Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-07-20 · Heft 29 (20.7.1845) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 29 (20.7.1845)
Date
1845-07-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2566751-2566964-2566993--1537-2569324
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

an Kraft gewinnen, ohne die Freiheit ihrer selbstständigen Entwickelung aufzugeben. Wir reichen Ihnen die Hand zu einem Bündniß, nicht zu einer Vereinigung, denn wenn auch diese es sein muß, in welcher wir beide das Ziel unserer Bewegung zu erkennen haben, so ist doch der gegenwärtige Augenblick noch keineswegs geeignet, eine solche ins Leben zu rufen, indem beide Bewegungen bis dahin noch einen Zeitraum der Entwickelung und Erkräftigung zu durchlaufen haben. Aus dieser Vereinigung der Bestrebungen, welche gegenwärtig die Rabbiner-Versammlung und die Genossenschaft für Reform im Iudenthum selbstständig verfolgen, wir die von einer großen Gesammtheit unserer deutschen Glaubensgenossen berufene, und im Namen derselben beschließende Synode hervorgehen, der wir, wie es unser Aufruf ausspricht, die neue Gestaltung des Iudenthums anheimzugeben entschlossen sind. In dieser Synode werden beide Elemente, das der Laien und der Rabbiner vertreten sein; beide aber mit einer höheren Machtvollkommenheit ausgerüstet, als sie gegenwärtig für sich in Anspruch zu nehmen berechtigt sind. Beide werden nicht als Einzelne, jener sein Bedürfniß, dieser sein Wissen geltend machen, sondern als berufene Vertreter einer Gesammtheit wird der Laie das gegenwärtige Religionsbewußtfein und das gegenwärtige Bedürfnis' der Iudenheit, der Rabbiner, das ewige und unveränderliche Wesen des Iudenthums in seinem Rechte und seiner Berechtigung zu vertreten haben, um diejenige Gestaltung unserer Religion hervorzurufen, die in ihrem ewigen göttlichen Wesen über der Höhe der Zeit steht, in ihren Formen aber sich zur Höhe der Zeit emporschwingen kann und soll. Bis dahin aber werden wir stets den Blick gerichtet halten, auf die Erklärungen und Beschlüsse, welche von Ihrererleuchteten Versammlung ausgehen, indem wir uns wohl mit Recht der Ueberzeugung hingeben dürfen, daß wir in derselben die Befriedigung unserer Ansprüche finden werden. Und eben sa hoffen wir, daß auch Sie es nicht verschmähen, auf unsere Forderungen zu achten, da Sie in diesen den sichersten Ausdruck des Bedürfnisses erkennen werden, das im Volke Wurzel gefaßt hat. Mögen Sie also in der Absendung unserer Deputation nicht nur ein Zeichen der Hochachtung erkennen, die wir Ihnen an den Tag legen wollen, sondern der wahrhaften Anerkennung, die wiy uns verpflichtet halten für Ihre Bestrebungen kund zu geben, einer Anerkennung, die, wir dürfen es behaupten, aus einem vollen Verständniß Ihrer Aufgabe und des Geistes hervorgegangen ist, mit dem Sie dieselbe bis jetzt erfüllt haben. Wrr wünschen daß diese unsre Anerkennung, daß unser Thun überhaupt dazu beitragen möge, Ihnen einen festern und weitern Boden zu verschaffen, auf dem sich Ihre Ueberzeugungen verwirklichen können; und die Kraft zu erhöhen, mit der Sie Ihre Aufgabe vollbringen. Wir geben uns aber auch der Hoffnung hin, daß Sie nicht anstehen werden, unfern Bestrebungen eine ähnliche Anerkennung zu gewähren, da Niemand mehr im Stande ist, als Sie, es zu würdigen, wie dieselben nicht auf einen Umsturz des Iudenthums gerichtet, sondern aus wahrhafter Hingebung für unsere Religion und aus dem ernsten und besonnenen Streben hervorgegangen sind, sie wieder zu einer frischen Lebenskraft unserer Zeit zu erheben. Aber wir wünschen nicht nur Ihre Anerkennung, wir wünschen auch Ihren Rath und Ihre thatkräftige Unterstützung für unser Vorhaben zu gewinnen. Haben Sie unser Bestreben als ein würdiges, als ein berechtigtes anerkannt, so werden Sie uns beides nicht versagen. Wir stellen jedoch in allen diesen Beziehungen keine b e sti m m t en Anträge, keine einzelne n Fragen an Sie, überlassen es vielmehr Ihrem Ermessen, hochwürdige Versammlung, die geeignetste Art undWeise selbst zubestimmen, wie Sie glauben, unfern Wünschen entsprechen zu können. Der Geist der die erste Rabbiner-Versammlung beseelt hat, und die Namen der Männer, welche für die zweite angemeldet sind, geben uns Bürgschaft, daß unser Anliegen nicht ohne Anklang bei Ihnen bleiben werde. Wir verharren in aufrichtiger Hochachtung Einer Hochwürdigen Versammlung ganz ergebenste im Namen der Genossenschaft für Reform im Iudenthum Die Bevollmächtigten gezeichnet: vr. S. Stern. Karl Heymann. M. S. Baswitz. vr. I. F. Bebrendt. Iesepb Behrendt, vr. Bressler. Lion M. Cobn. I. N. Friedländer. Pb. H e l l b o r n. Ludw. L e s s e r. I. L öwenberz. Adolph Meyer. A. Rebenftein. M. Simion. vr. Waldeck sw,.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.