Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-06-29 · Heft 26 (29.6.1845) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 26 (29.6.1845)
Date
1845-06-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2566751-2566964-2566990--1501-2569285
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

»04 auf so lange Zeit, als wir nicht in Palästina sind, auch noch alle diejenigen Gesetze aufheben, welche nnso pia nnbnn sind, aber von dem Talmud nicht für solche erkannt wurden. Sie sehen aber, daß das Beispiel der :n”Dx und des Talmuds nicht bloß für zeitgemäße Umbildung, sondern auch für Abschaffung von Ceremonialgesetzen Zeugniß giebt. Zweitens durften Sie gegen mich nicht behaupten, daß das Beispiel jener Männer nicht für direkte Abschaffung jüdischer Gesetze spreche *): ich selbst habe das a. a. O. stärker ausgesprochen, als ich jetzt thun würde, in den Schlußworten: „nur, glaube ich die Schatten der an"3K und der Talmudisten uns zurufen zu hören, thuct es freimüthiger, als wir es durften u. s. w." Gleichwohl kann ihr Beispiel uns nützen, da ihre Umdeutung und unsere direkte Abschaffung auf demselben Princip der Beseitigung alles „nicht mehr Zeitgemäßen" beruhet. Aber i S. 52 spotten Sie über das, was ich die Schatten» jener Männer glaube zzns zurufen zu hören: und doch, werden Sie läugnen wollen, daß das jus talionis „Auge für Auge" nur darum in eine Geldstrafe umgesetzt wurde, weil es den Talmudisten zu grausam erschien, und die biblische Begründung der Geldstrafe Baba kama a. a. O. eine Accomodation an die damalige Bibelgläubigkeit war? 5 Mos. 2t, 2t ist die Steinigung des ungerachenen Sohnes befohlen, Saubedrin 7 t, a wird sie aber durch halsbrechende exegetische Sprünge auf Fälle reducirt, die vielleicht niemals Vorkommen, warum?* weil das Gesetz zu grausam erschien; und warum diese j Abschaffung auf Umwegen? weil „die Zeit nicht licht ' genug" erschien. Sie wenden mir vielleicht ein, daß I diese Abschaffungen ursprünglich auf direktem Wege stattfanden, und die talmudische Rechtfertigung dafür späteren Ursprunges sei; allein theils hätten Sie für diesen Einwand keinen historischen Nachweis, theils! würden dann diese Abschaffungen, als direkte und doch gebilligte, für das, was ich eigentlich beweisen wollte, ein noch stärkeres Zeugniß ablegen. Sie wollen läugnen, daß nicht wenigstens zuweilen Talmusisten fteisinnig gedacht hätten, sobald gesetzliche Bestimmungen davon abhingen? aber ich erinnere Sie *) Ich gebrauche hier und öfter die Ausdrücke Ceremom'algesetze und jüdische Gesetze promiscue, «eil auf talmudischem Standpunkte biufichtlich dessen, worum sich unsere Frage dreht, kein Unterschied zwischen beiden obwaltet. an das Geschichtchen n"-, 25, a; R. Ioschua habe einst gefunden, daß Rabba Gamliel den Neumond falsch angesetzt hatte; Dieser, von des Ersteren abweichender Berechnung in Kenntniß gesetzt, habe ihm befohlen, an dem Tage, welchen er nach seiner Berechnung für den Versöhnungstag hielte, mit seinem Stab und Geldbeutel zu ihm zu kommen; auch habe R. Ioschua ihm gehorcht auf die Vorstellung des R. Akiba, daß das Wörtchen „dhin" 3 Mos. 23, 2. gelesen werden könne vnx, und hiernach die Feste an den Tagen zu feiern seien, auf welche einmal die zeitige Neligionsbehörde sie angesctzt habe, mögen auch die Tage nicht die wahren sein, und die falsche Ansetzung auf Irrthum oder falschem Zeugniß beruhen oder gar nnrn erfolgt sein! Ich erinnere Sie an n"i 20, a, welchem zufolge in Uebereinstimmung mit jener Annahme dem Monat Elul ein Tag mehr gegeben, und also alle Feste im folgenden Monat um einen Tag verschoben wurden, damit nicht der Versöhnungstag auf Freitag oder Samstag fiele, und Ln Folge dessen die Leichen 2 Tage über der Erde stehen müßten, oder die abgepslückten eßbaren Kräuter welk würden!! Beweist nicht sogar der letztere Grund, daß die Talmudisten zuweilen nicht bloß freisinnig, sondern selbst leichtsinnig mit den religiösen Satzungen schalteten? welch' ein entsetzliches Geschrei würden unsre Zionswächter erheben, wenn uns Epigonen beikäme, sei es auch aus einem hundertmal wichtigeren Grunde, die Verschiebung eines Festtages vorzuschlagen! und doch feiern sie (die ehrlichsten natürlich ohne es zu ahnen) gar häufig ihren Bersöhnungstag am Montag, obwohl er auf Sonntag fiel, nicht einmal weil sie selbst, sondern weil vor 1600 Jahren die babylonischen Juden keine welken Kräuter essen wollten oder sollten! (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Pa» Statut brr Perliner Neformgenossenßchaft. Sl Berlin. Schon kam 9. Juni fand die dritte General- Versammlung der hiesigen Reformgenossenschast statt, und in dieser wurde recht eigentlich die Constituirung der letzter« vollendet. Das Statut, die Grundlage für die nunmehrige Wirksamkeit der Ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.