Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1845)
- Date
- 1845-04-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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135 aller menschlichen Facultäten", (S. 49) erreicht, vielmehr müssen nothwendig die gesetzlichen Vorschriften dieser ihrer Tendenz und Bestimmung nach beständig umgeändert und dem jeweiligen, nach den Zeiten und Ländern verschiedenen, Culturzustande der Zuven angcpaßt werden, wonach in unserer Zeit, z. B., ein anderes Gesetz für den Orient, ein anderes für den Occident, und in diesem wieder ein anveres für Deutschland und ein anderes für Polen re. erforderlich sein dürfte. — Wir haben behauptet, der Verfasser stelle nicht eine N e l i g i o n s - sondern eine Lebens-Philosophie auf. und haben dies noch zu rechtfertigen. Der einzige Zweck des Gesetzes ist nach dem Verfasser (S. 26) „ unser Wohlergehen, und zwar kein Wohlergehen in einer andern Welt, hier eine Terra ineognita, noch ein geistiges Wohlergehen, ein Leben in Gott, eine überirdische Verklärung, und wie alle die schönen Dinge heißen mögen, für welche inan da vergebens einen analogen Ausdruck suchen wirr, sondern ganz einfach ein leibliches Wohlergehen auf der Erde," und es frägt sich nur, wie ist dieser Zweck zu erreichen? DerVerfirsser glaubt nuu, es geschehe dies am besten dadurch, daß man sich in seine Lage schicke, sich mit seinem Loose freue und ihm die möglichst angenehme Seite abzugewinnen suche, daß man in Allem Maaß halte, die Freiheit des Geistes, die wahre Freiheit, stets bewahre, und als ruhiger friedliebender, redlicher Mann lebe; das hält er für die „praeticable Mittelstraße," HS. 59) und in diesem Sinne sind auch seine Schluß-Ermahnungen abgefaßt (S. 67 fgg.) Das ist aber Lebensphilosophie, und zwar eine sehr gute und zu empfehlende, aber nicht Neligions-Philosopic, am wenigsten particular-jüdische; danach ist die Lehre (jT Ti) freilich nichts mehr als ein Bollwerk gegen die crtremcn Triebe und'Begierden des Menschen, (n'"’ “ÜJ3 J’D,) und keine nj’CX (Glaube). Die Frage, ob der Verfasser die Aufgabe, welche er sich anscheinend gestellt, die polnisch - jüdischen thatsachlichen Zustände in ein philosophisches System zu bringen, (und er geht darin so weit, daß er das jüdische Recht in Eivilstreitigkeiten unter Juden angewcndet sehen möchte (S. 67) in der Anmerkung, wo statt Eodici Codices zu lesen,) auch gelöst? mag sich nun jeder selbst beantworten. Da der Verfasser große Aengstlichkeit zeigt, bei jedem freien Aufschwünge im Reiche des Denkens einen Fallschirm zur Schau trägt, überdies vielfach andeutet, daß inan nicht alles sagen müsse, so wollen auch wir diese Marüne befolgen, zumal sein Beth-Din (er ist, irren wir nicht , aus Krakau .) keinen Sraß versteht, und ihn für einen „Gottesläugner, Frevler, Sünder, der andere sündigen macht, Berräther des Lichtes, Min, Epiknros " re., gleich als hätte er an der Rabbiner - Versammlung zu Braunschweig Theil genommen (Nr. I I d. B. und Z.), zu erklären im Stande wäre, und wir dem wackern Manne nicht gerne Unannehmlichkeiten bereiten möchten. Schließlich wollen wir mir ihm (S. IX.) für diese wohldurchdachte und verdienstliche Arbeit „den Leser um etwas mehr Aufmerksamkeit ersuchen, als man gewöhnlich Drochürcn dieser Art zu widmen pflegt," va deren „Gedrängtheit , Kürze und (absichtliches) Allgcmeinhalten bei der Darstellung" auch uns nicht gestattete, alles Interessante nur zu berühren, geschweige auszuheben. Wer es liebt zu denken, und sich mit Sprach- und Druckfehlern abzusinsen weiß, wird die Zeit nicht für verloren achten, welche er auf diese Lecrüre verwendet. Die Wahl /asiels. Breslau, 28. Februar.*) Am 25. dieses versammelte sich ras Wayl-Eollegium im Gemeiuvesaale, nachdem die 10 Sachkenner einige Tage vorher aus den 10 Candivaten, die sich gemeldet. 3 gewählt hatten, nämlich die Herren Dr. Herrhcimer, Dr. Einhorn und £>. Fussel. Es wurde -von Seiten des Obervorsteher- Colleginms jede Vorsicht gebraucht, um allen Formalitäten und Ansprüchen zu genügen, und es wurde auch ein Zustiz-Commissarius zur Assistenz hcrbcigezogen. Nachdem die Cancivaten in den üblichen Formen vorgeschlagen worden, entschied sich die Majorat für Herrn Fasset, der während seiner hiesigen Anwesenheit 2$ meinen Beifall gefunden, und als der Mann erkannt wurde, r ein versöhnendes Mittelglied zwischen den Parteien bilden könnte. Somit hat das Obervorsteher-Collegium Alles gethan, um den Frieren der Gemeinde herznftctlen, ob aber der Erfolg seine Bemuhlmgen krönen werde, läßt sich noch sehr bezweifeln. Die Ti5ti-iianer oder Opponenten haben sich großenthetts von der Wahl zurückgezogen, und sie haben auch die Wahl hintertreiben wollen, ihr deßfallsiges Gesuch bei der Regierung wurde aber nicht berücksichtigt. Miseellen. Zn eiriem wahrscheinlich säe Polen, Ungarn, Böhmen und Marren veranstalteten besonderen Abdrucke ces rabdinischen Sendschreibens (Nr. 13) finrec fich als Wohnort res Mimn:er;eichners Jose p h Hirsch: E u - n a ch statt S ch m e u; n a ch . und als Wohnort des Mitunter: richners Z o f e " " K a tz : D e u r sch - E u tz statt Deutsch - S ch m e u y angegeben. Man sage noch, die ertbororcn Zaren hätten nichts gelernt und nichts vergessen. *) Durch Zufall verspätet.