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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-07-27 · Heft 30 (27.7.1845) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 30 (27.7.1845)
Date
1845-07-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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S4S mit offener Gewalt in Anwendung gebracht wird. Gelingt dies nicht, so sucht man seine Opfer in petto zu ärgern. So wird in gen. Dokumenten erzählt, daß die Missionäre auf den Gräbern unserer alten ehrwürdigen Glaubensgenossen, selbst dem des Propheten Zacharias, das Kreuz pflanzen und die heiligen Schriften an unheiligen Orten verbrennen. Auch miethen sie, heißt es da, unsere frommen Mitgläubigen durch Ueberbietung aus, und treiben den Miethziens auf das siebenfache. Wir wollen es dem Rabbi Hirsch Lehren überlassen, die Richtigkeit oder Unrichtigkeit dieser Klagen zu untersuchen.— Dem letzten berühmten diplomatischen Ball Ihrer Majestät der Königin wohnten die Familien Rothschlld, Montefiore und Goldsmid bei. Letzterer, welcher ein Vorsteher der hiesigen Reformgemeinde ist, steht bei Robert Peel in besonderer Gunst. Der berühmte Premier-Minister soll geäußert haben, daß er unter der Deputation, welche ihm die Dankadresse für die bekannte (se>v:sd disabilities removal) Bill zu überbringen hatte, den Hrn. G. zu sehen wünsche. — Die russischen Juden dürften in dem Umstande, daß der bekannte Philantropist Graf von St Germains den englischen Gesandschaftsposten in St. Petersburg übcniimmt, einer bessern Zukunft entgegen sehen. Unsere obg. Ballgäste haben sich die Gelegenheit der Festlichkeit nicht entschlüpfen lassen, ohne für ihre unglücklichen Glaubensgenossen des Nordens etwas zu thun. Miseellen. Sage einer noch was auf die orthodoxen badischen Rabbinen. Sie haben, wie man unS berichtet, sich beeilt, noch vor der Zusammenkunft der zweiten Rabbiner-Versammlung einConcil zu halten, und darin beschlossen: daß das ]cspc inrfct in deutscher Sprache zu sprechen, und daß nicht mit Anfang von WCQ T\ sondern erst mit 2K n""i das Verbot des Bartscherens beginnen soll. Der von Einigen gestellte Antrag, bet Berathungen der Gemeinde- Beamten mit entblößtem Haupte zu fitzen, ist jedoch nicht rurchgcgangen. Während die zweite Rabbiner-Versammlung die Erklärung abgegeben, daß die hebräische Sprache beim jüdischen Gottesdienste nicht gesetzlich notwendig sei, wird von dem neuen Londoner Ober-Rabbiner Dr. Adler berichtet, daß er seine Einweihungsrede hebräisch gehalten. Zn Roseuberg in Oberschlesien, ist jetzt in der Person des Z. Levy der erste stuvirte Rabbiner bestellt worden. Derselbe ist jedoch im Uebrigen streng-rabbinisch. Unter den Zuhörern im Saale der zweiten Rabbiner-Versammlung hat man auch Amschel von Rothschild bemerkt. — Zngleichen soll der bekannte Elias Abr. Prinz aus Amsterdam, der sich jetzt in Frankfurt befindet, auf den Gallcrien gesehen worden sein. Dr. Salomon in Hamburg? giebt jetzt unter dem Titel: „Der Berg des Herrn" Kanzelvorträge über den Dekalog heraus. DerBep vonTunis, dcrAfrikaner, gab vor Kurzem einen Firman heraus, in welchen er den General -Consul von Tunis auffordcrt, daß er doch den europäischen Christen cs ein bischen an's Herz legen möchte, die Juden bei ihrer Passahfeier ungestört zu lassen. Zu St. Louis haben die Juden eine Institution in's Leben gerufen, deren einziger Zweck darin besteht, nur Christen zu unterstützen.— In Jerusalem dagegen haben die christlichen Missionäre ein Hospital einzig und allein für Juden errichtet; die dortigen Rabbiner: aber begraben den Juden nicht, der darin stirbt, und belegen noch obendrein sein todtes Haupt mit dem Bann. In Venedig sind jetzt 2300 geduldete jüdische Seelen, welche nicht weniger als sieben Synagogen besitzen, während die 15000 staatsbürgerlichen Juden Berlins, mit Ausnahme einiger Betstubcn, sich nur einer Synagoge zu erfreuen haben; aber auch diese ist alle 14 Tage nur eine halbe Stunde, d. so lange die Predigt dauert, wenn auch nicht gefüllt, so doch wenigstens besucht. In Jerusalem gehen viele Christen zum Judenthume über, ungeachtet unser ehemaliger Glaubensgenosse, der Bischof Alexander , sich alle Mühe giebt, das Verhältniß umzukehren. In der Stadt Zion verdursten die Leute bald aus Mangel an Wasser, da es schon sehr lange in jener Gegend nicht geregnet, so daß alle Brunnen leer sind, und das Wasser mit schwererem Gelde gezahlt wird, als der Waizen und Wein. Die Juden in der Zionsstadt halten diese Waffersnoth für ein Vorzeichen des bald zum Vorschein kommenden Elijah, sich auf die schriftliche und mündliche Ueberlieferung stützend. Wie doch eine entfernte Ursache eine entfernte Wirkung Hervorbringen kann. Weil die polnischen Juden ihre jüdisch-polnische Kleider nach einem neuen UkaS ablegen müssen, darum haben die deutschen Seidenfabrikanten in Leipzig eine schlechte Messe gehabt, da bekanntlich die polnischen feinen Schubaze aus Seide verfertigt werden. So wirkt auch die Religion, oder besser der Unglaube, auf den Handel zurück. Berichtigungen. In der vorigen Nummer S. 226 Spalte 1 Zeile 6 v. o. muß es heißen: „26) Sieskind, Rabbiner inWiesbaden" und Spalte 2 Zeile 12 statt: „19 Stimmen" 14 Stimmen. Verlag der I. C. H ermann 'scheu Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offeubach.

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