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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-06-01 · Heft 22 (1.6.1845) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 22 (1.6.1845)
Date
1845-06-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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173 ballen. Man weiß dann, daß Jeder vor seiner Thüre zu kehren hat —. Das also sind die Auspicicn, unter denen Frankfurt eine Anzahl Rabbiner und Prediger in seiner Mitte zur Fortsetzung der Berathungen versammelt sehen wird. Sehen wir zu, wie das Schifflein dieser Berathungen hindurch steuern wird mitten durch die Brandung; Klippen genug, rechts und links, vor- und rückwärts. Da liegt vor mir ein nagelneues Schriftchen „eine deutsch-jüdische Kirche" betitelt, vorgeblich von einem Candidaten der jüdischen Theologie (Leipzig. Verlag von Otto Wigand). Man braucht nichts als den Titel zu lesen, um zu wissen, wessen Geistes Kind es ist. Der Verfasser klagt die Rabbinen fürchterlich an und noch fürchterlicher das ganze Judenthum, dem er den Talmud mit Sack und Pack zum Gcleitsmanne und zum Zwingherrn giebt, die deutsch-katholische Kirche ist ihm daher natürlich „Resonanzboden religiöser Verwandschaftlichkeit" und was er, der jüdische Theolog will — nun das sagen Sie sich gefälligst selbst, mich ekelt solche Nachbeterei an. Wenn wir nicht mehr auf eigenen Füßen stehen, aus unfern eignen Quellen der Geschichte und der Schrift schöpfen, wenn wir dem „hohläugigen" neckischen Gespenste der Ephemere unserOhr leihen, dann ist es aus mit dem schönen Traume von einer Regeneration des Judenthums. — Und somit für heute genug und nur noch eines, meinen herzlichsten Dank für die zeitige Verbreitung der berüchtigten Protestation der 77 im Israeliten. Es war dieß das beste Mittel und Gegengift. Als öffentliche Blätter von 77 protestirenden Rabbinen meldeten, da imponirte die Zahl. Nun kam das Opus selbst, unterzeichnet von Männlein aus Ungarn re., mehr bedurfte cs nicht; eine solche Sprache aus solchem Munde verdient keine Widerlegung. Geschichte des Tages. Die Reform - Bewegung in Derlin. Berlin. Mit dem ersten öffentlichen nnv mündlichen Akt der hiesigen Reformfreunde, der Generalversammlung vom 9. Mai, hat die Thatsache dieser jungen religiösen Vereinigung ihre letzte Befestigung, gewissermaßen einen glänzenden Abschluß bekommen. Was nun folgt ist innere Geschichte und Wachsthum der frisch aufgeschossenen Geistesblüthe; der reale Boden, in dem die Wurzeln haften, ist nun einmal gewonnen. Der Verein hat sich constituirt, und ist zur Wahl von fünfzehn Bevollmächtigten geschritten, „denen die weitere Leitung und Fortführung ver Angelegenheit auf der im Aufruf gegebenen Basis übertragen werden soll." Der Hergang dieser Versammlung, in welcher sich die Mitglieder des Vereins, als solche zum erstenmal von Angesicht zu Angesicht gegenüberstanden, war sehr einfach aber feierlich und von gewinnendem und überzeugendem Eindruck. Alle Diseussion war mit Recht für diesmal ausgeschlossen, um bas Interesse nicht zu zerstückeln, das ungetheilr der gegenwärtigen Thalsache, ihrer Bedeutung und Würde zugewendet bleiben sollte. Herr Karl Hcimann eröffnete die Versammlung mit einer herzlichen Begrüßung der zahlreichen Anwesenden; (es waren deren zwischen 400—500 gegenwärtig, und auf den Gallerien des Saales hatten sich außerdem auch Damen eingefunden), er ließ die Scrutatoren durchs Loos ziehen, die commissarisch das Wahlgeschäft übernehmen sollten, und machte zum Schluß seiner Rede, in eindringlicher Weise auf die Bedeutung des Tages aufmerksam. Ihm folgte Herr Ludwig Lesser, der um die wahrhafte Berechtigung des gegenwärtigen Schrittes nachzuweisen, in die Entwickelungsgeschichte des Iuventhums bis auf Mendelssohn zurückging, und darin eine Reihe von Forischrittömomenten aufdeckte; für die Nothwendigkeit einer durchgreifenden Reform, ließ er in geschickt gewählten Citaten, Stimmen wie Zunz, Frankel, Chorin, aber auch Holdheim und die Zeitschrift für jüdische Theologie sprechen. Daran knüpfte er die Entstehungsgeschichte und die gegenwärtigen Zustände des neuen Vereins, der täglich im Wachsen begriffen ist. Zur Vervollständigung meiner letzten Mittheilnng über diesen statistischen Punkt füge ich aus jenem authentischen Bericht hinzu, daß im Augenblicke der Versammlung die Zahl der hiesigen Mitglieder 249, die der auswärtigen förmlich beigelretenen 68, also in Summa 317 betrug; daß aber noch an demselben Abend unmittelbar nach der Versammlung, ein Zuwachs von mehr als 20 Mitglieder erfolgte. Zuletzt sprach Herr I)r. Stern über die Zukunft des Vereins, und da er im Wesentlichen die hierüber geäußerten Gedanken in seiner neu erschienenen Schrift: „Die gegenwärtige Bewegung im Zudenthum, ihre Berechtigung und ihre Bedeutung" (Berlin. Klemann.) niederlegte, so möchte ich einige Worte über die letztere anknüpfen. — Stern ist selbstbewußt genug, sich das Verdienst der lebendigen Anregung, den Ruhm der muthigcn Gesinnung zu vindicircn; aber er erkennt auch das Walten des modernen Geschichtslebens in der Gksiimmtbeit er weiß daß der Geist der Bewegung sich aus den Persönlichkeiten geflüchtet, und in den Massen niedergesetzt hat, und daß die Individualität vom Gesammtbewußtsein mitfortgerragen wird, statt

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