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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-07-13 · Heft 28 (13.7.1845) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 28 (13.7.1845)
Date
1845-07-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SS« die, vermöge ihrer Sachkenntmß und ihres Berufes, das , sicherste Urtheil darüber haben und deren Ausspruch > gewiß auf Viele, die noch schwankend und mißtrauisch j gegen sich selbst sind, von Einfluß sein würde. Die weitere Gestaltung dessen, was die Reformfreunde ausgesprochen, haben sie aber selbst — und mit vollem Rechte — in die Hände einer Synode gelegt. Es wird indeß auch zwischen dieser und der Rabbiner- Versammlung, wie wir schon bemerkt, ein recht fruchtbares Wechsclverhältniß sich bilden können, wenn nur erst die letztere ihre Zustimmung zu den Grundsätzen der Reformer ausgesprochen. Geschichte des Tages. per treue Zionswächter, i Bon der Elbe im Juni.) Ich bin nun ganz ausgesöhnt nnt der Altonaer Gemeinde, mit dem Rabbiner Ettlinger, mit dem frühen Begraben ihrer Tobten, überhaupt mit dem ganzen frommgläubigen Gesicht und frommgläubigen Wesen, das bisher diese Gemeinde so streng und so treu bewahrt, und welches ihr Stolz und ihr Ruhm gewesen bis auf den heutigen Tag; denn nun scheint sie, ohne es zu wissen und zu wollen, einen ganz entgegengesetzten Weg einzuschlagen, nun scheint sie selbst einen großen Beitrag dazu liefern zu wollen, daß die Aufklärung ihr Siegespauier erhebe; nun scheint sie es einem ihrer würdigen Söhne Vorbehalten zu sein, den bis jetzt noch so festen Boden der Orthovorie zu lockern und ihr selbst das Grab zu graben. — Sie wissen schon, daß ich, den treuen Zionswächter, das Organ zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judeuthums", meine, welches unser Oberlehrer Dr. Enoch „im Vereine mit vielen der geachtetsten Rabbiner Deutschlands" herausgeben will und von dem er bereits einen Prospectus nach aller Welt Enden versendet hat. „Wie", fragen Sie, „ein Organ zur Wahrung der Interessen des (sogenannten) orthodoxen Iudenthums, das dieses stürzen, dieses in's Grab bringen wird"? Allerdings! sage ich Ihnen. Lesen Sie nur einmal den Prospect. „Die Bewegung, die sich dem Gebiete des religiösen Iudenthums mitgetheilt. ist jetzt entschieden in ein neues Stadium eingetrcten. Was dis dahin gesondert und in einzelnen Regungen sich kund gegeben, nimmt jetzt eine bestimmtere Form an, gestaltet sich zur Masse, macht Anspruch auf ein selbstständiges, dem bisherigen nicht mehr angehörcndes Leben.^ Die Orthodoxie erkennt eS also selbst an; Sie hören cs ja aus ihrem eignen Munde, daß es ganz anders geworden; daß man sich nicht mehr mit freien Aeußernngen und Ansichten begnüge, welche sie als bloße Meinungsäußerungen, die auf das Leben keinen Einfluß haben, die der Herrschaft des RabbiniSmus durchaus nicht nahe treten sollten, gut ignoriren konnte, sondern daß man Grundsätze ausspricht, Gesinnungen bekennt, und nach Beiden die Lehre des Iudenthumes, den Cultus, das Leben umgestalten will; daß Reforinbestrebungen in den Gemeinden, Vereinigungen und Versammlungen unter den Rabbinern entstanden, „die Ansprüche auf ein selbstständiges Leben machen", und dem Reiche des starren Rabbinismus den Gehorsam anfkündigen. Dieses Zugeständniß der gläubigen Zionswächtcr, dlese Bedeutung, welche sie nun auf einmal selbst den Bewegungen im Iudenthum würden einräumen müssen, ist aber selbst schon eine freudige Genugthuung für uns alle; ein neues Hoffnungspanier der Sache der Wahrheit, und diese Hoffnung wird um so stärker, als schwach und zerbrechlich die Waffe ist, mit welcher die Orthodoxie zu kämpfen gesonnen. Sie kennen ja jenes Wort eines großen Denkers. daß mit dem ersten Beweise, welche die strenge steife Orthodoxie für den Inhalt ihres Glaubens beizubringen suchte, sie diesen selbst zerstörte. Dcßhalb erschraken ja auch die frommen Rabbiner mit Recht, als Maimonives mit philosophischen Gründen das Ceremonialgesetz zu vertreten suchte; denn sie ahnten, wohin das führen würde; sie begriffen, daß der Glaube über jeden Beweis erhaben sein müßte, durch jeden Beweis in seiner heiligsten Würde verletzt würde; und die heutige Orthodoxie sieht das nicht mehr ein, und will den Weg des Glaubens verlassen uud mit Gründen kämpfen, durch eine Zeitschrift ihre Interessen vertreten, und das nur der gemeinen Wissenschaft anstehende Feld der Polemik betreten. — Doch nein! das ist ihr Weg nicht, dagegen weiß sich schon der Prospect zu verwahren: „Jenes gründliche Forschen — sagt er — jenes Eindringen in den wahren Geist der Gotteserkenntniß, das ist das Feld auf welchem wir unseren Gegnern entgegentreten." Freilich die rabbinische Orthodoxie nur darf sich deö wahren Geistes der Gotteserkenntniß rühmen, sie, deren Steuerruder der Kochlöffel ist, die ihr frommes Nachdenken der Maus widmet, welche an dem Ostermehle genagt, ja die allwissender ist als der liebe Gott selbst, da sie ihn durch Scheinvertrag beim Verkaufe des durch den vollen Topf mit Fleisch am Feste und noch manches Andere zu täuschen sucht.— Doch unkluger als das ganze Beginnen ist eine Aeußerung in dem Prospect des Herrn Enoch in Beziehung auf die jüdische Schule, die, wie er sagt, uns nicht nur Menschen sondern auch dem Staate pflichtgetreueBürger erziehen soll." Was soll das heißen? Offenbar nichts Anderes, als daß der Staat in die Pflichttreue der uv-

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