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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-06-29 · Heft 26 (29.6.1845) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 26 (29.6.1845)
Date
1845-06-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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303 dies selbst Demjenigen in ihm, was meine Eüate untergraben, zu einer neuen Stütze werden könne: so wäre auch zu fürchten, daß die Worte der Propheten am Ende gar dem Ceremonienwesen, das sie bekämpfen, Vorschub leisteten. Dem Volke muß nachgewiesen werden, wie in der biblischen Sphäre, aber auch wie in der talmudischen die höhere Anschauung, dort zum Durchbruch gekommen, hier wenigstens geahnt worden ist; das giebt ihm historischen Sinn, und befördert unsere Zwecke. — Was Sie aber damit wollen, Herr Dr. Holdhcim, daß jene Aussprüche agadische Floskeln seien, begreife ich nicht. Erstens wissen Sie ganz gut, daß Agada und Halacha niemals getrennt waren, daß wir unzählige Halacho: haben, welche aus der Agada bervorgingen, und umgekehrt die Agada meistentheils auf halachischen Anschauungen fußte. Dann aber, was können denn Cüate solchen Inhaltes ihrer Natur nach anders sein, als Agada? Diese darf allerdings nicht dazu benutzt werden, wie Mannheimer und Andere thaten, um vom talmudischen Standpunkte aus die Halacha umzustoßen, ist aber auf historischem Standpunkte für die Constatirung der jüdischen Denkweise höchst beachtenswerth, sie ist eine Art Mystik, in welcher Vieles noch oder wieder flüssig erscheint, was die Halacha verknöchert hat, Vieles gedacht, gefühlt, was die Halacha allerdings proscribirt hat, aber gleichwohl nicht hat ungedacht, ungesühlt machen können. — Ich hatte in Bezug auf jene zwei Sätze gesagt: „ der Talmud hat Recht"; Sie nehmen Anstoß hieran, und meinen, ich hätte das nicht so absolut und allgemein hinstellen sollen. Lassen Sie uns aber doch nicht um Ausdrücke feilschen, die Niemand mißversteht im Munde Eines, der sich so ausgesprochen hat, wie ich vor .und nach jenen vier Worten. Ferner hatte ich S. 26 gesagt: „Das Messiasreich hat inzwischen große Fortschritte gemacht: dürfen wir diesen Fortschritten entsprechend jüdische Gesetze fallen lassen? Ja! sagt das Beispiel der Propheten, ja, sagt das Beispiel der und des Talmuds, nur, glaube ich die Schatten der xYjn und der Talmudisten uns Zurufen zu hören, thuet es freimüthiger, als wir es durften, w i r waren gebunden, euere lichte Zeit sollte die Umwege verschmähen!" Sie antworten hierauf S. 50: „ Was das Beispiel der Propheten betreffe, so zeuge dies weder für noch wider, da ihr Verhältniß zum Eeremonialgesetz wenigstens für uns unergründlich geworden." Ist das richtig, Herr Dr. Holdheim? Von unzähligen vrovhetischen Stetten, die Sie so gm kennen wie ich, will ich nur einige wenige anführen: Wenn Micha, nachdem er über den Unwerrb der Opfer gesprochen, 6., 8 ausruft: „Er hat Dir gesagt, o Mensch, was gut sei, und was verlangt der Herr von Dir, als daß Du Gerechtigkeit übest und die ^Nilde liebst und bescheiden wandelest vor Deinem Gotte!" Wenn Feschaja 28, 10 gegen die Priester und Propheten eifert, und spottend forrfährt: „Satzung über Satzung, Richtschnur auf Richtschnur!,, wenn Iirmija 7, 22 sagt: „ Ich habe eueren Vätern, als ich sie aus Mizraiirn führte, nichts befohlen wegen Opfer"; wenn er 8, 8 hinzufügt: „Wie saget ibr doch, wir sind Weifen, nnd die Lehre des Herrn ist mit uns, wahrlich zur Lüge macht der Lügengriffel die Schreiber!" —: ist uns f.i Oroch, wenn wir nicht talmudische Auswege suchen, das Verhältniß der Propheten zum ^Eeremonialgesetz wirk-! lich unergründlich?! Sie fahren S. 51 fort: „Das Beispiel der jsn'rx | und des Talmuds für die Abschaffung des Eeremonialj gesctzes anzuführen, scheine Ihnen sehr gewagt, da! dieses allenfalls für eine zeitgemäße Umbildung, aber j nicht für eine Abschaffung desselben Zeugniß gebe."! Hiergegen habe ich zu erinnern, erstlich, daß ich nun : einmal überall nicht von Abschaffung des Ceremv-; niatgesc tzes, sondern bloß einzelner nicht nr e b r; passender C e r em o n i alges etz e rede, und für Letzteres allein das Beispiel Jener angeführt habe, dies i aber etwa ohne Grund? Nach 4 Mos. 18, 21 sollten; die Leviten den Zehnten erhalten, Esra spricht ihn den : Priestern zu (vgl. Chnllin 131, I>); 5 Mos. 26, 13 j ist ein Dankgebet vorgeschrieben, der hohe Priester Io-! chanan schafft es ab (Maaßer scheni 5, 15); 2 Mos. 12, 2 ist anbefohlen, das Jahr mit Nissan anzufangen, die große Synagoge verlegt den Jahresanfang auf den ersten Tag des Tischri (vgl. Schalschelet hakkabala! 14, b und Iuchasin); 2 Mos. 2», 24 ist vorgeschrieben i „Auge für Auge", die Talmudisten bestimme^ dafür j einen Geldersatz (Baba kama 83, b). Diese Abschaf- ■ fungen waren auf immer. Die pja n^nn mso wurden ' auf unbestimmte Zeit abgeschafft; sei nun dieses Princiv , nicht umfassend genug, jedenfalls sieben wir noch ganz auf'dem Boden dieses talmudischen Princips, wenn wir

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