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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-05-18 · Heft 20 (18.5.1845) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 20 (18.5.1845)
Date
1845-05-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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150 zeuge, so kann es unmöglich sein Wille sein, daß diejenigen, denen die Offenbarung nicht auf eine wunderbare Weise direct zu Theil geworden ist, sondern die sie nur durch das Medium der Schrift und angeblich mündliche Ueberlieferung erhalten, bei dem Srudium derselben auf den Gebrauch ihrer Vernunft verzichten nnd nicht forschend und prüfend zu Werke geben sollen. Die entschieden rationalistischen Prinzipien, zu denen sich unser Philosoph im Jerusalem bekennt, machen es daher, mehr als wahrscheinlich, daß Friedtänder richtig urtheilte, wenn er behauptete,^) daß Mendelssohn nur um seinen christlich - theologischen Gegner zu bekämpfen, sich auf dessen supernaturalistischen Standpunkt stellte und die Consequenzen desselben verfolgte. Das hat sich nun durch den, in der neuen Ausgabe der Mendelssohnschen Schriften enthaltenen Brief an Herz Homberg bestätigt. **) Hier enthüllt sich uns die wahre Ansicht desselben vom Ceremonialgesetze. Der Grund, den er hier für dessen Beibehaltung aufstellt: Die Abwehr des Polytheismus, Anthropomorphismus u. s. w. möchte in unserer Zeit mehr für Abschaffung derselben sprechen, in keinem Falle aber im Stande sein, den Einzelnen zu dessen Beobachtungen zu verpflichten. Geschichte des Tages. Die neuesten Neformbewegungen. Eisenach, 3. Mai. Den 28 in Berlin, welche zuerst den Ausruf an die deutschen Glaubensbrüder unterzeichnet, find bereits an 200 Familienväter beigetreten. Ungleichen find aus vielen Gemeinden rer Provinz beifällige Zuschriften eingegangen. Hr. Stern soll eine Audienz bei dem Cultus - Minister über diese Angelegenheit gehabt haben, die sehr freudige Hoffnungen in ihm erregte. Hingegen soll die Bewegung in Breslau nicht den gchoffren Anklang finden. Doch soll die Adresse an die Rabbiner-Versammlung noch vor sich -gehe«. Eben so meinen die Königsberger, daß in der neuesten Zeit sowohl in Bezug auf die Lehre, als auf den Eultus Beweise genug von der Pcrfectibilität des Judenthums gegeben worden seien, ohne daß man mit der alten Synagoge zu brechen (?) und neue Sekten (?) hcrbeizuführen hätte. *i S. Briefe von Teller. Spalding?c. G, 46. *•) S. Nr. 4 des Israeliten. Die recht, Urform. (Hamburg, im Mai.) Weiß Gott, daß immer eine verdrießliche Stimmung mich anwanrelt, wenn ich Ihnen schreibe. Aber ich kann mich nun einmal mit dem, was gesprochen und geschrieben wird, nicht zufrieden geben, und selbst Ihr Blatt genügt mir nicht, da es den Fortschritt nicht so entscheidend vertritt, als ich es möchte. So billige ich ein für allemal nicht, wenn man irgend Zeit auf Erörterung talmudischcr Fragen verwendet, während man doch dem Prinzipe nach von dem ganzen Talmud Nichts wissen will. Das ist überhaupt das Grundübel, an dem man laborirt, den Talmud verwerfen und aus ihm die Reform rechtfettigen, aus ihm gleichsam die Erlaubniß, ihn zu verwerfen, fich holen wollen. Ich komme, wie Cato immer auf meinen Satz zurück: Was nutzt das viele Schreiben, wenn nicht gehandelt wird? Sehet hin auf die christkatholische Gemeinde, da sollte sich Israel schämen und ein Beispiel nehmen! Da ist in einem Tage mehr geschehen, als bei uns in Jahren. Widerlegen Sie mich nicht durch das neueste Beispiel, durch die Reform-Bewegung in Berlin und Breslau. Da ist allerdings viel Gährung, viel Leben; aber bis jetzt mehr noch auf dem Papiere. Zur rechten, entschiedenen, wahrhaft religiösen That ist es auch dort nicht gekommen. Könnte ich mich eines Besseren überzeugen, wahrlich ich würde trotz meines grauen Hauptes nrich nicht nur anschließen, sondern an die Spitze der Bewegung stellen. Aber sehen Sie die Berliner, wie sie die Frankfurter ignoriren, um die Priorität nicht für sich aufzugeben; subtrahiren Sie den Antheil, welchen die Ronge'sche Sache und Sterns Vorlesungen für den Augenblick daran haben; wie viel bleibt übrig, wie viel hat die Religiosität die Sache des Jndenthums daran zu fordern. Die Deutsch-Katholischen waren auch in Gefahr, an der Verschiedenheit ver Bekennlnißäußerung zu scheitern und kamen ihr durch das Leipziger Concit noch zeitig genug zuvor. Suchen daher die Berliner und Breslauer nicht mit den Frankfurtern und diese mit jenen sich zu vereinigen , wenn auch vorläufig nur für das Unvollkommene, so wird es nicht zu einem heilsamen Resultate kommen. So ging es gerade seiner Zeit mit dem Tempel. Anstatt daß alle Gleichgesinnte sich ihm hätten anschtießen sollen, wie unvollkommen er auch sein mochte, wollte jeder allein etwas Besonderes schaffen, und diese Besonderheiten, die ihren kleinlichen Schöpfern mehr als min galten, schadeten mehr, als die heftigste Opposition der Alten. Suchen Sie daher, wenn ich rathcn darf, fjir diese Vereinigung zu wirken, und stellen Sie sich überhaupt auf den Standpunkt einer Reformation, die Alle suchen, die aber bis jetzt noch nicht gefunden, weil der rechte Weg noch gar nicht betreten ist. Nicht blos mit negirenren Pnnzipien, oder wie die Berliner mit einigen

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