Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1845)
- Date
- 1845-06-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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197 denn nur diese liefert uns Resultate einer objektiven Stimme, darum will ich mich aller näheren Bezeichnung für ein solches Prinzip enthalten und mich begnügen auf die Nothwendigkeit dessen Feststellung hingewiesen, ober auch an die Bedenklichkeiten gegen eine solche Feststellung erinnert zu haben. Ich schließe mit dem stärkenden Psalmworte: „Befiehl dem Herrn deine Wege, vertraue auf ihn, er wird's vollbringen." Dein F. Geschichte des Tages. Air zweite Generalversammlung der Genossenschaft sür Reform des Judenthums zu Berlin. fl Berlin. Gestern am 4. Juni fand die zweite General- Versammlung der hiesigen Genossenschaft für Reform des IudenthumS statt. In der Einladung zu derselben sind den Mitgliedern zwei Gegenstände der Bcrathung vorgelegt worden: ein Entwurf zu einem Regulativ für die fernere Fortführung der Angelegenheiten durch die General - Versammlung und die Bevollmächtigten; sodann die Frage über etwaige Einrichtung eines besonderen Gottesdienstes in Berlin.— Der Vorsitzende, Herr Dr. Stern, eröffnete die Versammlung mit einer Rede, worin er die Bedeutsamkeit dieses weitern Fortschrittes in der Entwickelung der Genossenschaft hervorhob, und die lebendige Theilnahme schilderte welche deren Bestrebungen in immer weitern Kreisen fänden. Wir erfuhren darauf, daß die Genossenschaft seit der ersten General-Versammlung einen Zuwachs von 70 Mitgliedern, nur allein in Berlin, und außerdem bie lebhaftesten Aufmunterungen in Adressen und Anschlüssen aus den entgegengesetztesten Theilen des deutsche» Vaterlandes erhalten habe. Sovann ging der Redner auf die Wichtigkeit der Gottesdienstfrage über, die zunächst von der Versammlung entschieden werden sollte. Er räumte die Schwierigkeit eines solchen Unrcrnehmens ein und stellte die sprechendsten Gründe gegen dasselbe. wie sie von einer Minorität in den Berathungen der Bevollmächtigten geltend gemacht worden waren, aber auch die überwiegenden Gründe für die Bejahung der Frage, der Erwägung der Versammlung anheim; er zeigte, wie nothwendig das Band eines auf gemeinsamen Ueberzeugungen ruhenden Gottesdienstes für die Erhaltung der Genossenschaft sei; wie sie nur dadurch eine compacte Form gewinne und der Gefahr entgehe, während der langen Vorbereitungen zur Synode, an einer thatloien Gleichgültigkeit sich zu zertrümmern; es käme darauf an der Synode vorzuarbeiten. und ihr gewisse positive Grundlagen zu geben, auf denen sich ihre Thätigkeit um so fester und sicherer erheben könne. Die Frage wurde nun, folgendermaßen formulirt, der Discussion und Entscheidung anheimgegeben: „Beschließt die Versammlung, noch vor Berufung einer Synode einen dem gegenwärtigenBedürfniß entsprechenden Gottesdienst sür Berlin ins Leben zu rufen? Die Redner sprachen mm in der Reihenfolge in welcher ihre Meldungen beim Secretair eiugegangen waren. Herr Dr. Kornfeld trat gegen die Bejahung der Frage auf; er machte geltend, daß auf diesem Wege nichts Ganzes und Fertiges zu Stande kommen könne; der Gottesdienst verlange eine durchgreifende Reform in sich, er hänge mit der wichtigen Frage der Verlegung des Sabbaths und der Festtage zusammen, und man werde, ohne die Synode, sicherlich nicht Muth genug haben dies alles zu erledigen. — Dagegen trat der Bevollmächtigte Herr Dr. Wal deck auf: es handle sich hier nicht um ras wie? sondern um das einfache ob? die Tharsache sei einmal da, daß Alle, die den Aufruf unterzeichnet haben, entweder gar nicht mehr beten, oder doch nur einsam für sich das Bedürfnis der Andacht erfüllen können; solle man erst auf die Synove warten, um einem so lebendigen gegenwärtigen Bedürfnisse abzuhelfen? es sei gefährlich, alles auf eine Synode hinauszuschieben die noch in wei. ter Ferne liege. Neberdies sei man auch zu Abänderungen im Gottesdienst berechtigt, wie dieselben ja anderswo schon vorgenommen und hier sogar vor einem ehrwürdigen Mirglico des Rabbinats privatim zugestanden worden seien. Hr. Dr. Mankiewiy erkennt das Bedürfnis aber nicht die Berechtigung zur Errichmng eines Gottesdienstes hier an. Man überschreite so die Gränzen die man sich im Aufruf gesteckt habe, man thue einen Schritt, der nur von rer Synove ausgehen könne. Die Teneen; des Resorur-Bereins ist eine allgemeine, ganz Deutschland umfassende; soll man zur Errichtung eines localen Gottesdienstes berechtigt sein, so müsse sich erst ein Sveclalvcrem für Berlin gebildet haben. Statt eines Gottesdienstes schlage er Besprechungen und Diskussionen religiöser Fragen vor, die als Vorarbeit für die Synove dienen sollen. — Hr. Dr. Löwenstern ist gleichfalls gegen die Errichtung des vorläufigen Gottesdienstes: er dringt auf die schnelle Einberufung ocr Synove. und stellt den Antrag die Entscheidung der Frage zu vertagen. - Hr. Dr. Wiener nimmt das Wort; es scheine ihm verkehrt, wenn man mü einem Gottesdienst anfangen wolle; der Kultus ist vre Verkörperung des Glaubens; wir aber suchen noch nach einem Inhalt für ven Glauben. So lange die Glaubenssätze von der Sonove nicht festgesetzt seien, so lange wissen wir auch nickt wie und was mir beten sollen. Wir find in ver