Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-07-06 · Heft 27 (6.7.1845) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 27 (6.7.1845)
Date
1845-07-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2566751-2566964-2566991--1518-2569303
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

16 Grade wiükührüch und dünkelhaft, daher auch ganz unfruchtbar erscheint. Die vornehme Sicherheit, mit der man die Verbalconjectur übt, Stücke auseinanverreixt und beliebig versetzt, und dies Alles für so unzweifelhaft begründet halt und die guten Alten, die Anoroner wie die Punctatoren, vie Uebcrscßer wie die Erklärer, mitleidig belächelt, die unglaubliche Zuversicht, mit der man einigen einzelnen Versen, die man zu einem abgeschlossenen, selbstständigen Stücke stempelt, ihren bestimmten Verfasser, ihre genaue Zeit, ja einen ganzen Compler von errathencn Zuständen, unter deren Einfluß sie nicdcrgcschricben seien, zuschrcibt, ist in meinen Augen der Gipfel der stolzen Selbstvcrmcssenheit, der willkürlichst schaltenden Subjektivität, und ich glaube, die Juden können cs verschmerzen, wenn sie von den Meistern dieser Eregcse gegenwärtig als Heloten betrachtet werden. Ich will hier nicht auf Werke der neueren Zeit eingchen, und mich vielmehr blos auf einen Aufsatz von Hitzig in Zellcr'ö „theologischen Jahrbüchern" 1844, 2. Heft S. 279 — 305 beschränken. Der Aufsatz tragt dic Ucbcrschrift: das Königreich Massa, und reizte schon dadurch meine Neugier, da cs mir ganz unbekannt war, daß ein solches Reich in der Bibel rorkomme. Äan erfahrt nun in den einleitenden Bemerkungen, daß Punctation und Accentuation nicht von den Verfassern hcrrühr n, vielmehr zu einer Zeit entstanden sind, in welcher die Sprache keine lebende mehr war, auch der Strom der Tradition schon getrübt, zum Thcilc sogar versiegt war; man wird in diese durchaus nicht neue Ansicht im Allgemeinen ohne Bedenken linstimmcn und auch die Anwendung davon, um hie und da eine Conjcctur zu machen und ihr seinen Beifall zu schenken, durchaus mäck scheuen, wie denn auch alle wahren und wahrhaften jüdischen Gelehrten daran kernen Anstoß finden, wobei natürlich die superftomm sich gebärdende Kritik eines Rappoport mit ihrem verzweifelnden Ausrufe: „was sollen wir beginnen? die chrnc Mauer der Massorah steht uns unüberwindlich entgegen?" als lächerlich unbeachtet bleibt. Man vergesse übrigens auch nicht, daß diese Ansicht zuerst, und zwar zu einer Zeit, da sie als sehr kühn erscheinen mußte, von einem jüdischen Gelehrten, Elias Berira, ausgesprochen, von evangelischen Theologen aber, wie die Burtorfe u. A. heftig bekämpft wurde. Bedenklicher klingt ftüon die darauf gebaute Behauptung, die in dem Aufsätze nun ferner vorgctragcn wird, man werde am Sichersten das L.rständniß der Bibel erlangen, wenn man den Tert „ohne Punkte und im Ganzen auch ohne Wortabthcilung" vor sich haben und lesen würde; „wer froh sein darf, wenn er den punktirten Tert zu lesen und zu verstehen im Stande", der. sei nicht üb.r die Stufe hinauSgckommcn, „über welche Gcfcnius nicht hinauSführte, weil er im Allgemeinen selbst nicht über sie hinauskam." Wer eS weiß, wie das ganze Dasein der Inden in der Bibel wurzelte, die religiöse Sorgfalt erwägt, mit der sic den überlieferten Tert in Form und Aussprache, bis zu den kleinsten Nuancen herab sesihielten und auszuerücken bemüht waren, selbst im Widerspruche mit dem halachischen Leben, das sich später gebildet hatte, wer, wie Hitzig, nicht mit Volney, Houbigant u. A. aus einem von Punkten entblößten und willkührlich corrigirtcn Texte sich eine erträumte Spracht.bre erbauen zukönnen glaubt, sondern Gesenius das Verdienst zugesteht (S. 276), „daß er die hebräische Philologie zur sorgfältigen Beobachtung der Punktation zurückgebracht und wieder auf den Boden der Uebcrliefcrung gestellt hat, nachdem I. D. Michaelis u. A., bevor eine gründliche Sprachwissenschaft aufcrbaut war, dieselbe viel zu kühn und willkührüch perhorrescirten," und demgemäß als Grundsatz aufstcllt (S. 275): „An dem punctirtcn Texte selbst müssen wir die Gründe der Punctsetzung zu erkennen trachten, durch ihn uns in den Grundsätzen der Grammatik unterrichten, von der gelungenen Punctation aus auch ihre Fehler entdecken lernen " —: der wird überrascht sein, wenn ihm etne solche Zumuthung gemacht wird, mit einem Male diesen ganzen Schatz zum Verständnisse abzuweiscn, der wird sicher sehr gerne der Hülfe der Punctatoren sich immer bedienen und nur in dringenden Fällen sich ihrer führenden Hand entwinden. Nicht so Herr Hitzig, er will vielmehr „an einem merkwüroigen Beispiele zu zeigen versuchen, wie falsch und verstandlos die Punctation auch bei richtigem Tert sein könne, nachzuweisen, was Kenner in diesem Stücke sich haben bieten lassen, und welcher Ergebnisse man durch verkehrte Methode verlustig gehen kann." Diese Ergebnisse, um die wir durch die Schuld der Punctatoren und die Nachlässigkeit der Spätcrn bis jetzt schmählich betrogen worden, sind eben — „das Königreich Massa", das uns in Spr. 30, 1 und 31, 1 neu entdeckt wird, und dem Herr Hitzig, ein neuer Columbus, kühn entgegenstcuert. Ausgegangcn wird von der letzteren Stelle, wo H. es alsbald auffallend findet, daß in den Worten: das ^bü ohne Artikel steht, während sonst durchgehends "j^Qn in o. Tn “i^Dn gesagt werde und dies auch bei der Apposition zum Eigennamen grammatisch nothwendig sei. Die in dieser Schule oft gcschmähet „tappende Empirie" scheint sich jedoch auch hier bei H. eingeschlichen und ihm das tiefere Vcrständniß entrückt zu haben. Der Grund dafür, daß zu dem Eigennamen die Appositton bestimmt hmzugcsetzt werde, liegt offenbar darin, daß der Eigenname selbst bereits bestimmt und die Apposition nicht als eine neue Aussage, sondern als ein gleichfalls schon Bekanntes, blos adjectivisch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.