Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1845)
- Date
- 1845-05-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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111 und die Stelle von WUm an bis nnoJI, c) im Mußaf der Neumonde vt/vri) die Worte Okll'NI bis und die Stelle von BHn rDIO bis cro^PD, d) im Mußaf des Sabbath Neumond (msp nnx) die Stelle von PL8 'Pi' bis e) im Mußaf der Festtage die Stelle von ]V£~\ 'PI' bis crü8P!2, f) im Mußaf des Neujahrs die Stelle von ,rT> bis 'PI^PUPN, ferner in der Stelle J>pn KW die Worte ntfjH ötcn bis "pOD, g) in den Sündenbekenntnissen des Versöhnungstages die Aufzählung der Opferstrafen für die Sünden (D'Nün hyi), es wird dahex nach rem Enre der r<^Pi 8y fortgefahren: Plt^y mSD b]}, im Mußaf desselben Tages noch die Stelle von pin 'PI' bis DnrbPD»— Für die kommeuden Festtage werden folgende deutsche Gebete und Gesänge eingeführt: l. Am Abende der Festtage ein einleitender deutscher Gesang. 2. Bei dem Ausheben der Thorah nach 'n 'n ein deutsches Gebet, durch den Rabbiner vorgetragen. 3. Im Mußaf des ersten Pesachtages vor ut6k 'pi «in Pinxff (alle früheren Piutzusätze bleiben, wie natürlich, weg) ein deutsches Gebet, durch den Rabbiner vorgetragcn." — Es wäre gewiß falsch, wenn man behaupten wollte, die Gemeinden sollten jetzt mit ihren gottesdienstlichen Reformen auf die Berathungen der nächsten Rabbiner-Versammlung warten; diese Versammlung mag — wir wollen es wenigstens hoffen — umfassendere organische Einrichtungen treffen, als zweckmäßig hinstellen, aber es muß sich auch zuvörderst durch vorbereitende Maaßregeln die Willfährigkeit rer Gemeinden zur Aufnahme solcher Anordnungen kund thun, und namentlich bei Punkten, die schon so durchgesprochen sind und das Volksbewußtsein durchdrungen haben. wie dies z. B. von der Auffassung der blutigen Opfer als eines nur für einen niedern Standpunkt tauglichen Sühnemittels der Fall ist, da ist das längere Warten etwas sehr Ueberflüssiges und die Erbauung Gefährdendes. Es wäre daher sehr wünschenswerth, wenn alle erleuchteten Gemeinden Jsrael's recht bald zu der Vornahme dieser Verbesserung schritten. Jedenfalls hat die hiesige Gemeinde hiermit wieder einen neuen Beweis ihres kräftigen religiösen Lebens abgelegt, und die Theilnahme wächst von Tage zu Tage. Die Actien-Zeichnungcn zur neuen großen Synagoge — die aber natürlich auch nicht die ganze Gemeinde fassen und das Fortbestehen der gegenwärtigen jedoch mit Abolirung der übrigen Betstuben, wahrer Höblen, nothwendig machen wird — belaufen sich bereits auf 50,000 Thaler; ist nur erst einmal ein Platz aequirirt, was hier keine geringe Schwierigkeit ist, so wird das Werk rasch vorwärts schreiten, und wird es an ansehnlichen Geschenken nicht fehlen. Breslau's Einfluß auf ganz Schlesien und Posen, d. h. auf eine Anzahl von 100,000 Juden, ist bereutend, und daher ist eine rede hier getroffene Einrichtung von wessgressender Wichtigkeit. Noch ein Curiosum muß ich Ihnen mittheilen. Die Gemeinde zu Krotoschin, eingedenk idrcr alten Celebrilät, wünscht schon seil einigen Jahren eine Autorität für ihren vacanten Rabbinerstuhl zu acquiriren; natürlich sott jene Autorität eine talmuvische fein, aber doch auch einen etwas zeitgemäßen Anstrich haben. So batte man im Jahr 183*, nachdem die deutsche jüdische Presse Ravvovort aus dem Dunkel gezogen und ihn über Gebühr gelobt hatte, von dort aus an diesen sich gewendet, und er halte damals mit jenem berüchtigten Briese geantwortet, der, nach ächt polnischer Weise, den schnödesten Undank gegen seine Patrone aussprach; die Sache zerschlug fich. Darauf blieb es lange still. Im vorigen Jahre hatte jedoch ein Rabbiner aus Zraustadt, ein sonst unbekannter Mann, der jedoch etwas Deutsch versteht, durch eine daselbst gehaltene Deraschah und Rede die Gemeinde für fich gewonnen; aber auch daraus ward wieder Nichts. Als am Enve des vorigen Jahrs Fasset aus Proßnitz sich durch seinen Aufenthalt am Kiesigen Orte bekannt machte, da wendete man fich an ihn. er mochte dort einen Vortrag halten, wo ihm seine Wahl ziemlich gesichert sein würde; allein Fasset vertröstete auf den Frühling, und da der Vorstand darin einen Aufschub sah, um zuerst den Ausgang der zweiten Rabbinerwahl in Breslau abzuwarten, so ward er empsindlich und wandte sich an eine andere, sehr neugebackene Autoritär, an — Geralie Tiktin. Sie glauben es nicht? warum renn? Abvera ist noch keineswegs zerstört. Aus der Bitte, dorthin zu einem Probevortrage zu kommen, machten nun natürlich alsbald die jubelnden hiesigen Anhänger des Tiktin eine Berufung. Tiktin ging hochschwellenden Herzens hin, und ein Begleiter ihm zur Seite, der einen Schwager in K. hat; eine Schlittenfahrt, verbunden mit einem Batte in Zduny nahe bei K. ward hierher vo- ,'aunt als eine feierliche Einholung, und die beschneiten Pferde wurden zu weiß gekleideten Mädchen. Die Deraschah, mit orthovoren Witzen ausgefpickt, fand keine ganz geneigte Ohren; die Sache blieb schwebend wie bei allen Natürlich wurde wieder hier daraus eine jubelnde Ausnahme gemacht, der T. noch mit sprödem jungfräulichem Sinne Folge zu leisten Bedenken trage. Da muß unglücklicher Welse der Corporaiions-Borsteher aus Arotoschin, dieser Tage hier anwesend, das ganze lichte Pbatafiegebüde zerstören; in unserer nüchternen Zeit ist doch die Wirklichkeit so ohne alle Poesie! — Uebrigens ist gegenwärtig die Ovvonncn kehr ratblos, unv sic wird uns auf rem gesetzlichsten Wege zu gediegenen Fortschritten verbellen. Man hat von der entschiedenen Seite her Fasset als ein vermittelndes Element gewäblr; von etwa 16 Mitglieder der Ovposstion, welche an der Wabl sich zu betveiligen das Recht hatten, erschienen blos 4, cuauch schwarze kugeln gaben und sich sogar Protorc'.! zu unterzeichnen weigerten,