Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1845)
- Date
- 1845-05-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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16.) Positives anzutehnen, «nb es fühlt sich minder angezogen, wenn demselben selbst auch nur in der Form und im Ausdruck nicht die gehörige Geltung widerfährt. Nicht minder ist gerade eine aus dem Volke bervorgcbcnde und seine intelligentesten und gesinnungsvollsten Glieder zählende Versammlung, eine Synode *), am ersten geeignet, bei dem Werk der Reform sowohl das Allen Gemeinsame festzustellen, als die individuelle Glaubensfreiheit zu wahren. Wenn daher die rechte Fassung einer Sache und das Auffinden des besten Weges zu ihrer Verwirklichung das Recht auf Priotität giebt, so wollen wir diese ganz den Berlinern einräumen, und sind überzeugt, daß die Frankfurter selbst hiezu bereitwillig sind. Ohnehin muß in einer so ernsten und heiligen Sache jeder Rangstreit aufhören, und der besondere Name und die persönliche Rücksicht schwinden, alles Heil nur in dem milchigsten Streben Aller gesucht werden. Bon diesem Grundsatz haben wir uns gleich bei der Aufnahme der Berichte über die Berliner Reformbewegung leiten lassen und ihm werden wir auch fortan getreu bleiben. Möchten nur recht bald alle die dem Fortschritt durch die That huldigen, die durch ihr Leben sich längst von der Starrheit talmudischer Satzungen losgefagt und deutschem Wesen und deutschem Geiste Eingang unter sich verschafft, sich jener Bewegung anschlieften. Möchren sie den 'hohen Werth einer Gesinnung, eines förmlichen uut> feierlichen Bekenntnisses einer offenen und männlichen Aussprache hier, wo cs unser tiefstes Inneres, wo es unser religiöses Sein betrifft, vor Allem erkennen. In der Tbat, als die Frankfurter Reform-Bewegung Anklang in den Herzen, aber nicht die gehoffte laute Theilnahme und den gewünschten förmlichen Beitritt fand, sagte mau von vielen Seiten, es sei daran schuld, daß diese Reform sich zu negativ, zu nüchtern, * I Diese ist auch allein zur Ausführung dessen, was von der Reformbewegung bezweckt wirtZ geeignet; nicht aber die Rabbiner- Versammlung, welche mehr eine allgemeine Stellung cinnehmen' die von allen gemäßigten Anhängern des Fortschrittes gewünschte Reform ausführen soll. Wohl aber wird es diese, wenn nicht starrorthodorc Elemente künftig die Oberhand in ihr gewinnen, als ihre Pflicht ansehcn, ihre Zustimmung zu den ausgesprochenen Grundsätzen der Reformer auszusprechen und dann wird auch ein heilsames Wechselverhältniß zwischen der Rabbiner - Versammlung und der Synode auch für die Folge bestehen. zu allgemein gehalten. Nun die Berliner trifft dieser Vorwurf auch dem Scheine nach nicht; ihre Sprache athmet den feurigsten Glauben, das lebendigste Geiübl. Wenn ihr nun doch zurückstebt, wenn ihr Anstand neb met, für die Wahrheit lautes und öffentliches Zeugnis: zu geben : was könntet ihr dann zu eurer Rechtfertigung Vorbringen? Werden daun unsere Feinde nicht schadenfroh rufen: Sebet! Israel ist nicht zu retten! Ein unseliger Krämergeist beherrscht es, der Druck von innen, noch mehr als der von außen, haben jedes Gefühl für Ehre, jeden Sinn für Wahrheit, allereine, religiöse Emvnn düng in ihm erstickt. Es ist ein greller Widerspruch da, zwischen seinem Leben, zwischen seinem ganzen Fühlen und Denken, und zwischen seiner Lehre in ihrer r'eyigen Gestalt; aber es bat nicht das Dedürfnr'ß den Widerspruch zu lösen, keinen Willen und keine Kraft, feiner Lehre eine erneuerte! Gestalt zu geben. Ich sage, so werden unsre Feinde sprechen und das muß allerdings ein Antrieb mehr für euch sein, dem neu erwachten Leben in unserer Glaubensgemeinde mir Ernst und Entschiedenheit euch zuzuwenden.— Wir aber wollen, der jetzige Erfolg der neuen Bewegung mag sein, wie er wolle, auf unserem Platze ausharren, und fortan der heiligen Sache der Re form mit unserer schwachen Krair, aber im Vertrauen zu dem mächtigen Beistand des Höchsten dienen; der es ja verheißen, daß er der Wabrheir den Sieg verschaffen w-olle über den Irrthum, dem Lichte über die Finsterniß, dem reinen Worte seiner Lebre, über das, was der Aberwitz und der Unverstand der Menschen hinzugefügt. Geschichte des Tages. Pie Priese der 7 7. (Frankfurt a. M. im Mai.) Außer dem von Ihnen bereue veröffentlichten Flugblatte gegen die Rabbincr-Bersammlung ist nun auch bereits ein erstes Heft von einzelnen an Lehren geriäne ten Antworten in hebräischer Sprache erschienen; Dmmnkövfe und Heuchler haben sich vereinigt, um die allerfadesten Gemcinpläpe anzubringen; ein jedes Schreiben fast kaut das andere wieder, ein jedes dringt auf die Verbindlichkeit nicht blos des ganzen Talmud.