Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1845)
- Date
- 1845-06-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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109 sich diesen Lieblingsdegriff, dessen Verwirklichung sicherlich nach Jahrzehnten gemessen werden muß, so artig objectivirt, daß sie nicht mehr erkennen, wer eigentlich die Synode sei, und was sie überhaupt zu bieten im Stande sein wird. Ist die Synode denn etwas anderes als unser eigenes religiöses Bewußtsein, das auf dem Boden des historischen Iudenthums, sich zu neuem Wachsthum einpflanzt; ist sie eine Macht außer uns, die uns gebieten oder verbieten kann, was unsren Ueberzeugungen widerstrebt? Soll sie uns etwa eine neue Offenbarung, einen neuen Pentateuch, einen neuen Gotiesbegriff bringen, daß wir mit dem Ausdruck unsrer andächtigen Gefühle'auf sie warten, aus Furcht, wir könnten zu einem andern Gotte einstweilen beten, als zu dem, den sie uns entdecken wird?. Und doch klangen die Einwendungen mancher Redner io, als wollten sie all ihr Denken und Empfinden einstweilen suspendiren, bis ibnen die Synode ein Regulativ dafür gegeben daben wird. — Denselben Aufruf, mit welchem sie gegen die Torannei des Buchstabens aufgetreten find, halten sie nun ängstlich fest wie einen gcoffenbarten Codex; und dasselbe Wort welches eine That der eigenen freien Selbstbestimmung war, verwandeln sie in ein Machtgcbot wider sich selber. Ob übrigens der Gottesdienst so nothwendig ist, wie man geltend Wachen wollte, weiß ich nicht zu sagen, aber daß die Angst mit welcher ein großer Theil vor ihm entfliehen wollte, eine übertriebene ist, daß er eine That ist, die sogar an Bedeutung weit hinter der That des Aufrufs zu. rücksteht und darum weniger Muth, und weniger Rücksicht erfordert, das kann ich offen behaupten. Klage gegen die Nedaction. / ( Frankfurt a. M. im Juni.) Wir erscheinen beure mit einer schweren Anklage gegen Sie selbst, wählen dazu Ihr eignes Blatt, und lassen so der Verthcidigung möglichst großen Raum*). Es sind uns nämlich in demselben drei Gegenstände abbanden gekommen , eigentlich vertauscht worden, auf die nicht leicht jemand verfallen wird; sic find Lulab, Esrog und Schofar. Wie, hören wir Sie ausrnfcn, ist dieses Blatt eine Synagoge, und wann haben Sie mit solchen Dingen zu thun? Nein. Ibr Blatt ist feine Synagoge und wir haben mit solchen Dingen nchtS zu schaffen, *) Wir brauchen diesen gar nicht, da wir eine Vertbeidigung für überflüssig halten. Nichts desto weniger räumen wir dem Anklage- und Mahnungs-Artikel unseres Herrn Corresyondenten, schon reßhald einen unverkürzten Raum ein, weil er unseren Lesern einen Einblick in die Gefühls- und Denkweise eines Tyeils unserer Glaubensbrüder gewährt, die in andern großen Gemeinden nicht minder, als in Frankfurt a. M. vorhanden sein dürften. Dle Red. allein die Thatsache, die Verwechselung bleckt nichts desto weniger wahr, und, um es gerade heraus zu sagen, Sie haben sie selbst vvrgenommen. Wir hatten in unserem Corresponvenz-Artikel (Nr. 22), wo wir vom Zwiespalte im Zudenthume handelten, geschneben: „was die einen als heilig und für die Ewigkeit bestimmt, ansehen, erscheint den andern nur noch lächerlich und bereits antiquiri; man denke nur an Gebetriemen, Schaufäden und Burnus, an Lulab, Esrog und Schofar" rc. und haben statt der letzten zu unserer Verwunderung: neun Tage, Fasten und Trauergebräuche abgedruckt gefunden, an die wir nicht entfernt gedacht haben, und hinsichtlich welcher unsere Behauptung nicht einmal richtig sein dürfte. (?) Die neun Tage werden von unseren Orthodoxen kaum mehr beobachtet, und nicht besser ergebt es den meisten Fasttagen. Die Trauergebräu i e hingegen werden rheilweise aus Pietär gegen Verstorbene auch von solchen beobachtet, welche die Sabbath-, Speise-, Ceremonial- und ähnliche Vorschriften längst nicht mehr befolgen. Die meisten unserer Glaubensgenossen haben ja, wie schon Albert Fränkel (Lit.-Blatt Nr. 1) bemerkte, ihren eignen Maaßstab, nach dem sie Juden fine. Uno was baden sie mit unfern Lulab, Esrog und Schofar angefangen? Haben S>e sie in einen heiligen Schrein , in einen Raritäten - Kasten oder in die Rumpelkammer gelegt? Unmöglich können wir Dauben, daß Sie in der Braunschweiger „Rabbiner-Versammlung" mit Holvheim „für die Nothwenvigkeil einer Trennung des Religiösen uns Politischen gestimmt" (Prorocoll, S. 27.) und jene Gegenstände nach Zerstörung des Tempels, nach Zerfall vrs für denselben angeordnet gewesenen Gottesdienstes, außerhalb des Landes. noch für wesentlich hatten, und sich in sofern nun der Ansicht Bodenke im ers (S. 63 rast) zugewenver baden. Sollen wir Ibnen ost fen stigen, was wir ravon denken? Wobl. was Ibr Eorresponveur von der unteren Weser in Nr. 22 der bevorstebenden Rabbiner-Versammlung weissagte, findet aus Hie schon Anwendung; „die Naivetät, die Unbefangenheit, der irische. jugendliche Muth ist weg"; Sie find eingeschnchterr durch die Vorwürfe eines Rappoport, dessen jüdisck-ltterardistoruche Verdienste uns nicht?rrgessen lassen dürren. Laß er im übrigen polnischer Jude ist durch und durch; Sw werden irre gemacht von Ihren befreundeten College«. die mitunter ansangen an fich selbst irre zu werden; dies läßt Sie übersehen, was Ibrem Blatte Werth und Haltung gibt; daß es nämlich die Zeit erschauen läßt, wie sie ist, und nicht durch talmudssck-rabbinisch gefärbtes Glas; daß es die Gesinnungen eines so großen, unserer Ueberzeugung nach des achtbarsten Tberls unserer Glaubensgenossen unumwunden ausspricht; daß es die kaffende Wunde, an welcher das Iuventhum zu verblute» droht, ausweist und nicht zu verrecken sucht; daß es nicht mikrologisch