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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-07-06 · Heft 27 (6.7.1845) · page 10

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 27 (6.7.1845)
Date
1845-07-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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14 Werke der „rabbinisch-jüdischcn Theologie und Literatur," welche fast durchgehends von Delitzsch angczeigt werden mit der Bekanntschaft, welche er jetzt allein unter den christlichen Gelehrten in diesem Gebiete besitzt, aber auch mit der theologischen Färbung, welche sein Urtheil nicht selten bestimmt. Das 1. Heft von 1644 z. B., bringt auf S. 170—175 eilf Werke zur allgemeinen Kenntniß und begleitet sie mit einem kurzen, soweit des Recensenten Blick unbefangen bleiben kann, meist gediegenen, aber auch nur zu bald dogmatisch aufgeregten Urtheile. Wolfson's Hiob, die neue Prager Ausgabe des babylonischen Talmudtraktats Nedarim, das 2. Heft von Iolowitz' und Caffel's Luseri, Bcnzion Jehude's Untersuchungen über Onkelos, der 7. Bd. des Kherem Chemed, Cureton's Ausgabe von Thanehum's Com. zu den Klageliedern, Zunz' Antworten auf Cultusftagcn, die Frankfurter Gutachten über die Beschneidung, Gergson's Werk über denselben Gegenstand, die kleine anonyme Schrift gegen Wohlfart, und Eisenberg's Staat und Religion werden beurtheilt. Nimmt der Recensent schon an der Leugnung eines christlichen Staates, wie sie N. 10 ausspricht, gewaltig Anstoß, den er in den Worten kund giebt: „Stimmt er nicht ganz mit Rupp und stimmt nicht Vinet mit Beiden?!", so ist er besonders ärgerlich über die Reformbestrebungen im Judenthume und namentlich hier gegen den Rcformverein. Daher bricht er zu Nr. 8 und 9 in folgende Worte aus: ,, Die Beschncidung ist ein Gnadenzeichen, nicht blos insofern sie die Versicherung des göttlichen Bundes an die Stätte bindet, wo die Sünde am mächttgsten ist, sie ist nicht allein ein göttliches Siegel der sündenvergebenden Gnade und eine göttliche Bürgschaft der Vollendung der geistleiblichen Heiligung, nach welcher zu trachten der sie Tragende sich verpflichtet, sondern sie verbürgt auch trotz der auf dem Wege der Zeugung sich fortpflanzenden Sünde das Heil, welches auf dem Wege der Zeugung erstehen sollte und — was das bundbrüchige Israel nicht erkennen will — erstanden ist. So schaltet und waltet Israel mit den Geboten Jchova's, weil es das Bewußtsein, daß dieser Gott ein lebendiger, heiliger und gerechter ist, aus dem Herzen verloren. O du erbärmliche Synagoge, die du das Feuergcsetz vom Sinai durch das Gcspei des cingeschlürsten modernen Hcidenthums auszulöschen gedenkst und den Einen nicht anerkennen willst, welcher allein die Macht und das Recht hatte, die Handschrift der Satzungen, die wider uns war, aus dem Mittel zu thun! (Col. 2, 14)." vixlt! - In anderem, ja entgegengesetztem Sinne werden die neueren Bewegungen im Zudcnthume zuweilen in der Darmstädter «Allgemeinen Kirchenzeitung" und deren Beilage, dem „theologischen Literatur-Blatte«, von Carov« behandelt. Carovö's Richtung hat viele Verwandtschaft mit der von Bruno Bauer, nur daß sie der Herbigkeit und schroffen gewaltsamen Zuspitzung entbehrt, vielmehr mit wirklicher Humanität sich vermahlt; allein auch er glaubt an eine innere Entwickelung nicht, denkt nicht, daß, waS im Laufe der Geschichte sich verfestigt hat, auch wieder flüssig gcniacht werden könne, cs müsse vielmehr geradezu gewaltsam umgestürzt und ein neues an dessen Stelle hingesetzt werden. Diese Bewegungen sind ihm deßhalb nicht auf dem Boden des Judenthums vorgehende, sondern Zersetzungen, welche ihm durch die scharfen an es sich herandrängenden Stoffe beigcbracht werden, und der Glaube, auf dem die Reformbestrebungen basiren, der Glaube an die kräftigende Genesung des Judenthums durch diese Proccsse ist ihm ein thörichter und kindischer. Er wirst uns Stellen aus Maimonides und andern Rabbinen an den Kopf und argumentirt aus den auf den Staat bezüglichen Geboten des Pentateuch, er bringt die verschiedenen neueren Schriftsteller in Widerspruch, und es ist bei ihm ein wahres Hetzen gegen einander, dem er lächelnd zusieht, blos mit dem wohlmeinenden Rathe, sie sollten doch von diesem kmdischen Kampfe um einen unhaltbaren Fetzen ablassen und sich auf den freien Boden des Lebens zurückziehen. Dieser freie Boden ist jedoch ihm, übereinstimmend mit Bauer, nicht etwa der christliche, denn auch diesen findet er so überwuchert und überbaut, daß an eine Ebenung desselben nicht zu denken ist, sondern der neutrale, allgemein humane. Indem nun Carove, hier von Bauer abweichend,- nicht mit dessen berüchtigter Guillotine-Consequenz auch die Emanzipation bekämpft, sondern den Juden als solchen zwar den Anspruch auf volle Einverleibung in den Staat abspricht, da auch sie von ihrer Seite nicht recht Ernst damit machen, allein dennoch dem Staate, der eben hoch über jenen untergeordneten Trennmygen stehn und durch diese Höhe auch die Engherzigkeit der von ihm umfaßten Theile zu verwischen beittagen müsse, diese Pflicht auferlegt, indem Carovö, von diesem Standpunkte aus ganz richtig für die bürgerliche Gleichstellung der Juden argumentirt, so stimmt er mit dem, was ich an einem andern Orte gegen Bauer erörtert, vollkommen überein; gegen den Mangel an lebendiger geschichtlicher Auffassung, den er mit Bauer theilt, sind unsere Bemerkungen gegen diesen auch mit gegen ihn gerichtet. — Die Frage über Emanzipation hat schon ftüher die Hengstenberg'sche „evangelische Kirchenzeitung" mehrfach mit frömmelnder Miene ausgenommen; die Verweigerung geschah dann immer im süßlichen, streichelnden Tone, der zwar anwidcrt, aber doch vor Gemeinheit bewahrt. Seitdem jedoch Herr Heinrich Leo in seiner Bekehrung so weit gediehen ist, daß er auch zu

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