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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-07-06 · Heft 27 (6.7.1845) · page 11

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 27 (6.7.1845)
Date
1845-07-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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15 den fleißigen Mitarbeitern dieser Zeitung gehört, da stampft er mit seiner ganzen germanischen Grobheit und biedcrben Gemeinheit in diesem Blatte auf die Juden, und ziert dasselbe durch Lobpreisungen des Herrn Marcard. — Im Gegentheile haben die „Jahrbücher der Gegenwart" mit jenem ruhigen, aber scharfen Blicke, der ihnen eigen ist, diese Frage, wenn auch vorübergehend, berührt, und frei von theologischer wie absoluter oder richtiger absolutistischer philosophischer Befangenheit in ihrer natürlichen Einfachheit aufgefaßt. — Schade und seltsam, daß die Hallische „allgemeine Literatur-Zeitung" bei der lebendigen Frische, deren sie sich gegenwärtig erfreut, dieses Gebiet ganz ignorirt. Der vielseitige Nödiger hat selbst vor Kurzem bemerkt, daß, seitdem er im Jahr 1839 (September Nr. 161 und 162) den 3. Bd. meiner Zeitschrift und die zwei ersten Hefte des 4. in derselben angezeigt, sie weiter keine Kunde von der literarischen Thatigkeit unter den Juden gegeben; möchte ihm das 3. Heftchen des 4. Bandes wie der 5. Band Veranlassung geben, sich mit gleicher Einsicht und Wohlwollen über jüdische Studien auszusprechen! Nur in neuster Zeit hat Lebrecht mit seinen Notizchen diese Zeitung bereichert und seinen melancholischen Humor in dieselbe, gerade nicht zu großer Zierde der ernsten Wissenschaft, eingeschmuggelt. Ein Blatt, das sich sonst nicht im Entfcrnsten mit jüdischer Literatur beschäftigt, wenn auch dessen Herausgeber die Kabbalah zu verstehen glaubt, nämlich der Tholuck'sche „LiterarischeAnzeiger", hat bei einer Gelegenheit, wenn auch bereits vor längerer Zeit, in einer Recension eine Beziehung auf Juden und Judenthum genommen, die ich nachträglich noch einregistriren zu müssen glaube; es genügt, die Stelle wiederzugeben und sie als Denkmal des Tholuck'schen Geistes aufzubewahren, — sie zu beleuchten, wäre eines wissenschaftlichen Strebens nicht würdig. ES war zur Zeit als Strauß's „christliche Glaubenslehre" die reizbaren Theologen aus der Behaglichkeit und damit aus der Sanftmuth aufstörte. Ein erster Artikel, den das genannte Blatt im Jahr 1841, fünf Nummern hindurch, darüber veröffentlichte, war durchaus in hämisch-persönlicher Weise gehalten, und wo eS galt, die Person zu verdächtigen und herabzuwürdigen, da griff der Referent auch zu dem, zur Schande unserer Literatur, noch immer nicht abgenutzten, Mittel, ihn — mit Juden in Verbindung zu bringen. Eine Stelle dieses Artikels (Nr. 12 S. 93 u. 94) lautet nämlich wörtlich folgendermaßen: „Gleich nach dem Erscheinen des Strauß'schen Leben Jesu verlautete, daß die Juden große Ankäufe Behufs einer Judenpropaganda gemacht. Vielleicht ein Mythus, aus dem Lesflng'schen entstanden, somit ein Wermythus, dem indeß eine richtige Idee zu Grunde liegt. Die Strauß'sche That griff in die Judenepoche unsers jetzigen Treibens mächtig ein. Judenepoche? Wer weiß nicht in deutschen Landen, wie weit und tief in unsere innersten Lebenskreis« anjetzt geschwungene Nasen hineinragen? Wer weiß nicht, daß allen das Leben vom Bruche aller geschichtlichen Grundlagen ausgeht, wo der momentane Kalkül Leben treibt, wo Liberalismus Freiheit, Aufklärung Geist heißt, allen die mechanische Form unkeusch empfangene Lebensreflere zu originellen Schöpfungen umraffiniren kann, allda der Söhne Israel Milch und Honig fleußt? Sind es nicht apostatische Juden, welche zuerst in den Sand- und Wüftenstrecken der neuesten Philosophie ein jungdeutsches Gelüste nach den Fleischtöpfen Aegyptens anwandelte, nicht Israeliten, die alle Geschäftchen, welche ihre Zudringlichkeit unseren Notabilitätcn abgenöthigt hat, zu Charakteristiken aufputzen, sind es nicht die Söhne der Messe, welche ihre Weltzerrissenheiten praktisch feilbieten?" Indem zweiten Artikel, der acht Monate später, im Oktoberheste, erschien, hat des Recensentcn hitziger Grimm sich gelegt, die Widerlegung wird philosophisch - reflectirend, doch der Judenhaß regt noch einmal die Galle auf. „Wer die vornehme Miene kennt", heißt es daselbst (Nr. 66 S. 526 und 527), „mit der die Hegel'sche Schule alle Erscheinungen, die nicht ganz auf der welthistorischen Heerstraße sich halten, behandelt, der muß sich über die ausserordentliche Herablassung wundern, mit der Strauß sich mit Persönlichkeiten wie Celsus, den Verfassern der Clementinischen Homilien, Episcopius, Solinianes, Tindel, Edelmann, Röhr, Frauenstävt u. s. w. befteundet hat; es ist ein etwas jüdischer Handel, daher nicht zu verwundern, daß Juden und Judengenoffen, insonderhett der schwindsüchtige Spinoza so schwerpfündig angeschlagen werden." Diese Stellen mögen genügen, um den Adel dieser reinen christlichen Seele zu bezeichnen. Wenn nun so die christlich-theologische Zeitschriften für unsere wissenschaftlichen Bestrebungen, mit sehr geringen Ausnahmen, nichts Förderndes darbieten, indem sie dieselben theils ignoriren oder nicht kennen, theils einseitig messen, theils gar gehässig begeifern, so bleibt für uns außer dem S.iegelbilde, welches sie von den Strömungen in der christlichen Theologie im Allgemeinen darbieten, noch etwa das Gebiet der hebräisch-biblischen Eregese, welches in mehren derselben fleißig angebaut wird und unser Interesse erregen muß. Allein trotzdem daß ich das Schicksal fürchten muß, aus dem Adytum der Bibeleregcfe von den Priestern derselben als ein Profaner oder gar als Ketzer schimpflich ausgewiesen zn werden, scheue ich mich doch nicht zu bekennen, daß die gegenwärtige Behandlung der Bibelcregese, und namentlich in der Ewald'schen Schule, mir als im höchsten

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