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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-07-20 · Heft 29 (20.7.1845) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 29 (20.7.1845)
Date
1845-07-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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239 Dr. Stern trug die Denkschrift vor, welche als der wahre Ausdruck der Gesinnung vieler Hunderte deutscher Glaubensbrüder, ein so wichtiges Dokument in der Geschichte der Gegenwart bildet, daß wir es uns nicht versagen können, sie wörtlich hierunten zu geben. Wir schließen damit für heute unseren ersten Bericht über die zweite Rabbiner-Versammlung und hoffen schon in den nächsten Tagen ein Weiteres und Interessantes über die Verhandlungen derselben -ringen zu können. Adresse an die zweite Rabbiner-Versammlung von der Genoffenschaft zur Reform im Judenthnm. Hochwürdige Versammlung. Die Unterzeichnete Genossenschaft, welche sich durch den hier beigefügten Aufruf *) gebildet, und um denselben geschaart hat, ist in dem Beginn eines Unternehmens, dessen Nothwendigkeit seit vielen Jahren jeder denkende Jude fühlt, vor dessen Ausführung jedoch die riesigen Schwierigkeiten zurückschreckten, an deren Ueberwindung man verzweifelte. Wir haben uns die große Aufgabe gestellt, den Stillstand zu durchbrechen, der während einer Reihe von Jahrhunderten die Entwickelung des Iudenthums niederhielt , und uns die unveränderte Erhaltung von Formen aufnöthigte, welche mehr und mehr mit unserem Denken und Fühlen und mit dem gelammten Bedürfniß unseres vorgeschrittenen Lebens in Widerspruch traten. Wir haben uns zur Ausführung der Aufgabe verbrüdert: das Iudenthum, unser theuerstes Erbtheil, nicht für uns oder einzelne Kreise, sondern für alle, die sich zu demselben bekennen, von jenen veralteten Formen zu erlösen, und seinen ewigen Kern in einer zeitgemäßen Gestalt, und durch eine solche, uns zu erhalten, damit es unser Leben mit der Kraft seines göttlichen Wesens wieder zu durchdringen vermöge. Auch wir haben die Schwierigkeit dieses großen Vorhabens nicht verkannt, aber was; - i *) Derselbe ist in Nro. 17 dieser Blätter abgedruckt. j Die Red. 1 uns rreibt und nöthigt, uns und unsere Glaubensgenossen aus der bequemen Ruhe und der sogenannten Freiheit unseres Thunundlassens zu erwecken, und den schweren Kampf mit der Gleichgiltigkeit auf der einen, und mit dem tausendjährigen Vorurtheile auf der andern Seite zu kämpfen, das ist grade das Bewußtsein unserer wahrhaften Freiheit, die ihre Anerkennung fordert; das Bewußtsein, daß wir uns öffentlich zu dem bekennen sollen, was wir als das Rechte und Wahre erkannt haben, und daß wir nicht nur um unsertwillen, sondern auch im Namen des Iudenthums die Rückkehr desselben zu derjenigen Entwickelung fordern müssen, deren es so lange entbehrt hat. Und was uns ermuthigt zu diesem schweren Kampf ist die Ueberzeugung, daß die alte Lebenskraft im Judenthum nicht erstorben und nicht geschwächt sei, und daß unser Bedürfniß kein vereinzeltes ist, sondern in Tausenden unserer gebildeten und vorgeschrittenen Glaubensgenossen mit gleicher Kraft zur Erscheinung kommen werde, wenn es irgend woher mit Entschiedenheit angeregt wird. Und vor Allem erkräftigt uns das Vertrauen auf das fortgeschrittene Bewußtsein der Zeit, die ihre Flügel mächtiger regt, als je zuvor, welche hindrängt zur Freiheit der Erkenntniß, und so die mächtigste Stütze aller Bestrebungen bildet, die auf das Licht der ursprünglichen und reinen Wahrheit gerichtet sind, wenn dieselbe auch durch tausendjährige verdichtete Nebel getrübt ist. Konnte im Kreise des Iudenthums eine Erscheinung der Zeit dieses Bewußtsein, diese mächtige Kraft desselben bekunden, und geeignet sein, uns Muth bei unserem Werke einzuflößen, so ist es sicher die hochwürdige Rabbiner-Versammlung, deren Geist und Richtung schon bei ihrem ersten Zusammentritt einen Licht- und Hoffnungsstrahl in die Entwickelungsgeschichre des Iudenthums geworfen hat. Bei allen dem Fortschritt zugewendeten Bekennern unserer Religion, hat diese Versammlung sich die wärmste Theilnahme erworben, und wir erfüllen unserer Seits eine freudige Pflicht, indem wir der Rabbiner-Versammlung unser inniges Dankgefühl für die Anregungen und Leistungen ausdrücken, welche von derselben bereits ausgegangen sind, und unsere sichere Zuversicht aussprechen, daß es ihr trotz mannigfacher Hindernisse und Anfeindungen gelingen werde, auf dem betretenen Wege

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