Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1845)
- Date
- 1845-05-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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159 Positivem, das, genau besehen, doch nur eine Negation ist, fange man an, nicht mit einer Synode, die nie zu Stande kommt, oder wenn zu Stande kommend, zehn Zahre mit den Vorarbeiten sich beschäftigt, sondern man lege denen, auf die man rechnen will' etwas Fertiges vor, das den ganzen Umfang dessen, was schwinden und was bleiben muß, genau abstecke und die Unterschriften werden dann nicht fehlen, während jetzt jeder abwartet und nicht blindlings folgen will. *) Frankfurt a. M. Hier ist kürzlich folgende Aufforderung er- ..... schienen **) und mit dem nöthigen Begleitungsschreiben versandt worden: An das verehrte Publikum. Aufforderung zur Alldung einer Kasse für die zullünftigen Uabbiner-Versammlungen. Die Versammlung deutscher Nabbinen, welche voriges Jahr tu Braunschweig gehalten wurde, hat allgemeine Aufmerksamkeit erregt und sich lebhafter Theilnahme in der Mitte unserer Glaubensgenossen erfreut. Man fühlt überall, daß die so schwierige als unabweisbare Aufgabe: unser religiöses l'rbcn und dessen Institutionen zu läutern, zu begründen und zu erheben, am besten durch einen Verein fachkundiger, besonnener und muthkger Männer gelöst werden kann, deren Stellung sie zugleich in den Stand setzt, Dein, was den Anforderungen der Wissenschaft und der Zeit, dem Bedürfnisse der Gemeinden, wie dem Geiste unserer Religion entspricht, auch praktische Geltung zu verschaffen. Andere Rabbiner-Versammlungen werden dieser ersten (die *) Wir glauben aber, daß jeder der so denkt, gleich dem verehelichen Cvrrespondenlen, im großen Unrecht ist. Erst muß ja eine Gesinnung ausgesprochen, eine ideelle Gemeinschaft begründet, dem, was bis jetzt blos factrsch war, eine religiöse Grundlage gegeben werden, che an die Stelle des alten und abgelebten ein neuer Coder der Lehre und des Lebens treten kann, der dann auch, wenn mit der Einigung unter etwas allgemein Wahres die individuelle Freiheit gehörig gewahrt wird, nicht so schwer halten dürfte. Möchten nur alle diejenigen, welche ernstlich den Fortschritt wollen, sich auch frei und entschieden der neuen Bewegung anschließen, und dadurch nicht nur unfern Correspondenten, der sich selbst „eine Sandra mit finstern Visionen" nennt, sondern alle Diejenigen beschämen, welche unseren Glaubensgenossen neuerdings einen Mangel an tüchtiger Gesinnung, an heiligem Ernst für die Wahrheit, ja einen niedrigen Krämergeist und ein ängstliches Abwägen kleinlicher Rücksichten zum Vorwurf gemacht. **) Wir lassen dieselbe schon um deßwillen abdrucken, damit diejenigen, in deren Hände sie nicht gelangen sollte, Gelegenheit haben, dem Vereine beizutreten. Die Rer. nächste dahier in Frankfurt) folgen und dem so höchst wünjchenswerthen Ziele um so näber kommen, je zahlreicher sie besucht, k weiser und zeitgemäßer ihre Beschlüsse gefaßt. je kräftiger endlich ibre Bestrebungen von den Gemeinden unterstützt werden. Letzteres beweist sich aber am besten unv würdigsten durch die Thar. Ohnehin erscheinl cs als eine Ehrenpflicht, Männern, welche Ovfer aller Art für ihre Glaubensgenossen nicht scheuen, nicht auch den p c c u n i ä r e n T h c i l derselben a u f z n b ii r - den. Wie viel auch in den Orten, wo diese Versammlungen Statt finden, mit anzucrkennender Bereitwilligkeit in dieser Hinsicht geschieht, so können doch manche ausgezeichnete Männer, welche zum Theil mittellosen Gemeinden angehöreu, nur dadurch in den Stand gesetzt werden, sich, von fernen Gegenden her, viesen Zu. sammenkünfren anzuschließen, wenn sich eine Kasse für die zukünftigen Rabbiner-Versammlungen aus freiwilligen Beiträgen bildet, wozu durch ganz Deutschland alle Freunde der Religion unv des Forischrittcs unter den Israeliten, Einzelne und Gemeinden, willig unv zahlreich beitragen. Hierdurch wird zugleich Einschüchterungen begegnet und der Beweis gegeben .^daß das Gute und wahrhaft Zeitgemäße in unsrer Mitte geeigneten Boden finden und Wurzel fassen wirv. Um diese Angelegenheit ohne Aufschub zu fördern, find die Unterzeichneten, der Aufforderung vieler wackern Männer entsprechend, als provisorisches Comite zufammengetreten, damit vorläufig ein Vcreinigungspunkt vorhanden sei, welcher der guten Sache den ersten Impuls geben, Unterzeichnungen annehmen, die Listen dazu fertigen unk mit ähnlichen Vereinen, welche sich hoffentlich in anoeron Städten und Gegenden bilden und den unsrigen anschließen werden, in Verbindung treten könne. Bei dem regen Eifer für das Eure, welchen unsere Gemeinden und Glaubensgenossen so oft schon bethätigt baden, zweifeln wir nicht, daß eS an zahlreichen Unterzeichnungen nicht fehlen werde. Das Minimum der Beiträge ist auf einen Gulden jährlich unv die Verbindlichkeit zunächst auf zwei Jahre festgesetzt. Ueber das Resultat soll, so bald als möglich, öffentlich Benchl abgestattet werden. Mögen sich recht Biele kräftig an dieser Angelegenheit betheiligen, so oer guten Sache Vorschub leisten und Zeugniß geben von der Gestm nung, welche in unserer Milte vorherrscht. Frankfurt, den 24. Avril 1845. Das provisorische Comite: L>r. Jacob Auerbach. Leopold Beer. M. B. Goldschmidt. M. Grünebaum. D- Höchberg. L)r. I. M. Jost. Dr. I. Weil