Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1845)
- Date
- 1845-07-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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337 Spruch DuwWfl; oder den Nationalftolz, wie in dem «»u Ein dritter Punkt sei der Gebrauch der hebräischen Sprache. Dieselbe konnte nur so lange verpflichtend sein, als man das Gebet als opus operatum betrachtete, von einer .12111 nben sprach; jetzt sehe man aber, nach dem weisen Spruche »ja vob wom das Gebet als freien Erguß des Herzens an, darum der Vorzug der Muttersprache, wo die Gefühle des Herzens am besten ausgedrückt werden; während die Anwendung der hebräischen Sprache, als einer nicht mehr lebendigen und verständlichen, das Gebet zu einem bloßen Lippendienst mache; daher die Unordnung in der Synagoge und der Mangel an Andacht; es würde zu einem völligen Aufhören des Gottesdienstes kommen, wenn man hier nicht abhelfe. Bei den vielen Gegenständen, welche jetzt die Jugend zu erlernen het, könne dem Hebräischen nicht so viel Zeit, wie früher, gewidmet werden. Man dürfe deßhalb auch keine Besorgnisse hegen, da wie die Erfahrung zeigt, Kenntniß der heiligen Schrift in der Ursprache doch nicht erzielt werde, und deßhalb auch nicht die Unterscheidung von Priester und Laien im Judenthum aufkomme; nur die sogenannten schönen o>ra bjp ttiüvben verschwinden, was aber nicht zu beklagen sei. Es müsse daher der Gebrauch der hebräischen Sprache auf die ältesten Gebetstücke, nämlich die drei ersten und letzten Abschnitte des rrwy runttf und bezüglich der nirra '* ingleichen auf minn nxnp beschränkt werden. Der Bericht machte noch darauf aufmerksam, daß bei dem schwärmerisch-religiösen Gefühle der Vorzeit, das Unschickliche so mancher Ceremonien, wie z. B. der sogenannte Tropp, der eigenthümliche Vortrag des Vorbetens, das Schaukeln, das Borgen des vom Nachbar beim Aufrufen zur Thora u. A. nicht empfunden worden sei; daß mit der an verschiedenen Orten eingeführten Gottesdienstordnung nur die Einheit gestört und dem Bedürfniß nach Erbauung doch nicht vollkommen genügt worden sei, und daß es darum dringend Noch thue, dem einfachen Gottesdienste der frühesten Zeit sich wieder anzunähern, worauf er auf die Grundsätze der Commission überging, und diese in Beziehung auf die erste ihr zur Beantwortung vorgelegte'Frage: Ob und in wie weit die hebräische Sprache bei dem Gottesdienste nothwendig, dahin entwickelte: dieselbe unterscheide zwischen bleibenden und wandelbaren Elementen des Gottesdienstes, und rechne zu den ersteren namentlich das ycsr und die drei ersten und die drei letzten Abschnitte des rmy ruoty* Er, der Berichterstatter, stimme nur für eine Bearbeitung der Psalmen und Me Aufnahme älterer Piutim, während die Majorität der Commission deutsche Lieder und Gebete aus neuerer Zeit ausgenommen haben wolle. Die Commission erkläre aber einstimmig, daß die hebräische Sprache objectiv nicht nothwendig sei, daß sie selbst vom talmudischen Standpunkte aus nur für einige wenige Gebete und resp. Segnungen Vorgeschrieben; daß jedoch in Rücksicht auf ihre subjective Nothwendigkeit, auf das Volksgefühl nämlich, welches noch daran hänge, die hebräische Sprache noch bei den typischen Gebeten nämlich bei 1212 und seinen Responsorien, bei yvv und den drei ersten und drei letzten Abschnitten des y "ttf, desgleichen bei minn nstnp beibehalten werden solle. Bei der Debatte, die nun hierüber stattfand, erhob sich zunächst der Ober-Rabbiner Frankel: Auch er — so äußerte sich der Redner — wolle die Krankheit des Judenthums geheilt wissen; aber es müsse mit Liebe und Frömmigkeit geschehen. Zuvörderst frage es sich: auf welchem Boden stehen wir, welches Prinzip leitet uns. Können Abstimmung und Abgabe von Meinungen hier genügen? Ehe man auf Reformen eingehe, müsse man das Prinzip derselben sich klar machen, sonst kommen wir mit unsern Gegnern nicht zurecht, entsprechen nicht dem Vertrauen des Volkes. Dieses muß unser Prinzip anerkennen. Er wolle etwas ganz Geringfügiges anführen: 1222 nr>rop wa. Wären wir auch alle mit einer solchen Reform einverstanden, so komme es doch auf die Quelle an, aus welcher sie fließe, ob nosa pari an sich eine heilige Bedeutung habe, oder als bloßes Erinnerungsmittel (Mnemosyne) betrachtet werde. Das Volk muß unser Prinzip kennen. — Prinziplosigkeit sei die gefährlichste Feindin unseres Glaubens. Er, der Redner, stehe auf dem Boden des positiv geoffenbarten Judenthums. Wohl solle dem Vorwärts gehuldigt werden, aber man dürfe das untere Stockwerk nicht umreißen, wenn man das obere bauen wolle. Wir können nicht mehr zu dem tobten Buchstaben der Schrift zurück. Es liegt eine große Kluft zwischen ihm und uns. Die Wissenschaft könne nimmermehr beim Praktischen zur Norm dienen; eben so wenig der Geist