Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1845)
- Date
- 1845-07-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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341 wohltätiges Wirken hervor. Herr Wolf Pappenheim ist rastlos bemüht, weder Anstrengung noch Kosten scheuend, dieser segenbaren Anstalt einen ausgebreiteten Wirkungskreis zu geben. — Die Finanzen der Gememde-Casse sind nicht im besten Zustande, die öffentlichen Ein- und Ausgaben stehen in einem,so schlechten Verhältnisse, daß alljährlich ein Deficit von einigen 1000 fl. W. W. entsteht. Möchte diesem Uebelstande baldigst abgeholfen werden, das Quomodo ist leicht zu errathen. — Die um Preßburg herumliegenden Gemeinden wieKittse mit 200, Stampfen mit 160, Szerdahely mit 350 und St. Georgen mit 130 Bale Batim ahnen eben so wenig von einem geistigen Aufschwünge der Nation, als wenn sie am Missifippi gelegen wären. Betrachtungen hierüber anzustellen ist nicht rathsam, sie würden zu sehr unerfreulichen Resultaten führen. Die revue independante über die Juden. Paris. Es wird Ihren Lesern gewiß angenehm sein, wenn ich Ihnen hier Einiges aus einem Aufsatze mittheile, welchen die revue independante über die französischen Juden vor einiger Zeit gebracht. Die Gesellschaft hat sich, meint der Verfasser, ihrer Pflichten gegen die Juden entledigt, hat aber die Gesellschaft ihren Tribut von den Judk-r empfangen? Die Juden sind zwar Franzosen und zwar gute Franzosen, aber in wissenschaftlichen, socialen und religiösen Angelegenheiten sind sie stehen geblieben, während die Juden um sie weiter gegangen find. Jedoch werden Männer, wie M. Salvador, M. Frank wegen ihrer gediegenen Arbeiten rühmlichst erwähnt. Die Brüder Nodriger haben sich ebenfalls einen Ruhm durch ihren Anschluß an den St. Simonismus erworben. Die wissenschaftliche und industrielle Thätigkeit der französischen Juden wird zwar nicht ganz übersehen, jedoch nicht nach Gebühr gewürdigt. Von dem Deputirten Fould wird gesagt, daß wenn der Convent, der die Juden emanzipirte, aus Männern, wie Fould ist, bestanden hätte, so würde Fould noch ein einfacher Geldwechsler oder Courtier sein. Diese partheiische Beurtheilung findet in dem speziellen Standpunkte, auf dem sich die Revue befindet, ihre Erklärung. „Ich habe nicht die Ehre Cerfbeer zu kennen", sagt der Verfasser; wenn man ihn nicht persönlich kennt, so kennt man ihn gar nicht. M. Cremieur ist zwar ein Freund von Rothschild, was ihn jedoch nicht hindert, ein talentvoller Mann zu sein, und der äußersten Linken anzugehören. M. Kahen ist ein Mann von Wissen und Verdienst, seine Bibelübersetzung zeigt von Geduld und Kenntniß , allein für den Fortschritt ist wenig von ihm zu erwarten. M. Bloch gab vor einigen Jahren die Regeneration heraus, wo sich nicht selten reformistische Grundsätze kund gaben. Jetzt gibt er l’Univers israelite heraus, welcher eine kluge Milt^ zwischen den Conservatven und Progressistcn festzuhalten weiß. J:n Ganzen halten die französischen Juden in literarischer und philosophischer Thätigkeit mit denen Deutschlands nicht Schritt. Die Elsässer Juden verstehen sehr gut den Groß- und Kleinhandel zu treiben; sie kaufen größere Grundstücke, nicht um sie selbst zu bestellen, sondern um sie im Kleinen wieder zu verkaufen, und Gewinn daraus zu ziehen. Durch die Bemühung Ratisbonne's ist in Strasburg eine für jüdische Handwerker und Künstler bestimmte Anstalt errichtet worden, wird aber doch nicht sehr besucht, weil sie keine koschere Speisen liefert. Die eeole rabbinique ist von den Jesuiten Ka»ls X. gegründet worden und steht der Fortentwickelung der sranzös. Juden sehr im Wege. Das Griechische, Lateinische u. s. w, was darin gelehrt werden sollte, wird von den talmudischen Studien absorbiri. Seit 1836 muß jeder Rabbinatscanvivat diese Anstalt besucht haben; noch sind keine große Männer daraus hervorgegangen. Wenn ein Rabbiner eine Reve aus Herder, Zollikofer, Massillon und Bossuet herausarbeitet, glaubt er viel gethan zu haben. Daran sind aber die israelitischen Consistorien schulv, welche sich in Paris sowohl, wie in den Provinzen in ihrem dolce farniente gefallen. Selten ist es, daß die Initiative des Fortschritts, wie dies in Deutschland ist, von den Juden selbst ausgehet. Der Verfasser schließt mit dem Wunsche, daß die Regierung die eeole rabbinique aufheben und die Candidaten veranlassen wolle, die Universität zu besuchen; daß sie ferner die Elementarbücher der Deutschen iu ihren Schulen den Elementarschülern der französisch jüdischen Schulen in die Hände geben, daß sie die Partei der progressiven Juden ergreifen, Salvador an die Spitze aller jüdischen Schulen Frankreichs stellen möchte, durch welche Maßregeln es mehr als wahrscheinlich ist, daß die französischen Juden innerhalb einiger Jahre die deutschen Israeliten übertroffen haben werden. pie engllsche MissioNsgeseUschast. London. Das von der hiesigen Missionsgesellschaft herausgegebcne „Jewish Intelligence“ jüdischer Anzeiger), bringt uns in einer seiner neuesten Nummern betrübende Zerwürfnisse zwischen den Juden und Christen der heiligen Stadt. Die Rabbiner der Davidstadt haben zwei in hebräischer Sprache geschriebene Documcnte veröffentlicht, in welcher sie ihren über die Erde zerstreuten Glaubensgenossen ihre Beschwerden und Klagen gegen das Treiben des Bischofs Alerander und seiner Anhänger gegen die jüdischen Einwohner vortragen. Gen. Blatt hat sie in's Englische übersetzt, und sucht sie theilweise zu entkräftigen. Natürlich drehen sie sich alle mehr oder weniger um das BekehrungsPflem, welches fast