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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-06-08 · Heft 23 (8.6.1845) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 23 (8.6.1845)
Date
1845-06-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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179 vouijtfeüt der Höhergebildereu wurzeln, und die Basis einer entschiedenen und umfassenden Reform abgeben; anderntheilS aber, wo es sich um die jetzige Verwirklichung jener Grundsätze und ihre praktische Ausführung handelte, die Gefühlsweife der Mehrheit refpectirte und weife sich an daS durch die Geschichte Geheiligte und in Beziehung zu jener Gcfühloweise Stehende akkomodirte. So sprach die erste Rabbiner - Versammlung es unverhohlen aus, daß der Talmud keine bindende Autorität sei, daß das Recht der lebendigen Fortbildung fortwährend in der Synagoge wurzele, daß die h e b r ä i f ch e Sprache unbedingt not Hw endig sei, daß den Gebete um Wiederherstellung des ehemaligen jüdischen Reiches nicht von Wahrheit und Ueberzeng u n g e i n g e g e b e n, daß ein inniges E i n l e b e n in den Staat und wahrhafte menschliche Würde eine wesentliche Forderung des IudenthumS sei, und darum die überkommenen Satzungen mit dieser Forderung in Einklang gebracht, resp. ihr untergeordnet werden müssen. Wo es jedoch nur praktische Fragen betraf, wo es sich darum handelte, welche Anwendung von jenen Grundsätzen jetzt schon gemacht werden sollte, wie die ralmndischen Ehegesetze reformirt, der Gottesdienst nmgebilver, und Sabbath- und Speisegesetze eonformer mit dem Leben gemacht werden konnten, da stellte zwar die erste Rabbiner - Versammlung ihre ausgesprochenen Prinzipien als leitende hin, sähe aber ebenso die Rücksicht auf das Geschichtliche und noch im Gemüthe des Volkes Wurzelnde dabei als maßgebend an. Auf solche Weise hat die erste Rabbiner - Versammlung ihre reformatorische Mission trefflich bewährt, hat sie ein Fundament für die Zukunft gelegt, und zugleich dem Bedürfniß der Gegenwart entsprochen, hat sie ihre Zeit begriffen und im Sinne aller derer gesprochen und gehandelt, in welchen der heilige Gedanke einer Fortbildung und Heilung unserer Zustände lebendig geworden. Denselben Weg wird daher auch die zweite (mw jede folgende) Rabbiner-Versammlung einschlagen müssen, wenn sie wahrhaft wirken, wenn sie in der Gesinnung aller Höhcrstrebenden ihre Wurzel und ihren Boden finden will; sie wird eS cinestheils zu ihrer Aufgabe machen müssen, die ausgesprochenen Grundsätze der ersten Versammlung immer tiefer zu begründen, nach immer mehr Seiten hin zu entwickeln, anderntheilS aber bei der Einführung dieser Grundsätze in daS Leben, bei ihren praktischen Reformen sich eben so, wie dieses die erste Versammlung gethan, von der weisen Rücksicht auf daS Bestehende und das, waS noch Vielen ein Heiligendes und Beseligendes ist, leiten lassen. *) Doch auf Eines und ein sehr Wichtiges muß noch hingewiesen werden: In die Zeit zwischen der ersten und zweiten Rabbiner-Versammlung fällt ein Ereigniß, auf welches die letztere sie gewissenhafteste Aufmerksamkeit wird wenden müssen, wir meinen die Reformbewegungen, welche nach demBeisviel von Frankfurt e.M., nun auch inBerlin, Breslau und andern Gemeinden des deutschen Vaterlandes hervorgetreten sind. — Die Betheiligten werden sich an die Rabbiner-Versammlung wenden, und wenn nicht ihre Zustimmung zu dem von ihnen Begonnenen, doch ihr Gutachten über mehrere hierauf bezügliche Fragen verlangen. Welche Stellung soll nun die Rabbiner - Versammlung jenem Ereigniß gegenüber einnebmen? Es leuchtet ein, daß sie sich noch nicht an die Spitze jener Bewegungen stellen kann, denn ihre Mitglieder dürfen sich doch nur als Organe ihrer Gemeinden betrachten, waS sie aber nicht fein würden, wenn sie förmlich einem Verein beitreten, dem der größere Theil jener sich nicht angeschloffen. Aber ee ist auch eben so gewiß, daß die Rabbiner-Versammlung nicht die Grundsätze jener Vereine, wenigstens soweit sie in dem veröffentlichten Sendschreiben ausgesprochen, perhorresciren kann, da sie sonst die Grundsätze der ersten Rabbiner-Versammlung selbst, sowie überhaupt aller dem Fortschritt zugethanen Religionslebrer, verhorresciren würde 1 Was soll sie also thun? Wir antworten: DaS was das innerste Wesen unserer *) So wäre es z. B. sehr gefehlt, wenn die Rabbiner-Versammlung die Verlegung des Sabbaths auf den Sonnrag, vre gänzliche Entfernung aller albernen Synagogengebete und der hebräischen Sprache bei denselben, oder aller bisherigen Formen bei Schließung der Ehe aussprechen wollte; aber sie wird die sittliche Bedeutung des Sabbaths, die sittliche Bedeutung des Gottesdienstes hervorzuheben, auf die Anerkennung der staatsgesetzlichen Bestimmungen über das Eherecht von Seiten der Religion aufmerksam zu machen haben, und daran die Erklärung über vie nicht mehr bestehende Verbindlichkeit der betreffenden talmudischen Satzungen knüpfen muffen.

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