Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1845)
- Date
- 1845-05-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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14S So chrcmvertb nun diese Gesinnungsäußerung ist, so können wir doch die darin angedcutcie Besorgniß nicht Weilen, vielmehr glauben wir, daß gerade durch die unverholcne Aufdeckung der Irrtbüiner einer früheren Zeic Seitens unserer jetzigen Religionslehrer auch den Gegnern unserer Emanzipation der Beweis gcgegen werde, daß das Bewußtsein der heutigen Juden über jene Vorstellungen längst binausgegangcn, ja sie — wenn auch nur als fromme Irrthümer — zu beklagen gelernt bat. — Treffend sagt hierüber Eisenberg (in seiner Schrift „Staat und Religion"): „Wer den Israeliten aus solchen Aussprüchen einen Vorwurf machen will, der schlage die Tafeln einer tausendjährigen Geschichte aus, die Titel des kanonischen Rechts de Judaeis, de Haereiicis, de Schis— inaticis elc. und er mag kleinmüthig seinen Vorwurf; u r ü ck n e h m e n." — 5. Geschichte -es Tages. Die Schrift von Pinosf. Der Judenkampf. Von i>r. Pinoff, p ra kt. Arzt. Leipzig. 1845. / (Frankfurt a. M., im April.) „Eine neue Zeit ist erschienen, und mit ihr eine neue Sonne, unv mit dieser neuen Sonne soll Alles erleuchtet werden, das Dunkel aufgehellt, die Kraft gestählt und gereift zu immer erneuter Kraft; es soll Leben werden, wo früher Tod war. Rüge, Feuerbach, Bauer und ihre Planeten leuchten hell und senden ihre Strahlen nach allen Fernen ver Welt; sie werden ihren Lauf vollenden, wie sie ihn begonnen", iS. 23). Der Verfasser ist selbst ein solcher Planet, der sich um seine Sonne Bauer bewhgt, neben Albert Fränkcl, dessen Schrift über denselben Gegenstand wir im Literatur-Blatt vom 19. Januar d. I., Nr. 1, ausführlich besprochen haben, wohin wir nun verweisen und uns hier etwas kürzer süssen können. Beide unterscheiden wie Bruno Bauer den Christen sowohl als den Juden von dem Menschen an sich, und meinen, daß, wenn dieser einst zur Geltung komme, was unausbleiblich sei, es mit senen nicht mehr viel auf sich haben werde. Darin aber sind beide wesentlich verschieden, daß A, Frankel die jüdischen Zustände genau kennt und richtig würdigt. während unftr Verfasser das Judentb'.lm und die Judenheit wenig oder gar nicht zu kennen scheint. Er läßt die Juden in zwei Parteien zerfallen, „in die orthodoxe und die rationalistische Partei. Die erste repräsentirt das wahre Judenthum, sie huldigt dem Mosaismus, der Lehre des Talmud, den Dogmen. Sie sind die Strenggläubigen, d. h., sie haben die Finsterniß , Beschränktheit nnv die Knechtschaft des Geistes für sich. Der Messias, den sie sehnsüchtig erwarten, soll sie aus der Knechtschaft zu ihrer alten Freiheit zurückführen. Das Land, wo Milch und Honig fließt, ist die frohe Aussicht auf ihre bessere Zukunft. Sie verfechten diesen ihren Glauben mit fanatischem Ei-' fer und dulden keine Meinung nebenher. Also Unduldsamkeit neben Geistcvknechtschast, mit einem Worte: die mittelalierliche Schlacke. Die Nationalisten sind im Grunde nichts Anderes, als modernisirtc Orthodoxen. Bon ihrem Glauben haben sie nichts geändert, vom Talmud sind sie nicht abgewichen. Aber sie leben in und mit der Zeit, ziepen Glaces auf die Hände, setzen einen Castor - Hut auf den Kopf und halten sich für moderne Juden. Sie begehen vieles Religiös-Gesetzwidrige, geheim und öffentlich, da sie den Widerspruch zwischen dem Religivns-Gesetzlichen und den Bedürfnissen des Lebens erkennen. Daher Unselbstständigkeit, Prinziplosigkeit das Eharafteristische dieser Partei. Sie sind die unglücklichen Jüstcmiliancr, die Widerspruchömenschen, ohne sittliche Basis", (S. 16. 17). Nach dem Verfasser gäbe es zwar auch „Radikale unter den Zuden, welche bereits vor dem Menschen den Zuden vergessen, auf dein Wege der Speculation sich zum Extremen hinaufgeschwmrgen, auf deni Niveau der extremen Theorie mit den Anthropologen der Neuzeit stehen, und nur noch den Namen des Juden wie jene den Namen des Christen führen, jedoch nur den kleinsten Theil unter den Juden ausmachen, in demselben Verhältnisse wie unter den Christen", weßhalb er „diese isolirt radikalen Juden den beiten Parteien gegenüber stehen,,, aber nicht selbst eine Partei bilden laßt (S. 18, 19). Das ist eben der Fehler, man möchte sagen, der Unverstand dieser Schule, daß sie sich in der Politik wie in der Religion mir in Extremen bewegt, daß sie eine Zukunft begründen, und zugleich nicht nur die Vergangenheit, sondern selbst die Gegenwart ignoriren will, und daß sie gewöhnlich vor Bäumen den Wald nicht sieht. Radikale im Sinne des Verfassers mag es immerhin unter den Juden nicht viele geben; dazu haben diese im allgemeinen einen zu richtigen Takt. Allein die Partei, welche im Judenthume der orthodoxen eigentlich gegenüber stebt, ist t»tcx welche auch im Chriftenthume der orthodoxen Partei gegenüber steht; uin in lctzterm nicht mitHengstenberg, Tholuk und Krummmacher übcrcinzusiimmen, braucht man sich nicht gerade zu den Ansichten Fauerbachs, B a u e r s jc. zu bekennen. Die Juden