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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-05-04 · Heft 18 (4.5.1845) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 18 (4.5.1845)
Date
1845-05-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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14$ Sie wollen nun einmal keine Vermittelung, haben bereits auch Fasse! bei der Behörde denuncirt und intriguiren bei diesem selbst, ihn zur Ablehnung zu bewegen. Bei der gegenwärtigen Ergänzungswahl des Vorstandes sind diejenigen sechs Mitglieder, welche vor zwei Jahren lediglich von dem wirklich beitragenden Theile gewählt worden find, ausgeschieden, und Stimmzettel auch all solche stimmfähige Mitglieder vertheilt worden, welche seit Zähren ihren Beitrag verweigern. Dennoch sollen sie sich jetzt zusammenrbun, um gegen die Wahl zu proteftiren. Die guten Leute verlieren allen Halt. Jene sehr beengende Stellung, welche die Gemeinde bei einer Aussicht auf wirkliches Streben nach Versöhnung einnebmen müßte, schwindet daher immer mehr, und das feste, kräftige Verfahren wird wieder ohne Zagen die Oberhand gewinnen. Reform - Kervcgung. (Breslau im April.) Die hiesige Zeitung bringt folgende Erklärung des Herrn Dr. Geiger in Beziehung auf die Veröffentlichung der hiesigen jüdischen Reformfreunde: Ich halte es für meine Pflicht, meine Ansicht über die wichtige That eines „achtbaren Kreises" hiesiger Gemeindeglieder, von welcher die heutige Zeitung uns Nachricht zielst, recht bald auszusprechen , um von vornherein jeder Anfrage zu begegnen. Wenn mich die darin kund gegebenen Uebcrzcugungen nicht überraschten, da auch das blödeste Auge bei einem Blick auf das Leben, cs ohne Werteres erkennen mußte, daß dieselben wirklich in einem großen Theil der Gemeindeglieder wurzeln, so fand ich deren Aussprache ehrenhaft und nothwendig, da die Zweideutigkeit, welche der Tag für Tag in Wort und That offenbarer werdende Zwiespalt zwischen Leben und Ueberzeugung auf der einen und dem Bekenntnisse, dessen Namen sie tragen, auf der andern Seite auf diesen Tneil der Zudenheit häuft, zu einer Erklärung drängt. Erfteulich war mir jedoch, daß diese harte Noihwendigkeit, welche die Männer dieser Gesinnung nicht von sich weisen konnten, mit dem ernstesten Wohlwollen für die Gesammtheit der Glaubensgenossen sich paart; auf entschiedene Weise wird es abgewiescn, daß man für sich bürgerliche Vortheile erringen, die Andern aber, welche engere Glaubcnsschranken sich ziehen, politischem Drucke preisgeben wolle, und nicht nur wird eine jede Gehässigkeit gegen Andersdenkende , eine jede Verspottung anderer heiligen Gebräuche vermieden, sondern auch der ernste Wille ausgesprochen, noch ferner in Verbindung mit der Gesammtheit den Weg des geschichtlichen Fortschritts zu gehen, nur daß allerdings für diesen Fortschritt eine größere Entschiedenheit verlangt wirb. Ueber die Bercchngung dieses Verlangens, so wie über die Richtigkeit der aufzcstellrcu Sätze weitläufig mich auszusprcchen, ist hier der Ort mehr. Im Allgemeinen, kann bei der gegenwärtigen Lage des Zuoenrhums das Recht zur offenen Aussprache dessen, was es als Bedürfnis in sich fühlt, Niemanden abgebrochen werden; wir stehen an einem ernsthaften Wendepunkte und das eine Extrem der Starrheit fordert das andere der raschesten Bewegung heraus, wie venu sicherlich solche Demonstrationen, wie sie sich nun verschiedentlich kund geben, unterblieben wären, wenn dem besonnenen Fortschritte nicht bei den kleinlichsten Punkten die unsäglichsten Hindernisse in den Weg getreten wären. Jedenfalls treten die hiesigen Aufforderungen in einer Forin auf, welche die ruhige Erwägung und Belehrung von Seiten der Vertreter der Gesammtheit sichert; die versprochene Denkschrift an die Nabbiner-Bersammlung, von der doch auch erst eine wahrhafte Begründung der bis jetzt skizzenhaft hervortretenven Ansichten zu erwarten ist, wird mir in Verbindung mit würdigen Amtsbrüvern, die beste Gelegenheit geben, zu prüfen, was allgemeines Bedürfniß ist, und unsere ernste Aufmerksamkeit auf die Mittel zur Befriedigung und Belehrung lenken. Bis dahin werbe ich die Strömung der Wogen nach beiden Seiten aufmerksam beobachten, und auf dem bisher von mir befolgten Wege des all mähligen Fortschritts fortfahren. Audi kchc Zu st.inv t. V o n der mährischen Gränze. Ich habe Ihnen in meiner früheren Correspondenz versprochen, Spezielles über mehrere Gemeinden Mährens mitzutheilen, nnv ich will hiermit meinem Versprechen nachkvlnmen. Ich muß aber eine naturhistorischc und philologische Bemerkung vorausschicken, von der wohl die gelehrtesten Naturforscher und Philologen noch keine Ahnung haben. Eo werden nämlich die mährischen Juden in zwei Rayen einigcrheilr, in Familianten und in (Emigranten. Die Philologen könnten nun leicht glauben, daß diese letztern etwa aus Nordamerika , Frankreich, Hollarid und Belgien ausgewandert sinv. in welchen Staaten sie zwar emanzipirt, aber doch nicht bevorrcchtel sind, während sie in Mähren so sehr ausgezeichnet werden. Aber dem ist nicht so! Es werden nicht nur keine jüdische Einwanderungen in Mähren gestartet, sondern es dürfen auch selbst die mährischen Juden nicht einmal aus einer Gemeinde in die andere, ja nicht aus einer Gasse in die andere ziehen, und die Juden werden nur ,'o genannt, weil sie aus dem — Mutter-

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