j/“6 nana« gelehrt; die erste, welche die Gleichheit aller Menschen verkündet. Die Belehrung beim Gottesdienste bestehe in dem Vorlesen der heiligen Schrift und in der deutschen Predigt. — Die Juden seien Deutsche und wollen eS auch sein; das Judenthum aber könne kein deutsches sein; es sei das Universelle, welches sich über die ganze Erde verbreitet habe. Darum müsse im Judenthum ein einheitliches Moment sein; inhaltlich: das Erkenntniß des einigen Gottes und formell: die hebräische Sprache beim Gottesdienste. Die deutschen, französischen, englischen Juden u. s. w. müssen sich an diesem gleichen Bekenntniß erkennen. Das Judenthum müsse auch ein Unterscheidliches haben, dieses bestehe im kirchlichen Leben und darum dürfe man die hebräische Sprache nicht aus dem Gotteshause entfernen. Man habe dieselbe in einigen Adressen für arm und todt erklärt; dagegen müssen wir uns wahren. — Keiner habe noch den Genius des Homer, Shakespeare u. A. erreicht; da wir nun solche Meisterwerke des Genius in unserer Sprache haben, so könne sie nicht arm genannt werden. Cahn: Wir wollen Gott danken, daß vom religiösen Standpunkt Nichts für die Beibehalung der hebräischen Sprache eristire. Wir müssen darnach streben, daß unser Gottesdienst ein deutscher werde, er müsse unser Ideal sein, wenn auch noch lange nicht ausführ-, bar. In unseren Schulen möge allerdings die hebräische Sprache unterrichtet werden. Die Sprache könne kein religiöses Element sein. Wir werden von dem deutschen Schema eben so ergriffen, wie von dem hebräischen. Wir Rabbinen erbauen uns wohl an der hebräischen Sprache; aber nicht die große Masse, welche mehr fühlen würde, wenn sie das Schema Israel in verständlicher Sprache sagte; wir müssen also unsere Gefühle