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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-07-06 · Heft 27 (6.7.1845) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 27 (6.7.1845)
Date
1845-07-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ris binischea zu ihrem Vortheile ausbeuten zu können gehofft. Allein nach dem Regulative find für die drei zu Wählenden Neun Candivaten in Vorschlag zu bringen, wovon diejenigen drei ernannt zu werden pflegen, welche die Mehrzahl der Stimmen für sich haben. So sehr verschieden sind aber die Ansichten der Fortgeschrittenen nicht, daß ihre Stimmen hinsichtlich dreier Candidaten von den Neunen nicht hätten zusammen fallen sollen; und so geschah es. Wird sich, wie wir vorhersehn, die Gemeinde erst hinsichtlich des CultuS gespalten haben, und nur eine gemeinschaftliche Verwaltung für daS Eigenthum, die öffentlichen Anstalten, die Einnahmen und Ausgaben rc. bestehn, dann werden diese Kämpfe aushören, und wird es gleichgültig sein, zu welcher Ueberzeugung sich der Mann bekennt, wenn er nur sonst achtbar und tüchtig ist. ZusiLnde in Köln. (Bonn im Juni.) In einer Zeitschrift, welche wie dieIhrige, die tüdischen Verhältniffe des größten Lheiles unseres deutschen Vaterlandes öfterer und gründlicher Besprechung unterwirft, möchte eS wohl paffend sein, auch die nordwestliche Region desselben in deu Kreis der Betrachtung zu ziehen. Rheinland und Westphalen enchalten viele unserer Glaubensgenossen, und wir wollen zur Beurtheilung deren Religions-und Bildungszustandes in Folgendem einigen Beitrag liefern. In der von Natur gesegneten und durch Handel und Industrie blühenden Rheinprovinz nimmt Köln wie im Uebrigen so auch in Bezug auf die Anzahl der jüdischen Einwohner die erste Stelle ein. Diese Anzahl ist wie die Bevölkerung überhaupt in fortwährender Zunahme begriffen. Es sind jetzt schon über 150 Familien da, und es wird nicht lange dauern, so wird die Stadt deren 200 zählen. Hierbei darf nicht vergessen werde», daß die ganze Gemeinde erst seit etwa 50 Jahre« besteht. Sie ist also zu einer Zeit entstanden, wo andere Gemeinden sich bereits regenerirten. Sie aber hat Institutionen und Gebräuche angenommen, die damals schon antiquirt und unzeitgemäß waren. Wäre es eine alte rfalp gewesen, und hatten viele D’nD5? da gelebt, die Talmud und Rabbinismus kultivirt hätten, so wäre für den denkenden, sich bewußten, religiösen Geist eher ei« Fortschritt möglich, und für Synagoge und Schule eine Verbesserung zu erwarten gewesen. Denn der Geist, einmal ans Denken gewöhnt, hätte bald, unter dem unabweisbaren Einflüsse der Neuzett, Vorurthette abgelegt, und Autoritäten entsagt. Man wäre, hätte man den RabbimsmuS gehörig studirt, und dessen Cvnsequenzrn gewürdigt, eher aus manche Unhaltbarkeit und Un. zettgemäßheit aufmerksam, und zur religiösen Neugestaltung getrieben worden. Denn auch hier läßt sich jener Spruch anwenden: nDtc6 rQ 7\rnh “jino . Da aber die erste Anlage keine geeignete war, so konnte auch keine schöne, natürliche Entwickelung Statt finden. Die kölnische Gemeinde trägt, wenn uns das Bild erlaubt ist, die Physiognomie eines altlklugen Knaben, der Dinge sagt, die er von Greisen gehört, und die weder von ihm verstanden werden , noch an der Stelle sind. Der Gottesdienst in der kölnischen Synagoge hat daher ganz das Gepräge einer ftüheren Zeit, nur daß ihm die ernste Andacht und die feierliche Würde fehlt. Es ist ein kraft- und saftloses Formelbeten, dem die Herzlichkeit genommen und die Schönheit nicht gegeben wurde. Der Cultus hat, weder was Localität noch was Gehalt und Anordnung betrifft, den geringsten religiösen oder ästhettschen Werth. An eine Predigt ist nicht zu denken, da das jetzige Haupt des Bonner ConfistoriumS es nicht der Mühe werth hält, sich ln Köln hören zu lassen, waS als Probe der Selbsterkenntniß nicht unverdienstlich sein dürfte. Seinen Namen haben wir übrigens noch in keinem anderen Buche gelesen als in dem niNJpn "ISO wodurch er sich vor seinem Bruder, dem Rabbiner zu Darmstadt auszeichnet, der ein Buch geschrieben, das wir nicht zu loben im Stande find. Eine Zcitlang ließ man sich von einem gewissen Hrn.Jsa acSfohn predigen, der mit jenem biblischen Jsaacssohn wenigstens dt» Aehnlichkeit hat, daß er ebenfalls seine Heerde in zwei Lager theilte, damit, wenn ihm eines derselben entrissen würde, rmon ITT» . Er benannte sie nach Analogie anderer Gemeinden , die Alten und die Neuen. Wenn wir aber, was gewiß das Richtigste ist, das bewußte Festhalten an Autorität over Geistessreiheit zum Eintheilungsgrunde annehmen, so giebt es dort weder Alte noch Neue im eigentlichen Sinne. Die Predigten des Hru. I. hatten mit Orakeln das Zweiveutige und Dunkle gemein. unv waren dermaßen mit Stellen aus dem Sohar versehen, als wären seine Zuhörer eitel Kabbalisten, während in der That ein großer Theil derselben kaum hebräisch lesen kann. Noch schlimmer als mit der Synagoge sieht es mit der Schule aus. Es ist hier der Ort nicht, auseinander zu setzen, in wie fern eine besondere jüdische Schule dort nothwendig oder gar räthlich sei. Ist aber einmal eine solche vorhanden, so sei sie gut, wenigstens dem Zwecke einigermaßen entsprechend. Aber die in der Hauptstadt der Rheinlande befindliche liegt tief unter aller Beurtheilung. Es genüge zu bemerken, daß einer unserer ersten jüdischen Gelehrten, der Historiker Jost, der auf seiner Durchreise durch Köln die dortige Schule besuchte, sie als pencksot mit der, von Crümieur geschilderten, zu Kahiro zusammenstellt. Außer Schülern, deren viele da find, fehlt dieser Schule nicht mehr als Alles, was zu einer wohlorganifirten und gutgeleiteten Unterrichtsanstalt gehört. Den Erwartungen entsprechen die Resultate.

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