Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1845)
- Date
- 1845-06-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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187 Neuerung vorgegangen, kein höheres Bewrrßlsein sich durchgebildet hat. Es ergehen sich die Vertreter dieser Richtung nur hie und da in freisinnigen Worten, werfen mit großartigen Reform-Phrasen um sich, aber eS sind eben nur Worte und Phrasen, sie wenden gleich wieder um, zeigen ihr wahres Wesen, ihr wirklich ganz vertalmudetes Innere, sobald man Ernst macht, sobald ihr eignes angeregtes besseres Gefühl auf Folge und Ausführung dringt. Das hat keiner mehr bewiesen, als Herr Ober-Rabbiner Frankel selbst. *) Er, der in seinem Gutachten über das Hamburger Tempel-Gebetbuch dem Volksbewußtsein das Recht einräumt, über Mischnah und Talmud hinauszugehen, spottet doch über zwei Predigten deS Land-Rabbinen Herzfeld auf das Boshafteste, weil sie von dem Rechte der Gegenwart, die Schranken des Talmudismus zu durchbrechen, und die Hoffnung eines politischen Messias aufzugcbcn, freimüthig sprechen, und verketzerte eben so die erste Rabbiner-Versammlung, obgleich sie auch nichts weiter that, als daß sie für daS höhere Bewußtsein der deutschen Judenheit und ihrer Lehrer das Recht der Gesinnungs-Aussprache und der Gestaltung des Lebens darnach mit weiser Berücksichtigung desjenigen was Vielen noch religiöses Bcdürfniß ist, forderte. Und da sollte durch den Hinzutritt dieser Eeterie für die zweite Rabbiner-Versammlung eine heilsame Vermittelung erwartet werden können, für sie, die zumeist und zunächst ja mit den von jener Coterie verketzerten Anträgen sich zu beschäftigen haben wird V Noch Eines zum Schluffe, vr. Geiger folgert aus dem Umstande, daß die Mitglieder der Rabbiner-Versammlung freiwillig und aus eignem Anttiebe . zusammentreten, daß sie selbst die zu berathenden Gegenstände auszuwählen, und demnach nicht Anfragen zu beantworten, nicht Wünsche und Verlangen, welche ihnen auS demSchooße der Gemeinden vorgelegt werden, zum Gegenstände ihrer Berathungen zu nehmen hätten. Dieses ist im Allgemeinen gewiß richtig, wird aber in den Fällen, wo die Anfragen und Wünsche von *) Wir erinnern uns dabei eines Aufsatzes über Reform im Judenthum, in der Frankelschen Zeitschrift, in welchem der Herausgeber einen sehr großen, erwartungsvollen Ton anstimmt, aber mit etwas gewaltig Winzigem, ich glaube es war das Barbiren an ö"n"n, oder so etwas Aehnliches, endet. hoher Wichtigkeit sind, wohl eine Ausnahme erleiden müssen. — Wir wollen hier nur an das erinnern, worauf wir bereits in unserem mebrgedachten Aufsätze aufmerksanz^emacht, an die neuesten Reform- Bc wegungE Sollen die Rabbiner-Versammlungen auf die Anfragen, welche von den Betheiligten wahrscheinlich deßhalb an sie werden gerichtet werden, gar nicht eingehen, vielleicht deßhalb nicht eingehen, um sich keinerlei Verlegenheiten auszusetzen- Nein, das kann sie nicht. Es können die religiösen Führer der deutschen Judenheit unmöglich eine Bewegung ignorrren, die in einer neu erwachten religiösen Gesinnung und in dem mit ihr verbundenen Bedürfniß einer Erneuerung des Iudenthums, einer Vereinbarung seiner Gestalt mit dem innersten Sein, mit dem ganzen Denken und Fühlen der Zeitgenossen, ihren Grund hat; eine Bewegung, deren bisher ausgesprochene Prinzipien den Ansichten der erleuchteten deutschen Rabbinen keineswegs widersprechen, ja die, wenn sie die gewünschte Verbreitung gewinnen sollte, am ersten dazu führen würde, daß zwischen der deutschen Judenheit und ihren Vertretern eine erklärte und sichtbare Vereinigung entstehen, und die Heuchele: und Gesinnungslosigkeit von beiden Seiten verschwinden werde. Wir sagen, eine Versammlung deutscher Rabbinen wird unmöglich eine solche Bewegung ignoriren wollen, und am wenigsten wird dieses k)r. Geiger wol len, der mit dem hohen Gedanken einer lebendigen, aus dem fortgeschrittenen Bewußtsein der Glaubensgemeinde selbst hervorgehenden Fortbildung der jüdischen Lehre, welche er in der neueren Zeit zur Anerkenntniß brachte, das Recht jener Bewegungen und die Bedeutung welche sie haben, selbst anerkannt hat. Geschichte des Tages. Wer steht über den Parteien im Iudenthum? / (Frankfurt a. M. im Mai.» Während niemand läugnet, daß die Judenheit in Parteien zerfällt, wähnen doch so viele unserer Glaubensgenossen über den Parteien zu stehen. Das einfältigste Schaaf der altgläubigen Heerde, das an die Göttlichkeit der Sendung des Zebi Hirsche! glaubt, und willig sein