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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-05-11 · Heft 19 (11.5.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 19 (11.5.1845)
Date
1845-05-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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151 rechnen, daß sie, den Egoismus unserer Zeit bei Seite setzend, der Gerechtigkeit und Humanität ein derartiges Tribut brachte, daß sie dieselben ein stimmig auf den Thron zu setzen gesonnen ist. Diese Einstimmigkeit in der Sache des Rechts söhnt uns mit dieser ihrer etwas verspäteten Anerkennung der menschlichen Würde und Gerechtsamen einigermaßen aus. Warum sollten, gleich Einzelnen , nicht auch Corporationcn, ja Nationen, sich auf den hohen geistigen Standpunkt der Erkenntniß in allmählicher Fortentwickelung erheben, von welchem aus nicht der Religionöbekenner, sondern der Mensch erblickt wird, dem daher nicht, ohne Versündigung au der menschlichen Natur überhaupt, dasjenige vorenthalten werden kann, was sein physisches und geistiges Wesen mit lauter Stimme des Herzens und der Vernunft fordert? Die legislative Macht Englands ließ daher diesmal den christlichen Staat, Eigenheiten der Juden und Anderes ganz außer Frage' und verwilligte dem britischen Juden, was dem Menschen uns Engländer gebührt. Auf diesem Standpunkte geistiger Größe stehen leider unsere Brüser der britischen Insel noch nicht. Dies beweist die Argumentation, welche sie in ihren, aus verschiedenen Religionsbekennern bestehenden, Meetings für ihre Emanzipation führten. Der Curiosität halber will ich Ihnen einige Gründe anführen , die Barnett, einer unserer geachtetsten Glaubensgenossen Britaniens, vielen in einer solchen Versammlung anwesenden Christen vorhielt, um sie zur Nnterschreibung einer an das Parlament zu richtenden Emanzipations-Petition geistig zu zwingen. Er sagt unter Anderem: „Ihr Christen werft uns vor, wir hangen mit ganzer Seele am Gold, das Gold wäre unser Gott;" rarauf antworte ich: das kann nicht sein, die Bibel ist schon dagegen. In dieser wird erzählt, daß die Kinder Israels in der Lüste ihr Gold hergaben, um daraus in einem Kalbe einen Gott zu machen. Wenn es nun, fährt er fort, wahr wäre, daß das Gold der Gott der Juden wäre, so hätten sie ja nicht aus dem Goloe erst einen Gott zu machen brauchen. „Ferner behauptet ihr", spricht der Redner weiter, „Gott habe uns wegen unserer Sünden von sich gestoßen, und als Spielball der Völker über die Erde verbreitet, und wolle somit auch nicht, daß die Völker gegen seinen Willen handeln, und die Juden glücklich machen sollten." Dagegen spricht auch die Bibel, varlamentirt Barnett, „denn diese berichtet uns, daß Joseph, obgleich er doch auch durch Gottes Willen ins Eril nach Egypten wandern mußte, nichts deftoweniger daselbst die Stelle eines Vicekönigs begleitet hat. Aehnliche, wenn auch minder hohe Macht haben Hananja, Mischael und Esariah in ihrer babylonischen Gefangenschaft ausgeübt", so geht der Redner die ganze jüdische Geschichte durch. Solche und ähnliche, aus andern finstern Gebieten entnommene Argumente werden in England von Juden für die Erringung ihrer Menschenrechte angeführt, unv verfehlen oft bei dem großen obsenranten Haufen der christlichen Bevölkerung ihre Wirkung nicht, so lächerlich sie auch in den Augen der gebildeten, das Land beherrschenden Mächte erscheinen, und, ungeachtet sie in Flugschriften und jüdischen Zeitungen gedruckt sind, unberücksichtigt bleiben müssen. Bei diesen ist es vielmehr, neben der öffentlichen Meinung, die einem freien Lande allerdings eine bedeutende Macht bildet, die theoretische Einsicht in den Werth und die Berechtigung des Menschen als solche so wie auch die praktische Ueberzeugung von der Brauchbarkeit des Juden als thätizen Mitglieds im Staate. Es kann nicht geläugnet wereen daß das Parlamentsmitglied D'Zsraeli durch innen letzten Roman, in welchem er die großen Tugenden des vor trefflichen Montengfiore und mit diesem die der ganzen iüdischen Nation in's große Publikum einführie, nicht wenig zur günstigen Lösung der Zudenfrage beigetragen haben mochte. Von welchen Folgen riese Erhebung der britischen Juden \u einer erweiterten geistigen und moralischen Thätigkeik nn Staate auf ihren intellectuellen Aufschwung sein wird, muß uns die Zukunft lehren. Wenn sie diesem Bereiche dieselbe Schwungkraft zawenven, cie sie bereits in der commerzicllen Welt bewährt haben, so haben wir Grund zu hoffen, daß die englische Nation, inccm sie den Bekennen, des einzigen Gottes die politischen Fesseln abgenominen, und sich selbst zugleich die Krone der Gerechtigkeit und des wclilichen und geistigen Vortheils erworben haben, auch r-.e letzte Schranke der menschlichen Verkennung baldigst schwinden lassen werde. Von welcher Thalkraft die hiesigen Juden un commerziellcn Leben find, zeigen die großen Reichtbümer, welche sie besitzen. Dies ist indessen ras Wenigste. Mebr ist — und ries erhebt sie auch in den Augen rhrer christlichen Mitbruder - daß sie ein weites Herz für die Hebung physischer und moralischer Uebel aller Religivnsbekenner, besonders aber derer ibres Glaubens, in einem hoben Grave zeigen. So wurde binnen weniger Tage für die Nothleirenren der des vor Kurzem von den Kabylen bomvardirien Magavors am 3000 L. Sterling zusammengebracht, wozu allerdings auch christliche Mitbürger, in wechielfttttger Anerkennung jüdischer Mildthätigkeit für christliche Zwecke, nicht wenig beigesteuert baden. ----- Es läßt sich für den religiösen Aufschwung der britischen Juden zu einer zeitgemäßen Fortbildung und Modinzirung rer Glaubensdogmen zu ihrem übrigen intellectuellen Bewußtsein um so mehr erwarten, als sie noch auf dem Gebiete der religiösen Besonderheit stehen. und von dem vagen kosmopolitischen allgemeinen Glauben rer Menschheit, dem so viele deutsche Juden zu Füßen liegen, noch keine Ahnung baden. Eie entwickeln daher eine anzuerkennende Energie, ihre religiöse Besonderheit zu erhal-

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