Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1845)
- Date
- 1845-05-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2566751-2566964-2566985--1459-2569238- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1«7 Die Nesormbcrvkgung in Dresiau. Breslau im Mai. Die in der Breslauer Zemmg mitgcrheiltc Erklärung eines allerdings sehr achtbaren Kreises hiesiger Männer, die durch und durch eine so gediegene Gesinnung athmet, hat hier nicht den Anklang gefunden, den man mit Recht erwartet, und wird selbst von einer Seite bekämpft, von der man es am wenigsten vermuthct. Es hat sich hiebei auf's betrübendsie herausgestellt, wie tief der Indifferentismus auch hier sich eingefrcffen und wie er auch schon fanatisch werden kann, wenn man ihn aus seiner Gemächlichkeit anfschrecken will. Es find aber auch Persönlichkeiten mancherlei Art im Spiel, und der Berliner Aufruf der doch im Allgemeinen dasselbe sagt, was die Erklärung speciell herausgehoben, hat allgemein einen guten Eindruck gemacht, wenn gleich auch er schwerlich die Indifferenten erwärmen und zur That anregen wird. Um aber die Sache, die auch bereits ein vielfach besprochener Gegenstand der öffentlichen Blätter geworden, nicht ganz fahren zu lassen, veranstaltet man eine allgemeine Versammlung aller Derer, die warmen Antheil an der Wiederbelebung des Iudenthums nehmen, in welcher Versammlung das Ganze und die einzelnen Punkte gemeinschaftlich, berathen werden sollen. Das betreffende Circular, das sehr gemessen und vermittelnd gehalten ist, hat gegenwärtig 41 Unterschriften, und die Versammlung durfte bald zusammentreten. In Betreff der Ueberreichung einer Denkschrift an die nächste Rabbiner-Versammlung aber ist von mancher ehrenwerthen Seile her die Beforgniß aufgetancht, die auch bereits in Nro. 85 der -Breslauer Zeitung ausgesprochen worden, daß man sich dadurch die Rabbiner-Bersainmlung als eine neue Autorität auf den Hals ziehen würde, zu dessen Vermeidung es daher angemessen wäre, die Reform des Iudenthums von einer eigenen Synode ausgehen zu lassen, die doch eben so berechtigt wie die Rabbiner-Versammlungen ist. Die Beforgniß ist allerdings nicht unbegründet; denn wenn auch die erste stattgefundene Rabbiner-Versammlung zu keinem Mißtrauen gegen sie berechtigt, so läßt es sich doch nicht bezweifeln, daß sobald die Gemeinden ven Rabbiner-Versammlungen irgend eine Autorität einräumen, diese von allen den hierarchischen Frankels, Mannheimers, Sachs und Rappoport würden überfluthet werden, die die wenigen freifinnigern Elemente derselben bald übertäriben würden. Hingegen erfahren wir aus zuverlässiger Quelle, daß die Berliner Reformfreunde auch den Entschluß gefaßt haben, der Rabbiner-Versammlung Fragen und Punkte vorzulegen, ohne ihr jedoch die Competenz der definitiven Entscheidung einzuräumen, die der Synode, die von verschiedenen Kreisen in den verschiedenen Gemeinden beschickt werden und auch aus Theologen bestehen soll, übertragen werden müsse. Letzter Zeit ist auch übrigens hier der Wunsch vielfach ausgesprochen worden, mit ven Berlinern Hanv in Hand zu gehen, was durch den, wie man erwartet, baldigen Besuch des Herrn Dr. S. Stern am Berlin gewiß bewirkt werden wird. Entgegnung mehrerrr Gemrindeglieder in .Stettin. Der Ref. des Artikels in Nro. l4 des Israeliten, hat sehr wohl gerhan, sich des Aushängeschilds zu bedienen, „daß er lediglich im Interesse der Sache handle, weder aus Mißgunst gegen Dr. Meisel, noch ans Gefälligkeit für andere spreche;" wir wären wirklich sonst in Versuchung geralhen, gerade in seinen Aeußerun gen einen verkappten Amtsaspiranien sehen. — Der Herr Rei. ist jedoch seiner Versicherung nach, gleich uns, Laie, und diesem gegenüber wagen wir unsre Ansicht auszusprechen. — Nicht ohne vorangegangenc Concurrenz ist Or. Messel zum Prediger und Rabbiner in Prag gewählt. Seüi erster Voriraa geschah auf ausdrückliches Verlangen res Prager Vorstandes. Mein l hören, sich für ihn emfchwden erklären, und jede weitere Eoucurrenz ausheben, war — wie leicht vorauszusehen— der einstimm.ze Beschluß des einsichtsvollen Prager Vorstandes. - Mag dieß an,a imrnerhin am Orte des Hrn. Res. rrickr geringe Bewunderung e.- regen, uns kann es nicht befremden. Wir glauben vielmehr, da) gerade der Umstand, daß Dr. Meisel ohne Eoncurrenz gewählt ist. für seinen bereits begründeten Ruf spreche, sowie daß ihn Prags intelligenteste Männer erkoren, für seine Befähigung, dem ihm übertragenen Amte würdig vorzustehcn. -- Schon der Ruf hierher—der gleichfalls ohne öffentliche Concurrenz erfolgte — spricht für Dr. Messel. Seine Persönlichkeit, sein würdevoller Anstand, seine wissenschaftliche Bildung und sein Rednercalent waren seine einzige Enrpfehlung. — Auch Stettin hat intelligente Männer, und der Hr. Ref. würde nicht deren Urtheilssähigkeit außer Acht gelassen haben, wenn er nicht sich allein die competente Entscheidung darüber angcmaßt hätte. Dem Hrn. Res. gegenüber unser Bedauern über Dr. Meisels Abgang von hier aussprechen, hieße unsre heiligen Gefühle prosaniren. Zur Würdigung des Dr. Meisel, zum Beweise der allseitigen Achtung die er genießt, diene jedoch der öffentliche Aufruf in der Stettiner Zeitung von Seiten christlicher Mitbürger an die jüdische Gemeine, lenen roch möglichst wieder für ven hiesigen Ort zu gewinnen. — Hat Dr. Meisel auch immerhin seine Gelehrsamkeit nicht ausposauni — und daraus scheint der Hauptangriff des Hrn. Ref. begründet — fo glauben wir darin feine Befähigung wie insbesondere seine rege Thätigkeit für das ihm übertragene Amt zu erblicken,