Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1845)
- Date
- 1845-07-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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SS8 der Zeit; auch mit ihm könne nicht aufgebaut werden, er kann uns auch nicht die Beruhigung und Beseligung verschaffen, welche uns nöthig ist. Wir wollen uns das Vertrauen des Volkes erhalten; in diesem lebe noch der Glaube, wenn dasselbe auch im Einzelnen^ nicht so strenge mit seinen Vorschriften nehme. Verlassen wir den positiven Glauben, so zerreißen wir das Herz des Volkes» Welches Unheil würde ein Schisma Hervorrufen! Unsere Aufgabe sei die Parteien zu versöhnen; das Prinzip der Wissenschaft sei allerdings im Iudenthum nothwendig; aber sie dürfe nur als Begleiterin des Glaubens einhcrgehen. Auch außerhalb der Versammlung befinden sich Capacitäten, die wir hören müssen; sie haben moralisch Sitz und Stimme. Der Commissionsberichi sollte gedruckt und den Männern der Wissenschaft mitgetheilt werden. Er wünsche das Gedeihen der Rabbiner-Versammlung; sei selbst gekommen, damit Vereinigung stattfinde und nicht Partheiung; wir müssen uns erst über das Prinzip verständigen. Die hebräische Sprache sei beim Gottesdienste objectiv nothwendig, weil sie mit dem Wesen des Iudenthums Zusammenhänge; sie sei eine heilige Sprache der Erhebung; der hebräische Name Gottes flöße mehr Ehrfurcht ein, als der d e ut sch e; die hebräische Sprache sei die der heiligen Bücher; selbst Philo konnte keine hebräische Bibel mehr bekommen und erklärte darum den Tert unrichtig, und so würden auch uns die heiligen Bücher abhanden kommen, wenn die hebräische Sprache nicht mehr kultivirt würde. —s. Geschichte des Tages. I»r. Sachs; Dr. Stern; Eine neur Schrift über Judenthum. *1 Berlin im Juli. Man sagt sich hier, daß die Aeltesten rer hiesigen orthodoxen Gemeinde den Prediger, Hrn. Dr. Sachs, ernstlich daran erinnert haben sollen, in Zukunft gegen die Reformfreunde nicht mehr von der Kanzel herunter zu donnem, indem riese, wie die Erfahrung dies gelehrt, durch ein solches zclotischcs Verfahren um so schneller vorwärts kommen. Am ersten Tage des Pfingstfestes scheint indessen der Prediger seine Lection vergessen zu haben, denn er eiferte da an geheiligter Stätte wieder g-valtig, obgleich etwas verhohlener als sonst, gegen das Wollen und Thun der Reformkirche. Er stellte sie unter Anderem so dar: als wolle sie Gott abschasfen. Darnach hatte er auch seinen Tert gewählt, welcher lautete: „Aber ihr (die alte Gemeinde), die ihr an dem Ewigen, Euerm Gott hieltet, lebet noch alle heute." Der Hr. Prediger würde sich indessen, seines kochenden Zelotismus ungeachtet, einer solchen Sprache wohl doch nicht bedient haben, wenn die Aeltesten zugegen gewesen wären; denn dem Hrn. Dr. Veist war als Tuchhändler um diese Zeit eine ehrenhafte Charge von seinen Collegen übertragen worden, der Redacteur (d. M. f. d. L. d. A.) Hr. I. Lehmann reist diesen Sommer in England und Frankreich, und der dritte, der auf der äußersten rechten Seite der Synagoge seinen Stand hat, scheint vom Hrn. Prediger übersehen worden zu sein. — Dr. Stern wird die bis jetzt von dem lateinischen Lericographen, Hrn. Dr. Freund, ohne Honorar redigirte „Monatsschrift füx jüdssches Interesse" übernehmen, wenn sich anders unter gestellten Bedingungen ein Verleger dafür finden sollte, der bis jetzt aber noch nicht aufgetrieben werden konnte. — Es wird binnen kurzem hier eine umfangreichere Broschüre unter dem Titel: „Was ist jüdische Religion?" erscheinen. Sie steht auf positivem religiösem Boden und entwirft ein jüdisches Glaubensbekenntniß unter dem Gesichtspunkte, daß „jüdische Religion" von „Iudenthum" schlechthin scharf zu trennen sei, und dies müsse schnell geschehen, wenn anders nicht die jüdische Religion als das Besondere, als das eigentlich religiöse Bewußtsein, in das Iudenthum als ihr Allgemeines und somit Abstraktes, Leeres sich verflüchtigen und ihrem Untergange entgegengehen solle. Was Iudenthum ist, wird darin scharf philosophisch und historisch nachgewiesen, ebenso was jüdische positive Religion ist. Daß man „jüdische Religion" (Judaismus) mit „Iudenthum" schlechthin 2000 Jahre lang verwechselt habe, daher schreibe sich der Verfall unserer Religion. — Der Protest der 59 Neformfreunde gegen die sofortige Einrichtung eines zeitgemäßen Gottesdienstes, dessen ich Ihnen neulich erwähnte, kam nicht zu ^Stande. — Ein von dem Vorstande des zum Andenken an den großen Mendelssohn errichteten Waisen-Instituts soeben öffentlich abgestatteter Bericht besagt, daß gen. Institut einen. Fond von 54000 Thlr. besitzt und zur Zeit 18 Zöglingen eine gediegene Erziehung angedeihen läßt. — Von Hrn. Dr. Sachs ist ein Buch erschienen, welches die hebräische Poesie der Juden in Spanien in einer Ueberseßung uns vorführt. Dies Werk ist bekanntlich die zweite Uebersetzungsarbeit des Herrn Doktor.