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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-05-25 · Heft 21 (25.5.1845) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 21 (25.5.1845)
Date
1845-05-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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16§ und wir haben Beweise, daß er wahrend der kurzen Zeit seiner Anwesenheit hier, Wesentliches geleistet. Wenn der Hr. Ref. Selbstständigkeit nur in der Opposition zu finden, und diese nur durch bittere Urtheile an den Tag zu legen vermeint, so möge vieß allerdings ein Panegyrikus seiner eigenen Fähigkeiten sein. Wir aber wissen, was von dergleichen Poltrons zu halten, und werden jedenfalls den bescheidenen Mann vorziehen, der mit Umsicht und Würde, ohne Opposition zu erregen, ohne Geräusch zu machen, den Weg des Heils cinzuschlagen, und das Gute zu fördern weiß. Wie weit es in andern Städten gekommen, ob man sich dort mit idyllischen Dorfpfarren, mit Ackerslcuten, mit Nesseln und Unkraut begnügt, wollen wir nicht in Erwägung ziehen. — Wir wissen für unser Heil zu sorgen, und indem wir das mißfällige Urtheil des'Hrn. Ref. als unbegründet zurückweisen, reuten wir das wirkliche Unkraut aus, — ohne die Hand zn verwunden. — Herren Fasset; Tiktin. Breslau, im April. Die Rabbinatsangelegenheit ist noch immer nicht zum gewünschten Abschlüsse gekommen. Es handelt sich um rabbinische Eriquettcn, an denen das Wahlergebniß sich wieder zerschlagen kann. Das Obervorsteher-Collegium hat ein gleiches Berbältniß der beiden Herren Rabbiner festgestellt; es ist aber doch in einem rabbinischen Collegium nicht gut ausführbar, daß nicht der Eine wenigstens dem Range nach voranstehen solle. Herr Fasse! verlangt jedoch eine bis ins kleinste Detail gehende Gleichstellung, und darum drehen sich jetzt die Verhandlungen. — Herr G. Tiktin ist endlich der Einladung der Krotoschiner Gemeinde gefolgt, und seine dort abgehaltene Dcraschah hat vielseitigen Beifall gefunden und auch den Vorstand für ihn gewonnen. Sic werden sich vielleicht noch erinnern, daß als der Herr Rappoport sich um diese Stelle beworben, er seine Orthodoxie durch eine Los- Tagung von der ferneren Mitarbeiterschaft an Geigers Zeitschrift an den Tag legen wollte. Herr Tiktin hat den Vorzug, daß er nie an Geigers Zeitschrift mitgearbeitet hat. — Einen gleichen Ruhm hat sich auch der kleine Rabbiner zu Stolp errungen, indem er in der Zeitung des Zudenthums erklärte, daß er an den „Israeliten" nie etwas eingeschickt. Der allgemeine Redakteur der Zeitung des Zudenthums bat gewiß schon die Statuten eines zu begründenden Vereins für die Unterdrückung des „Israeliten" ent- 1>r. Munk. Paris. In Folge einer Ordonnanz des Cultus-Ministeriuins hat das Conststorium den bekannten Orientalisten Munk zum Ober- Rabbiner des französischen Staates ernannt. Herr Munk, zu Glogau in Schlesien geboren, hat vor ungefähr zehn Jahren sein Vaterland verlassen und sich nach Paris gewandt. In kurzer Zeit hatte er sich der französischen Mundart in dem Grade bemächtigt, daß er im Stande war, gelehrte Druckschriften in dieser Sprache erscheinen zn lassen. In höhere, sociale und gelehrte Cirkel der Residenz eingeführt, und von ihnen protegirt, gelang es ihm, als Bibliothekar für das orientalische Fach mit einem bedeutenden Gehalt angestellt zu werden. Thätig, rüstig und geistreich, läßt sich von diesem Manne in seiner neuen Thätigkeit viel Gutes erwarten. Miseellen. Sehr empfehlen — so lauge überhaupt noch das hebräische Gebet gewünscht re«;,, gefordert wird.— können wir den (äußerst wohlfeilen) Auszug aus dem hebräischen Gebetbuch mit einem Wortregister. Der Verfasser, Dr. M. A. Levy in Breslau , als Schulmann und Orientalist vortheilhaft bekannt, bemerkt darüber in dem Vorwort: „Wer in einer Classe von einigen und vierzig Schülern den Unterricht im Hebräischen zu leiten hat, wird die Erfahrung gemacht haben, wie zeitraubend das jedesmalige Aufsuchen der ausgewählten Gebete aus den verschiedenen Ausgaben der hebräischen Gebetbücher ist, und schon deßhalb war ein gleiches Buch für alle Schüler wünschenswerth." Immer gut! Die badischen Rabbinen wollen demnächst eine Versammlung zur Besprechung der in ihren Gemeinden sich nöthig machenden Verbesserungen veranstalten. Die Würtemberger Kammer hat mit völliger Stimm-Einhelligkeit den Antrag auf Bewilligung einer weiteren Summe von 1830 fl. zu den Kosten der israelit. Oberkirchenbehörve angenommen. Höchst erfreulich sind die edelstnnigen Aeußerungen, welche dabei über die Emanzipation der Juden überhaupt von verschiedenen Abgeordneten gemacht wurden. Eisenberg sagt in der Vorrede zu seiner Schrift „Staat und Religion": „Die von Außen kommende und mit Sicherheit zu erwartende Emanzipation wird so lange fruchtlos bleiben, als nicht die innere Selbftemanzipation den Boden urbar macht, auf dem jene gedeihen mag. Darum eben find die äußeren Gegner derselben minder gefährlich, als die inneren. Jene wollen die lebendig rege natürliche Entwickelung der Menschheitsidee durch äußere künstliche Schranken hemmen, die aber so sicher fallen müssen, als die junge Eiche den Felsen sprengt, der ihr Wachsthum hindert. Diese dagegen wollen in fanatischer Verblendung den Kreislauf der Säfte im Keime ersticken und den lebendigen Organismus in einen ascetischen Schlaf einlullen." Verlag der I. C. Hermann'scheu Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenback).

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