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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-07-06 · Heft 27 (6.7.1845) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 27 (6.7.1845)
Date
1845-07-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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210 Wahrheit, der geläuterte Glaube verlangt. Daher soll jeder deutsche Israelit, dem die Sache der Reform am Herzen liegt, dieses vaterländische Unternehmeu durch thätige Mitwirkung fördern, unbekümmert um die Verdächtigungen und Verketzerungen undeutscher Obscuranten. Wenn in denselben der verstockte Rabbinismus, der ganze Generationen niederhiclt, ihren Geist fesselte, ihren Schönheitssinn erstickte, ihre Religionsübung entwürdigte, auf seinem talmudischen Standpunkte sich als der alte offen zur Schau stellte,, so war dieß mehr als alles andre geeignet, uns in unserer Ueberzcugung zu befestigen, daß dem talmudisch - rabbinischen Boden kein Heil entsprießen könne. Wir vermögen daher von dem, was wir hierüber vor nunmehr zwei Jahren veröffentlicht haben, nicht abzugehen, und zweifeln selbst nicht, daß jene gehässigen Umtriebe auch andern endlich die Augen öffnen, und dazu beitragen werden, unseren Ansichten bei der gesammten jüdischen Genossenschaft in nicht ferner Zeit die Anerkennung zu verschaffen, welche sie Ln vielen einzelnen Gemeinden bereits gefunden haben- Wir haben die Befriedigung, nicht nur unseren hiesigen Kreis stets erweitert, sondern auch auswärtige achtbare Männer, unter denselben literarische Berühmtheiten und gelehrte Kenner des Iudenthums, an unseren Besprechungen Antheil nehmen zu sehen. Freudig begrüßen wir unsere Glaubensbrüder in Berlin, die sich vor kurzem durch öffentliche Erklärung zu ähnlichen Grundsätzen bekannt haben; ihr Ziel ist das unsere, und nur in der Wahl der Mittel zu dessen Erreichung findet fich eine nicht wesentliche Verschiedenheit; das Bestreben ist uns gemeinsam, und es bedarf nur einer kaum Schwierigkeit bietenden Verständigung, damit das Werk gedeihe, und die jüdische Reform bewahrt bleibe vor Kämpfen der Dialektik, vor Befehdung um Buchstaben. Um jene so wesentliche Verständigung herbeizuführen, dürfte es zweckmäßig sein, wenn die jüdischen Reformfreunde im Herbste des laufenden Jahrs sich zu einer Besprechung vereinigten, wo man sich über die Mittel berathen könnte, in die verschiedenen Reform-Bestrebungen deutscher Israeliten Einheit und Gemeinschaft zu bringen, und unsere Principien Ln das Leben einzuführen. Nur durch Eintracht kann es gelingen, für unser Geschlecht wie für die kommenden Geschlechter eine jüdisch-religiöse Gesammtheit erstehen zu sehen, der man von ganzem! Herzen und ganzer Seele angehört. Zeigen sich aus verschiedenen Städten die Reformfreunde bereit, diese! Versammlung zu beschicken, und findet diese gegen Ende des Septembers l. I. statt, so werden bis dahin die Ergebnisse der zweiten, hierorts abzuhaltenden Rabbiner- Versammlung unsere Erfahrungen bereichert haben. Es wären alsdann bewährte Männer anzuordnen, nachdem zuvor über den Ort der Zusammenkunft eine Vereinbarung durch Privat-Corresponden; stattgefunden. Diese vorberathende Versammlung dürfte sich als die erste, gemeinschaftlich zu ergreifende Maasregel empfehlen; und könnte, wie dies einer solchen blosen Besprechung angemessen ist, in einfacher Weise vor sich gehen. Ueber diesen Vorschlag sehen wir entsprechenden Rückäußerungen der in andern Städten bereits zusammengetretenen jüdischen Reformfreunde entgegen, und sind gern erbötig, sowohl selbst die weitere Einleitung zu treffen, als uns der von Andern etwa zn treffenden anzuschließen. Bleiben wir einig, fest und wahrhaft, und der Erfolg unseres Bestrebens wird die falschen Eiferer vernichten, die selbstsüchtigen Indifferentisten beschämen, und das Iudenthum ein Band werden, welches uns zusammenhält, ohne uns vom Jahrhundert, dem Varcrlande, der Menschheit abzuschließen. Frankfurt a. M. im Juni 1845. Antwortschreiben sind an die I. C. Herman'sche Buchhandlung, R. A., zu adressiren. Geschichte des Tages. Entgegnung. Aus Preußen. Ihr geschätzter Frankfurter ^-Correspondent findet, während er fich über meineBrochüre: „Eine deutschjüdische Kirche. Die nächste Aufgabe unserer Zeit." sehr wohlwollend äußert. doch den Titel und die Anknüpfung derselben an die Bewegung im Katholicismus unangemessen (Nr. 23 dieser Blätter), und ich ersuche Sie daher, mir einige Bemerkungen darüber zu erlauben. Ich habe weder gesagt, noch angedeutet, daß die neueste jüdische Reformbewegung von der deutsch-katholischen hervorgerufen worden; denn jene Brochüre ist früher unter die Presse gekommen, als der Berliner Aufruf und die Breslauer Er. llärung erschienen. Aber das habe ich gesagt, und ich glaube es

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