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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-06-22 · Heft 25 (22.6.1845) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 25 (22.6.1845)
Date
1845-06-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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las Auswanderung aus dem alten Gebiet des Glaubens begriffen, so der Hafen nicht gefunden, hieße es auf dem schwankenden Ocean ein Gebäude errichten; die Begeisterung für die Sache, wenn sie nur wahr sei, werde nicht sobald verrauchen; man warte darum rc. — Diesem Redner schloß sich Hr. Simion an, der in der Minorität der Bevollmächtigten gewesen war, und sprach seine Bedenken gegen die Errichtung des Gottesdienstes in ähnlicher Weise aus. Auch ihm scheine cs, der Cultus muffe die Blüthe der ganzen geistigen Bewegung sein, nicht ein bloßes Experiment. Wie, wenn die Synode unfern Gottesdienst verwift. werden wir ihn dann bereitwillig aufgcben, werden nicht Spaltungen emstehen? Der Cnltus ist das Resultat der Reform; mit veui Resultate aber anznfangcn, ohne die geistige Arbeit, aus welcher dasselbe erst wahrhaft hervorgeheu könne» ausgeführt zn haben, erscheine ihm zu bequem und oberflächlich. Daran seien auch alle bieherigen Rcform- Unternehmungen, die mit dem Cultus begonnen, gescheitert. — Hr. Dr. Bchrcnd, Bevollmächtigter, verthcidigte dagegen den Vorschlag eifrig; cs drehe sich die ganze Debatte um die Frage, ob eine Synode zu Stande kontme oder nicht; er seinerseits hatte die Synode für ein Phantom! Er glaube nicht ob sich Jemand in feinem religiösen Verhalten durch die Synode einen Zwang werde auflegen lassen; es läuft alles auf einen würdigen dem Bedürfniß entsprechenden Gottesdienst hinaus, unv dieser könne mit vollem Recht ins Leben trete». Sollre die Synode wirklich zu Stande kommen, so würde sie ja eben auch keine neue Religion zu geben vermögen; sollte sie einzelnes von rem, was wir anticipirien, wirklich verwerfen, nun, fo wollen wir uns rarem fügen. Hatte ja das Geber in der Synagoge nie eine stabile unwandelbare Form; da: sich doch immer aus dem localen und temporären Bedürfnisse dcraus, die Liturgie erweitert und beschränkt; und so könnte auch nach der Synode obnc Gefahr der eingembrie Gottesdienst eine neue Modificativn erleiden. Endlich rcsumirte Hr. Dr. Stern säminttiche Einwürfc der Gegenredner um sie auf's Neue zu wiederlegcn. Er begann rannt sic alle als begründet anzuerkenncn, und doch wiedcrdolt feine Ueberzeugung auszusprcchen, daß von dem Gelingen dieses Schrittes das Wohl, ja die Existenz der Genossenschaft abhängc. Man wäre fern davon den Gottesdienst sofort und auf eigene Hand einzurichten; man wolle die Sache einer Eomnrisston übergeben, die die anerkanntesten Autoritäten darüber zu Nathe ziehen solle. Es handle sich hier nur danrm zu entscheiden, ob man mit der Einrichtung eines Gottesdienstes durchaus auf die Synove warten wolle oder nicht. Er lasse es dahin gestellt sein, ob und wann die Synode zu Stande kommen werde, aber er müsse bekennen, daß er ein fettiges Jndentbum aus den Händen einer Synode, und sollte sie aus den größten Koryphäen der Wissenschaft und des Lebens zusammengesetzt sein ungesehen zurückweisen würde. Aus dem lebendigen gegenwärtigen Bewußtsein heraus muß geschaffen werden; und kraft derselben Berechtigung, mit welchen man den Aufruf erlassen, könne man auch den weitern Schritt thun. Der Gottesdienst wird eine Tbat sein, wie der Aufruf eine war; dagegen müsse er die vorgeschlagenen Surrogate, Zusammenkünfte, Besprechungen rc. als bloßes Theoretisiren zurückweisen, woraus nie etwas Fruchtbares entstehen könne. — Der gemeinsame Gottes, dienst dagegen wird ein wahrhaftes belebendes Bilvungsmittel aller Glieder werden, an ibm hängt die Zukunft der Genossenschaft; „Wer weiß, schloß er, ob wir uns noch einmal hier versammelt sehen werden, wenn diese Frage von Ihnen heute verneinend entschieden wird." — Bevor zur Abstimmung geschritten wurde, mußte noch das Amendement des Dr. Löwenstein auf Vertagung der Entscheidung erledigt werden. Nicht nur alle Gegner des Gottesdienstes, sondern auch viele, die die Debatte fiir noch nicht erschöpft hatten mochten, unterstützten das Amendement; doch wurde es mit einer Majorität von nur wenigen Stimmen verworfen. — Man kam nun endlich auf die Abstimmung der Hauptfrage, und trotzdem, daß die meisten Redner in der Opposition waren, kam ein günstiges Resultat für die bejahende Entscheidung heraus. Der Vorschlag ging mit einer absoluten Majorität von 50 Stimmen bei 168 Vorirenden durch. Die Gegner des Vorschlags betrugen nur 59; die Anhänger 109. — Da der ganze Abend mit der Erledigung dieser Frage verbracht war, so mußte die Discusfion des Entwurfs auf eine anoere Satzung, die in 8 Tagen stattfinden wftd, verschoben werden. Der Eindruck dieser Versammlung muß als ein sehr günstiger bezeichnt!.werden. Ton und Haltung der Debattt war würdig und kräftig; die Discusfion war hart aber nicht stürmisch; sie war voller Bewegung aber ohne Aufruhr; voller Lebendigkeit aber ohne Hitze und Uebcreittmg. Die Gegensätze stießen gewaltig auf einander, ohne fick zu zerschellen, und die Persönlichkeiten, die lebendigen Träger derselben, wurden kaum berührt — Kleine Unordnungen, wie sic überall so häufig verkommen, wollten kaum die und da auftauchen, als sie durch den vortrefflichen Takt und die energische Leitung des Vorsitzenden sofort unterdrückt wurden. Man konnte sich in der That keinen geschickter» Lenker der Versammlung wünschen, als Stern, dem Kraft, Mäßigung und Beredsamkeit im hohen Grade zu Gebote stehen. — Die mitgetheilten Reminiscenzen aus ven Reden der Opposition werden aber den Beweis liefern, daß ihr reformatorisches Bewußtsein bis zu diesem Augenblick noch nicht die rechte Frische und Schöpfunskraft hat. Die Synode und immer die Synode ist ihr drittes Wort. Sie haben

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