Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1845)
- Date
- 1845-07-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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SSL gläubigen Israeliten, d. h. die nicht mit Herrn Enoch an den Talmud oder an sein Steuerruder, den Kochlöffel, glauben, Zweifel setzen dürfe. Hat Herr Dr. Enoch diese Aeußerung überlegt, hat er die unerhörte Verläumdung, die in ihr liegt, bedacht? Wenn in neuerer Zeit aufgeklärte Rabbiner unumwunden die Blößen des Talmuds aufdeckten, wenn sie sein Zsolirungssystem, seine beschrankte Moral, seine Nichtanerkennung der Institutionen des mchtisraelitischen Staates und namentlich seiner Rechrsgesetze vernethen, so geschah das immer mit dem ausdrücklichen auf der strengsten Wahrheit beruhenden Erklärung, daß daö Bewußtsein auch der orthodoxesten Juden über diese Grundsätze des Talmuds hinausgegangen, daß auch unsere frommsten Talmudgläubigen sich als Menschen und Bürger fühlen und mit ihrem innersten Wesen ven hiesigen gesellschaftlichen Institutionen angehören. Herr l>r. Enoch, der wohl weiß, daß dieses so ist, der also bekennen mutz, daß in bürgerlicher und patriotischer Beziehung der jüdisch-nationale Standpunkt des Talmuds sich auch im Bewußtsein seiner gläubigsten Verehrer überlebt hat und ihnen keinerlei Hindernisse an der Erfüllung jener Pflichten in den Weg legt, hätte demnach um so weniger einen Zweifel gegen die bürgerliche Pflichttreue der nichttalmudgläubigen Israeliten aussprechen, oder — was wir zu seiner Ehre glauben wollen — eine Aeußerung thun sollen, die roch so gedeutet werden kann. Pas Pockorat der jüdischen Studirenden. A (Breslau, im Juni.) Die hiesige philosophische Fakultät hal veu in diesen Blättern bereits erwähnten Antrag des Hrn Professors Bernstein, den jüdischen Studirenden der Philosophie die Erlangung der Doctorwürde auf hiesiger Universität zu ermöglichen, verworfen. Prinzipiell stimmten zwar die meisten Stimmgeber rer Fakultät darin überein, daß diese Ausschließung zeitwidrig und aufzuheben sei, aber über die Art der Aufhebung entspann sich eine größere Debatte. Es handelte sich nämlich um die Frage, ob jene Ausschließung in den Statuten begründet sei, oder sich nur herkömmlich festgesetzt habe. Im letztern Falle waren die meisten für die Aufhebung res Herkommens, im erstern aber erhoben sich ernste Bedenken, weil die Statuten das Palladium der Universität wären und man daher das Ministerium nicht um.Ab-, Lnderung derselben anzehen müsse. Nun geschieht zwar in den Statuten bei den Doctoranven der Philosophie keiner besonvern Confeffionen irgend eine Erwähnung; aber in Betreff des Lizentiats heißt eS, daß die Candidaten den Taufschein beibringen müssen. Da nun daö Doctorat ein höherer Grad als das Lizentiat ist, so hat bic Fakultät nach der talmuvischen hermeneutischer, Regel „vom Leichtern zum Schwerern" geschloffen, es liege im Geiste der Statuten, daß auch die Doktoranden den Taufschein beibringen müssen. Man hatte jedoch erwartet, daß die Fakultät da lieber den Buchstaben festdalten würde, wo nicht dieser, son. dern der Geist tödtct. Die Verhandlung drehte sich nun darum, ob die Fakultät die betreffende Abänderung der Statuten bei'm Ministerium beantragen solle, worüber die Stimmen gleich getheilt waren, worauf dann durch die Stimme des Dekans der Antrag verworfen wurde. Es bieß Anfangs, daß mehrere Professoren ein Separatvotum für die jüdischen Studirenven der Ppilosophie bei'm Ministerium einreichen werden, welches aber aus dem Grunde unterblieben sein soll, weil ne Sache bei der Fakultät selbst noch, mals zur Verhandlung kommen wird, wo man sich ein günstigeres Resultat verspricht. — Als ein Seitenstück muß erwähnt werden, daß der Dekan der medi; nikchen Fakultät, Hr. Professor B., in cinern Cirkular gegen die vom Ministerium vorgeschlagene Stirndungsbewilligung der Promotionsgebübren die Juden bei ven Haaren herbeigezogen, indem er von dieser Bewilligung den Zudrang vieler Juden, die, wie er meint, lieber „mit Haasenfellen handeln sollten", befürchtete! Es gehören aber viele Professoren der hiesigen Universität ihrer Geburt nach dem Juventhum an, nnd als das Circular an einen solchen, den Professor H., kam, äußerte er seinen Unwillen über diese Judengeyäffigkeit und schickte das Circular mit der Bemerkung zurück, daß er selber ein geborner Jude sei, — waS er nie verleugnen werde — unv demnach auch lieber mit Haasenfellen handeln sollte! und so wurde der betreffende Passus gestrichen. Es wäre wahrlich zum Verzweifeln, wenn nicht, wie in andern, auch in der jüdischen Angelegenheit der gesunde Sinn des deutschen Volkes die deutschen Proftssorem hinter sich ließe. — Jürischc Zustände in Angara. (Aus dem Trentschiner Comitat im Juni.« Wenn rre jüdischen Blätter nie etwas aus unserm von Juden stark bevölkerten Comitate bringen, so könnte man daraus leicht auf eine gänzliche Abgestorbenheit unsrer Gemeinden schließen, in denen sich auch nicht Einer finde, der ein Lebenszeichen von sich geben könnte, und wäre es nur ein Seufzer über den ihn umstarrenden Tov. Dem ist aber nicht also. Unsre Juden dürften im Allgemeinen zu den gebildeteren Ungarns gezählt werden können, und nur deren Zersplitterung in viele kleine Orte ist es, die die Regungen des bessern Geistes weniger merklich nnd fühlbar macht. Ich will