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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-07-06 · Heft 27 (6.7.1845) · page 9

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 27 (6.7.1845)
Date
1845-07-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Literatur-Blatt. Beilage zum Israeliten des 1». Jahrhunderts. JJj°. | Sonntag den 6. Juli 1845 Eia Dlick auf christlrch-thtalogische Acitschrifteu. Von Lr. Abraham Geiger, Rabbiner in Breslau. Noch ist die Wechselwirkung zwischen der jüdisch - unv der christlich-theologischen Literatur nicht hcrgestellt, und während die wissenschaftlichen Vertreter und Pfleger der jüdischen Theologie nicht leicht ein cpochenmachendcs Werk in der christlichen unbeachtet lassen, und es überhaupt als zu ihrem Gebiete gehörig betrachten, mit dem Gange der jenseitigen Literatur vertraut zu bleiben, hat die jüdische Literatur sich eines eingreifenden Einflusses nach Außen nicht zu rühmen und sicht sich vielmehr Ziemlich hartnäckig ignorirt. *) Es liegt dies allerdings nicht ausschließlich im Willen der christlichen Gelehrten Deutschlands, welche doch sonst mit spähendem Blicke auch auf der dürftigsten Haide ein Körnlein auflesen, sondern auch in mancherlei ungünstigen Umständen; mag immerhin seyn, daß die Verachtung, welche im Leben noch nicht überwunden werden konnte, auch der Wissenschaft nachtheilig wird. Zu diesen ungünstigen Umständen zählen wir besonders zwei Dinge. Zuerst den Mangel eines besonderen jüdischen Gclehrtenstandes, der im Mittelpunkte der Wissenschaft, an den Universitäten, der Praxis mehr entrückt, lediglich die Fragen der Wissenschaft vor sein Forum zu ziehen hat, der ebensowohl durch collegialisches Nebeneinanderwirken die Auftnerksamkeit der christlichen Mitlehrer auf sich zieht wie auch den Jüngern der Wissenschaft die eigenen Forschungen zuführt. Bis jetzt ist die Wissenschaft unter den Juden noch fast allein entweder den Rabbinen anvertraut, welche die praktische Anwendung, die cigenthümlich conftssionellen Lehren in den Vordergrund stellen und nur gelegentlich die allge- *) Zeugniß davon giebt die neuste (6.) Auflage von de Wette's Einl. ins A. T., welche die Untersuchungen über Saadia's Uebcrsctzungen, über die persischen Uebersetzer so darstcllt, als seien alle neueren gewiß nicht unwichtigen Forschungen über diese Gegenstände nicht vorhanden. meinen Fragen berühren, oder sie wire gevflegt, um nicht zu sagen, verunstaltet, von privatifirenden Halbgelehrten, die entweder neben einem sonstigen Gewerbe dieselbe dilettantisch anbaucn oder aus ihr zwar ein Hauvt-, aber auch ein Brotgewcrbe machen, unv es bedarf va nicht vcr besonvern Bemerkung, daß diesen Männern die Mittel fehlen, um auf vcr Höhe der Zeit mit voller vertiefender Hingebung die vorliegenden Fragen zu behandeln. Wenn wir dessenungeachtet doch den Ansvruch einer sorgfältigen Beachtung machen zu dürfen glauben, so liegt die Berechtigung dazu darin, daß doch die literarische Bewegung, und sei sie auch auf einem gar nicht angränzendcn Gebiete, jedenfalls Aufmerksamkeit verdient und als Beitrag zur Culturgcschichte der Zeit, als Arbeit des Geistes nicht übersehen werden darf. Freilich einen andern Uebelftanv bildet der buchhänvlerische Verkehr mit den Schriften der jüdischen Literatur; der Mangel an allgemeiner Theilnahmc hat diesen gezwungen, eigenthümliche enge Wege aufzusuchen, durch die die neuen Produkte fast nur zu denen gelangen, welche diese Wege aufsuchcn, so daß sie vor den Augen christlicher Gelehrten gar nicht erscheinen. Die periodischen Organe der christlichen Theologie, noch mehr der allgemeinen Literatur zeigen am Schlagendsten die gänzliche Unbekanntschaft mit den neueren Werken der jüdischen Literaten; es ist fast eine überraschende Ausnahme, wenn man da einmal die Anzeige eines Werkes aus diesem Gebiete findet. Fast einzig in dieser Art steht eine Zeitschrift da, welcher man, wegen ihrer beengten separatistischen Tendenz, einen solchen umfassenden Blick am wenigsten Zutrauen sollte, die aber grade durch die Persönlichkeit eines ihrer Hauptmitarbeiter dieses Feld, wenn auch nicht anbaut, doch immer aufsucht. Die „Zeitschrift für die gesummte lutherische (d. h. altlurherische, der Union feindliche) Theologie und Kirche" nämlich, welche seit 1840 von Rudelbach und Gucrike herausgegeben wird, hat Delitzsch zu ihrem fleißigen Mitarbeiter, und in ihrer umfassenden übersichtlichen „allgemeinen Bibliographie der neuesten deutschen theologischen Literatur" bespricht Rubrik VI. die

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