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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-03 · Heft 31 (3.8.1845) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 31 (3.8.1845)
Date
1845-08-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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L4V die wahre Sprache des Gemüthes sei, daß sie allein das religiöse Gefühl nach allen seinen Beziehungen anzuregen vermöge; eine ftemde Sprache könne unmöglich so alle Saiten des menschlichen Gemüthes anschlagen. Das habe er bei dem Gottesdienste in Frankfurt selbst gesehen. Viele wären meistens nur bei dcn deutschen Gebeten andächtig gewesen; er müsse dieses von sich selber sagen, obgleich er die hebräische Sprache als seine Muttersprache betrachten dürfe. Es stände schlecht um das Iudenthum, wenn es auf den Krücken einer fremden Sprache einhergehen müßte. Lebe denn jetzt die hebräische Sprache im Volke, weil einige Vokabeln davon verstanden werden? Die Bibel würde weit mehr vom Volke gelesen werden, wenn es dieselbe in deutscher Sprache lese, oder sie ihm in dieser vorgelesen würde. Die Sprache als solche ist und bleibt immer etwas Nationales. Hiemit ward die Sitzung vom 16. Juli geschlossen, und am folgenden Morgen die Debatte fortgesetzt. Herr Ober-Rabbiner Frankel, der wieder zuerst das Wort hatte, verbreitete sich weiter über obigen Gegenstand und äußerte Folgendes: Er finde sich durch den Ausspruch mehrerer Herren in seiner Uebetzeugung noch mehr befestigt, und wolle vorzüglich an das anknüpfen, was der Redner vor ihm, (vr. Geiger), geäußert. Er glaube, daß das Nationale gar nicht besprochen werden sollte, das Religiöse müsse uns die Hauptsache sein, ohne alle Rücksicht auf die Borwürfe der Nationalität, die immer nur ein Schein seien, über welche das wahrhaft Religiöse und Göttliche erhaben sein müsse. Unsere französischen und holländischen Brüder sind treue Unterthanen und lieben doch das Hebräische. Wir sollten bei der Oeffentlichkelt unserer Verhandlungen vorsichtig sein mit dem Ausdruck der Nationalität, weil dieses gemißdeutet werden könne. Gegen Geiger müsse er bemerken, daß — wenn er sich durch das Deutsche gehoben fühle, so sei dieses doch nur subjectiv; viele, ja die meisten Israeliten würden ihm darin nicht bcistimmen; sie würden im Hebräischen mehr Gediegenheit des Ausdrucks finden, besonders die, welche das Hebräische verstehen. — Die Beibehaltung der hebräischen Sprache sei objectiv nothwendig. Die Religion habe ein Band: das göttliche Gefühl in uns, diese Sehnsucht nach Gott; die Religion habe aber noch mehrere Bänder, jenes Band bedürfe noch mehrerer Stützen; so als Erinnerung an Gott, deßgleichen mm, nbsn, und eben so sei das Hebräische eine heilige Erinnerung, welche nicht aus dem Herzen gerissen werden dürfe. Verwischen wir ein Band nach dem andern, so würde auch das letzte zerrissen und es bleibe Nichts übrig. Wie wir die Träger der Lehre von einem einigen Gott seien, so müssen wir auch die Sprache der heiligen Schrift bewahren, und sie jedem zugänglich erhalten. Auch dem gemeinen Manne sei das Verständniß der Ursprache nicht fremd, und wir müssen Vieles daran setzen, daß diese Sprache nicht aus den Schulen und den Gotteshäusern schwinde. Nicht umsonst habe die heilige Schrift (in der Stelle idp ’ioipa twottf) den Propheten Samuel so hoch gestellt; denn er habe die heilige Schrift zu einem Gemeingut gemacht. Wir wollen alle nicht den Unterschied zwischen Priestern und Laien. Wie könnte sonst die Rede von Abschaffung der O'SOw sein. — Auch er wolle dem deutschen Gebete Eingang gestatten, das Hebräische sollte aber am meisten berücksichtigt werden. Der Mensch bedürfe einer Anregung; die heilige Sprache sei ein solcher Hebel, sie sei ein Klang, der an das Herz dringe, wir kommen aus der gewöhnlichen Sprache heraus und treten in das Gebiet der heiligen. Es müsse beim Unterricht auf die Erlernung des Hebräischen gewirkt werden, für uns ergebe sich eine Nothwendigkeit, das hebräische Gebet als gesetzlich zu erklären. Zu der Zeit, wo ein Verlangen nach einer anderen Sprache nicht allgemein aufgekommen, haben die Lehrer zur Beruhigung des Einzelnen, welcher nicht Hebräisch verstanden das Beten in jeder Sprache (pts6 boa rbsn) gestattet. Wir müssen das heilige Pfand, welches Gott in unsere Hände gelegt, bewahren und pflegen, und die hebräische Sprache als die religiöse, heilig halten. Salomon: Maimonides frage einmal: Warum die Lehrer so viel streiten, und antworte: Weil die Lehrer einander nicht verstehen. Er glaube, Herr vr. Frankel habe uns nicht verstanden. Der Werth der hebräischen Sprache werde von Niemanden bezweifelt, sie sei die Gebetsprache so viele Jahrhunderte gewesen. Könnten wir wieder zurückkehren, und unsere Jugend und Frauen mit der hebräischen Sprache bekannt machen; so wäre das recht; aber wir können nicht wieder die Jahre der Kindheit zurück erhalten; also für diejenigen, welche die hebräische Sprache verstehen, möge sie bleiben;

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